S&P-Direktoren Johannes Bender (links) und Volker Kudszus (rechts)
S&P-Direktoren Johannes Bender (links) und Volker Kudszus (rechts)Quelle: Mathias von Bredow
Märkte & Vertrieb

S&P: Rückversicherungsbranche bleibt robust

Von Mathias von BredowTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Rückversicherer haben den jüngsten Stresstext gut bestanden. Trotz des von Großschäden geprägten Jahres 2017 konnten die Unternehmen die versicherten Risiken ohne Rückgriff auf ihre Reserven bewältigen. Nicht zuletzt war dies u.a. durch eine verstärkte Abdeckung mit alternativem Kapital möglich. Das geht aus einem Marktbericht hervor, den S&P Global in Frankfurt am Main anlässlich des diesjährigen Branchentreffens der Rückversicherer in Monte Carlo vorstellte.

Das Rating-Unternehmen bewertete die Aussichten für die Jahre 2018/2019 vor diesem Hintergrund als stabil. Man erwartet eine Gesamtkapitalrendite von sechs bis acht Prozent, eine Eigenkapitalrendite von sieben bis neun Prozent und Kapitalkosten von sieben bis acht Prozent. Die Branche deckt zur Zeit versicherte Risiken in Höhe von 18 bis 20 Mrd. US-Dollar ab. Von gehäuft auftretenden Großschadensereignissen wie im Vorjahr blieben die Unternehmen bis jetzt verschont. Es gab nur wenige Naturkatastrophen größeren Ausmaßes wie die Überflutungen in Indien oder die Waldbrände in Kalifornien. In Deutschland und den N iederlanden war es der Orkan "Friederike" im Januar, der Schäden in Milliardenhöhe verursachte.

Als untrügliches Zeichen für die als solide eingeschätzte Situation der Branche gilt das trotz der Einbußen von 2017 unveränderte Interesse  alternativer Kapitalgeber. "Wir beobachten, dass der ‚Appetit‘ der Investoren nach wie vor ungebrochen ist", so Johannes Bender, Director bei S&P. Zum Ende des ersten Quartals 2018 betrug die Quote an Fremdkapital 16 Prozent des weltweiten Kapitals der Branche in Höhe von 610 Mrd. US Dollar. Das anhaltende Vertrauen der Investoren sei vor allem auf die allgemeine Risikomanagementfähigkeit der Rückversicherer zurückzuführen. Diese hätten, so die Studie, angesichts schwieriger werdender Marktbedingungen in den letzten Jahren ihre Unternehmensstrategien überdacht und den sich verändernden Herausforderungen angepasst. Der Trend gehe zu einer vermehrten Verlagerung von "Groß-Risiken" auf Investoren. Dies habe sich besonders im Schadensjahr 2017 bewährt. Die stabile Marktlage wird auch im Ranking der "Top Five" deutlich. Sie verteidigen seit fast zehn Jahren mit Erfolg ihre weltweite Marktführerposition, obwohl mittlerweile neue Anbieter aus Asien wie die China Re oder die Everest Re auf den Markt vorstoßen.

Deutlich verändert hat sich im zurückliegenden Zeitraum das Preisgefüge bei den Abschlüssen der Rückversicherer mit den Erstversicherern. So gibt es kaum noch nennenswerte Preiszuwächse, teilweise ist sogar eine Stagnation zu beobachten. Nach Einschätzung von Bender wird die Preisgestaltung in Zukunft mehr personalisiert und regional vonstattengehen. Ferner zeigt die S&P-Statistik, dass die Ertragsmargen gegenüber den aufzubringenden Kapitalkosten seit 2005 erheblich abgenommen haben. Darauf würden auf längere Frist auch die alternativen Kapitalgeber schauen. Jedoch haben sich die Rückversicherer ihrerseits schon vermehrt auf neue Formen des Investments in Gestalt von ILS (Insurance Linked Securities)-Fonds eingestellt. Dabei werden Versicherungsrisiken als festverzinsliche Wertpapiere verbrieft, auf den Kapitalmarkt übertragen und dort gehandelt.

S&P Global · Rückversicherer
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