Hans Olav Heroy, Martin Zsohar und Christian Schröder (v.l.n.r.)
Hans Olav Heroy, Martin Zsohar und Christian Schröder (v.l.n.r.)Quelle: Monika Lier
Märkte & Vertrieb

Differenzierungen bei BU ausgereizt

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die weitaus überwiegende Mehrheit der Menschen im Erwerbsalter hat keinen privaten Schutz gegen Berufsunfähigkeit (BU). "Wir wollen natürlich keine Pflichtversicherung", sagte Martin Zsohar auf der Handelsblatt-Jahrestagung "Strategiemeeting Lebensversicherung 2018". "Daher müssen wir müssen als Branche gucken, wie wir die 66 oder 75 Prozent der Nichtversicherten versichern und daher bin ich froh, dass BU-Markt vom immer 'mehr, schneller, schöner' abrückt", so der ehemalige Rater, der nun dem Vorstand des Münchener Vereins angehört.
Für das risikoreiche Segment der Handwerker bietet sein Haus seit April die "Aktiv Variante", bei der modulweise ein teils geringerer BU-Schutz erstellt werde. Eine Grundfähigkeitsversicherung als abgespeckte BU zu verkaufen, habe Vermittler und Kunden überfordert. "Das lief nicht", so Zsohar. Zehn Prozent des BU-Neugeschäfts bei der Münchener entfielen inzwischen auf diesen neuen Tarif. Der Vertrieb müsse diese Leistungseinschränkungen - unter anderem im Bereich Psyche - dokumentieren.
Viele Versicherer arbeiten jetzt an Alternativen, weil weitere Differenzierungen bei der BU ausgereizt scheinen“, sagte Christian Schröder, Innovationsmanager der gerade vom Volkswohl Bund neugegründeten Dortmunder Lebensversicherung AG. Bei der BU sei die "Schraube nicht mehr weiterzudrehen". Norbert Heinen, Vorstand der Württembergischen Leben, kann sich vorstellen, dass die BU bei der weiteren Differenzierung ein Schicksal wie die Kraftfahrtsparte laufen könnte. Je stärker nach Berufen differenziert werde, desto größer sei auch das Risiko von Antiselektion – und damit letztlich einer Schaden- und Kostenquote von über 100 Prozent.

Dass der Markt zunehmend auf Alternativen zur BU umschwenkt, sieht Hans Olav Heroy, Vorstand der Huk-Coburg, als Verdienst der Allianz mit ihrem "Körperschutz" an. "Ohne den gäbe es unsere Existenzschutzversicherung nicht", so Heroy. Er warnte vor allzu starker Differenzierung, weil die Bestände oft genug nicht groß genug seien – trotz statistischer Unterstützung durch Rückversicherer. Im BU-Bestand der Huk beträgt die Combined Ratio in den ersten fünf bis sechs Jahren rund 60 Prozent und wächst dann auf durchschnittlich 80 Prozent. Nach dem 15. Jahr gehe es gegen 100 Prozent, was sich aber wegen der Anfangsjahre immer noch rechne, so Heroy.

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