Lutz Oehlenberg, Leiter Grundsatzreferat Lebensversicherung und stellv. Leiter Abteilung Lebensversicherung und Kapitalanlage der Bafin
Lutz Oehlenberg, Leiter Grundsatzreferat Lebensversicherung und stellv. Leiter Abteilung Lebensversicherung und Kapitalanlage der BafinQuelle: Monika Lier
Märkte & Vertrieb

Strenge Kontrolle bei Run-Offs reicht Bafin noch

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Run-off-Lebensversicherer und Abwicklungsplattformen stehen bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht zunehmend im Fokus einer strenger werdenden Prüfung. Auch bei der Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes steht die "Sorgfältige Prüfung jeden Falls eines jeden Falls" sowie die "Verschärfung der Aufsicht" auf der Agenda. "Wir beobachten das aus gutem Grund. Sollte es aus dem Ruder laufen, haben wir gegebenenfalls eine gesetzliche Regelung in der Hinterhand", sagte Lutz Oehlenberg auf der Handelsblatt-Jahrestagung "Strategiemeeting Lebensversicherung 2018".

Momentan werde eine solche gesetzliche Lösung aber nicht angestrebt, sagte der Leiter Grundsatzreferat Lebensversicherung und stellvertretende Leiter Abteilung Lebensversicherung und Kapitalanlage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Oehlenberg berichtete, dass das Inhaberkontrollverfahren für die Transaktion der Generali Leben auf Viridium "gerade erst begonnen" habe. Gegenwärtig befänden sich sechs Lebensversicherer im externen Run-Off, bei den Pensionskassen seien es zwei. Bei den Pensionskassen stehe in einem Fall der Widerruf der Untersagung bevor.

Der Marktanteil der Unternehmen im Run-Off mache zurzeit weniger als drei Prozent der Beitragseinnahme aus. Eine Marktauswertung der Kivi GmbH Kölner Institut für Versicherungsinformation und Wirtschaftsdienste scheint Vorbehalte gegenüber die externen Bestandsversicherer zu bestätigen. Während die deutschen Lebensversicherer 2017 marktweit von Bruttoüberschuss vor Steuern 17,13 Prozent an ihre Aktionäre und 70,92 Prozent an die Versicherungsnehmer weitergegeben gegeben haben, zahlten die acht von Kivi untersuchten Gesellschaften, die ihr Neugeschäft eingestellt haben und sich selbst bzw. im Wege über eine Abwicklungsplattform nur noch auf die Bestandsverwaltung konzentrieren, fast 41 Prozent des Bruttoüberschusses an die Aktionäre. Und die Versicherungsnehmer erhielten nur knapp 46,7 Prozent. Spitzenreiter bei den Ausschüttungen an die eigenen Anteilseigner sind dabei die Heidelberger mit einer Quote von 85,5 Prozent und die Skandia mit 82 Prozent. Nur 0,32 Prozent des Bruttoüberschusses verwenden die Run-Offs zur Stärkung des Eigenkapitals – marktweit beträgt die Verwendungsquote hier 6,27 Prozent.

Nichts Neues konnte Oehlenberg von den Gesetzesvorhaben Neukalibrierung der Zinszusatzreserve (ZZR) und Provisionsdeckel berichten. Dabei steht für 69 Prozent der rund 70 Konferenzteilnehmer die ZZR-Neuberechnung auf Platz eins der dringendsten gesetzlichen Regelungsvorhaben, so das Ergebnis einer Kurzumfrage. Das Finanzministerium arbeite an der Umsetzung bei der ZZR, aber ein Zeitplan sei der Bafin nicht bekannt, sagte Oehlenberg. Seiner Kenntnis nach läuft es auf die von der Aufsicht favorisierte Korridormethode hinaus, bei der es einen Parameter "X" für die Korridorgröße geben wird. Dieser Faktor werde nach speziell definierten Zinssituation entsprechend eingesetzt. Zurzeit sei "X" auf neun Prozent festgelegt. Die Festlegung erfolge durch Experten der Bafin und des BMFs.

Hinweis der Redaktion: Der Text wurde nachträglich im Laufe des heutigen Tages aktualisiert.
Lebensversicherungen · Run-off
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