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Politik & Regulierung

Allianz-Tochter Cap bietet Versicherung gegen Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das ist eine originelle Versicherungsidee: In der Schweiz wird eine Versicherung gegen die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) angeboten. Der CAP Rechtsschutz, eine Tochter der Allianz Versicherung, bietet nach Informationen eines schweizer Mediums seit letztem Jahr eine "Zusatzdeckung für Streitigkeiten mit der Kesb an". Das wirft Fragen auf.

Die Kesb stellt in der Schweiz den Schutz von Personen sicher, die nicht in der Lage sind, die für sie notwendige Unterstützung einzuholen, also beispielsweise psychisch eingeschränkte Personen oder Kinder. Die Organisation ist eine interdisziplinär zusammengesetzte Fachbehörde in der Schweiz mit mindestens drei nach fachlichen Kriterien gewählten Mitgliedern. Je nach Kantonist sie eine gerichtliche Behörde oder eine Verwaltungsbehörde, die auf kantonaler oder (inter-)kommunaler Ebene organisiert ist. Sie besitzt also durchaus weitreichende Kompetenzen.

 

Das Angebot der Cap wird laut 20min.ch angenommen: "Bis jetzt hat die CAP in ungefähr einem Dutzend Fällen weiterhelfen können", zitiert die Internetseite Bernd de Wall, Allianz-Sprecher in der Schweiz. Bei den Fällen habe es sich in den meisten Fällen um anwaltliche Beratungen gehandelt, die Deckungssumme der Versicherung betrage 15.000 Franken.

Laut dem Allianz-Sprecher würde bei den Betroffenen oft eine große Unsicherheit im Umgang mit der Behörde bestehen, daraus resultiere ein Bedarf an Beratung, den die Versicherung abdecke. "Wir wollen in keiner Weise in Abrede stellen, dass die Kesb einen guten Job macht", stellt de Wall klar. Allerdings seien viele Verfahren, beispielsweise im Kindes- und Erwachsenenschutzrecht, sehr komplex, hier setze das Angebot an.

 

Die Versicherung spaltet die Politik

 

Die Nationalrätin Barbara Keller-Inhelder, Schweizerische Volkspartei, bezeichnet die Versicherung laut 20min.ch als "dringend notwendig". Die Präsidentin der Beratungsstelle Kesb-Schutz sagt, dass sich viele Betroffene an sie wenden würden, weil der Rechtsweg zu teuer sei. "Kesb-Betroffene, die ihren Fall gewinnen, bleiben oft trotzdem auf Kosten von mehreren Tausend Franken sitzen", erklärt Keller-Inhelder.

 

Sie wird noch deutlicher in ihrer Kritik, Kesb-Mitarbeitende könnten "nach persönlichem Gutdünken verfügen", die Betroffenen müssten anschließend den "teuren und langen Rechtsweg beschreiten".

 

Eine gegensätzliche Meinung hat Thomas Hardegger, Sozialdemokratische Partei der Schweiz, er nennt die Versicherung eine "Geldmacherei". "Leute, die aufgrund einer Kesb-Angelegenheit Hilfe suchen, sind meist persönlich belastet und hilflos. Ein Anwalt hilft hier schlechter weiter als persönliche Auskunft und Begleitung bei einer versierten Anlaufstelle." Er verweist auf bestehende Beratungs- und Betreuungsangebote.

 

Die Allianz schreibt auf VWheute-Nachfrage: "Wir haben in den vergangenen Tagen fast ausschliesslich positives Feedback auf die KESB-Deckung erhalten. Das zeigt, wie groß der Bedarf an einer solchen Lösung ist. Wir stellen damit ja nicht die Arbeit der KESB in Frage, aber angesichts der zunehmenden Fälle und der Komplexität des Kinder- und Erwachsenenschutzrechts besteht bei den Betroffenen vor allem Unsicherheit im Umgang mit den Behörden. Hier wollen wir Hilfestellung leisten."