Cyberkriminalität auf neuem Rekordhoch
Cyberkriminalität auf neuem RekordhochQuelle: Tim Reckmann / PIXELIO (www.pixelio.de)
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Cyberkriminalität auf neuem Rekordhoch - Cyberversicherung wird sich weiter etablieren

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Cyberkriminalität wird in Deutschland zu einem zunehmenden Problem. Während die Kriminalitätsrate im vergangenen Jahr zwar um zehn prozent gesunken ist, hat sich die Zahl der Cyberkriminalfälle seit 2015 nahezu verdoppelt. Auch wenn die Dunkelziffer nach Ansicht der Experten noch weitaus höher ist, sind sich 40 Prozent der Deutschen noch immer nicht der Gefahr durch Cyberkriminaliät bewusst. Und dennoch: Der Markt für Cyber-Versicherung ist laut aktuellem Aon-Marktreport hingegen in den letzten fünf Jahren um 23 Prozent gewachsen.
So werde sich die Cyberversicherung in den kommenden Jahren zu einer etablierten Deckung entwicklen, prognostizieren die Aon-Experten weiter. Allein bis 2021 dürften sich demnach die Einnahmen der Vesicherer in dieser Sparte weltweit auf rund vier Mrd. US-Dollar beziffern. Ein weiterer Trend: Die Versicherungskonzerne decken den Leistungsumfang der Cyberversicherung immer mehr klarer von anderen Sparten ab. So nehmen beispielweise viele Versicherer Produkt- und Leistungsausschlüsse in ihre Bedingungen auf, um die Cyberversicherung klarr von der IT-Haftpflicht abzusichern.
Dennoch bleibt der Schutz vor Cybergefahren für viele Unternehmen noch immer ein echter Stressfaktor, konstatierte jüngst der Spezialversicherer Hiscox in seinem "Cyber Readiness Reports". Ein zentrales Ergebnis: In Deutschland liegt der Anteil der "Cyber-Anfänger" bei 77 Prozent. 14 Prozent gelten als "Cyber-Fortgeschrittene" und zehn Prozent als "Cyber-Experten". Zudem wirken viele Unternehmen angesichts der komplexen Gefahrenlage it ihrer Cyber-Strategie zunehmend überfordert. So gaben 45 Prozent der deutschen Unternehmen an, dass sich nach einem Cyber-Zwischenfall nichts geändert hat. 40 Prozent stehen ihrer Cyber-Strategie nicht selbstbewusst gegenüber.
Ein noch düsteres Bild zeichnet hingegen das Beratungsunternehmen Willis Towers Watson. So hätten fast zwei Drittel der Unternehmen kein Cyber-Notfall-Management-Konzept – obwohl nahezu alle (98 Prozent) Cyber-Risiken als relevantes Thema einschätzen, heißt es in der branchenübergreifenden "Cyber-Studie 2018". Als größte Herausforderung sehen die Teilnehmer die Risikoeinschätzung bzw. -erfassung (36 Prozent) sowie die quantitative Bewertung von Schadensszenarien (28 Prozent) .Und dennoch: Fast drei Viertel (72 Prozent) der befragten Unternehmen gaben jedoch an, dass ihnen der Umfang einer Cyber-Versicherung unklar sei.
In der Branche selbst glaubt hingegen fast  jeder zweite Versicherungsentscheider (46 Prozent), dass das Geschäft mit Cyber-Security-Policen massiv an Relevanz gewinnen wird. Der Vertrieb äußert sich dagegen zurückhaltender. Hier glauben nur 30 Prozent an den Aufschwung durch IT-Sicherheitsversicherungen. Der Grund: Die Produkte sind neu, komplex und erklärungsbedürftig, die Hürden bei der Bedarfsermittlung sind hoch, heißt es im "Branchenkompass Insurance 2017" von Sopra Steria Consulting und dem F.A.Z.-Institut vom März 2018. "Diese Versicherung ist hierzulande noch relativ neu. Versicherer und Makler stehen vielfach erst am Anfang, den Markt zu entwickeln. Jedes Unternehmen geht unterschiedlich bei Risikoprüfung vor. Zudem fehlen Erfahrungen bei der Festsetzung einer adäquaten Versicherungsprämie. Das führt teilweise zu horrenden Preisunterschiede", glaubt Marco Lange, Versicherungsexperte von Sopra Steria Consulting. In den USA entwickelt sich die Cyber-Versicherung aber bereits zu einer weit verbreiteten Versicherungsform. Um den Vertrieb besser zu unterstützen, kombinieren US-Versicherer ihr Cyber-Policen mit Serviceleistungen im IT-Sicherheitsmanagement.
Allerdings kommt es dabei nicht nur auf die IT-Sicherheit in den Unternehmen an. "Auch Mitarbeiter müssen für die zahlreichen Gefahren sensibilisiert werden“, sagte Peter Graß, Cyberversicherungsexperte des GDV, im Mai 2018 anlässlich der Vorstellung der neuen Forsa-Umfrage zu Cyberrisiken im Mittelstand. Dabei gelten vor allem E-Mails und Links in der elektornischen Post oftmals der Türöffner für Cyberkriminelle. Immerhin 59 Prozent der erfolgreichen Cyber-Angriffe auf kleine und mittlere Firmen erfolgten laut Studie genau darüber.
Wie sieht es um den Identitätsschutz im digitalen Zeitalter aus?
Wie sieht es um den Identitätsschutz im digitalen Zeitalter aus?Quelle: Statista
Die Deutschen selbst scheinen sich der Gefahren aus dem Internet jedenfalls durchaus bewusst zu sein. "Ein großer Nachteil ist die zunehmende Gefährdung der persönlichen Daten und damit der eigenen Identität, deren Missbrauch zunehmen kann", betont Manfred Güllner, Gründer und Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts forsa, das sich im Auftrag der Schufa mit dem Thema "Identitätsschutz im digitalen Zeitalter" beschäftigt hat. So glaubt die Mehrheit der Deutschen zwar, gut über Gefahren des Missbrauchs persönlicher Daten im Internet informiert zu sein. Trotzdem sind immerhin zwölf Prozent der Befragten bereits Opfer von Identitätsmissbrauch geworden. Meistens gehen solche Fälle glimpflich aus – nur einem von zehn Opfern ist finanzieller Schaden entstanden.
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