Unternehmen fürchten sich zunehmend vor rechtlichen Risiken
Unternehmen fürchten sich zunehmend vor rechtlichen RisikenQuelle: Stephanie Hofschlaeger / PIXELIO (www.pixelio.de)
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Aon: Unternehmen fürchten sich mehr vor rechtlichen Risiken

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Haftpflichtrisiken oder regulatorische Vorgaben bereiten den Unternehmen derzeit mehr Kopfschmerzen als die Furcht vor Betriebsgefahren. Die aktuelle Entwicklung liefere Anlass zur Sorge, weil sich manche Paragrafen lähmend auf das Tagesgeschäft auswirken würden, heißt es im neuen Marktreport 2018 von Aon.
"Früher hatte man Angst davor, dass ein Feuer ausbricht. Heute hat man Angst vor Post vom Rechtsanwalt. Datenschutz-Grundverordnung, Regulierungen, die zu hohen Haftpflichtrisiken führen, Sammelklagen bald auch in Deutschland: Für Unternehmen und ihre Manager wird das Arbeiten zum Spießrutenlauf. Angesichts der zahlreichen rechtlichen Anforderungen, die zeitgleich auf die Manager niederprasseln, wird in vielen Firmen für das eigentliche Kerngeschäft nur das Nötigste getan", konstatiert Hartmuth Kremer-Jensen, Chief Broking Officer des globalen Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Aon. Die Auswirkungen dürften dabei vor allem die D&O-Versicherer spüren. Demnach rücken vor allem verschärfte Regulierungen und digitalte Risiken in den Fokus der Managerhaftung, heißt es im Aon-Report. Dabei müssten jetzt vielfach verschiedene Financial-Lines-Versicherungsprodukte aufeinander abgestimmt werden, um guten Deckungsschutz zu erhalten. Diese Versicherungslösungen gehen weit über die Managerhaftpflichtversicherung (Director’s & Officer’s Liability Insurance/D&O) hinaus, konstatiert Aon weiter.

Sachversicherungsmarkt wird kleiner

Zudem düfte es für Unternehmen in den kommenden Monaten zunehmend schwieriger werden, einen passenden und günstigen Sachversicherungsschutz zu finden, konstatiert Aon in seinem Marktreport weiter. Ersten Hochrechnungen zufolge dürfte der Schadenaufwand für die Versicherer im Jahr 2018 circa 89 Prozent betragen. Zum Vergleich: Im vergangen Jahr lag dieser noch bei 78 Prozent. Für die Versicherer würde sich damit eine Schadenkostenquote von 111 Prozent (Vorjahr: 100 Prozent) ergeben, heißt es bei Aon. Die
teuersten Schäden stammen dabei aus der industriellen Sachversicherung. Die Folge: Viele maßgebliche Versicherer haben bereits angekündigt, ihre Preise entsprechend zu erhöhen. Teilweise werden laut Marktreport diese nur ausgewählte Unternehmensbranchen treffen, manchmaljedoch auch alle Unternehmen, die von dem jeweiligen Versicherer Deckungsschutz erhalten. Hinzu kommt, dass sich mit dem geplanten Zusammenschluss der Versicherer Axa und XL Catlin die Zahl maßgeblicher Führungsversicherer reduzieren werde. Zudem haben die Versicherer Amlin und Mapfre angekündigt, sich aus dem deutschen Markt zurückziehen zu wollen.

Kfz-Versicherer rechnen mit neuem Preiskampf

Deutliche Veränderungen stehen laut Marktreport auch den Kfz-Versicherern bevor. So rechnen sich die Kfz-Versicherer in der privaten Versicherung zwar mit einem neuen Preiskampf. Für die Unternehmen dürfte der Versicherungsschutz hingegen teuerer werden, prognostiziert Aon. Schuld dafür seien dabei nichtg nur die Verluste, welche die Versicherer seit Jahren im Flottenbereich schreiben. Der technologische Fortschritt bei Fahrzeugen und die Digitalisierung werden die Kfz-Versicherung der Zukunft prägen und
grundlegend verändern. Neue Martktteilnehmer und komplett neue Mobilitätskonzepte können für die etablierten Kfz-Versicherer zu einer Gefahr werden, betont Aon. Zudem deute sich in den nächsten Jahren ein verstärkter Wettbewerb um den direkten Zugang zu den Kunden im Kfz-Versicherungsmarkt an. Während viele etablierte Versicherungen die Digitalisierung zu langsam vorantreiben, werben neue Marktteilnehmer um die Gunst der Kunden. Fahrzeughersteller und komplett digitale Versicherer drängen in den Kfz-Versicherungsmarkt, Internetkonzerne führen erste Verhandlungen, um als Assekuradeure in den Kfz-Versicherungsmarkt einzutreten. Ein neuer Preiskampf sei daher wahrscheinlich, lautet die Prognose von Aon.

Höhere Nachfrage nach Terrorversicherung

Zunehmend in den Fokus rücken wird laut Aon auch die Nachfrage nach Terrorversicherungen inklusive des Versicherungsschutzes bei Terrorandrohungen. Zwar würden einige Versicherer diesen Zusatzbaustein im Rahmen der bestehenden Terrordeckungen bereits mit geringeren Deckungssummen an. Es bleibe jedoch abzuwarten, ob weitere Versicherer nachziehen werden, heißt es im Marktreport. Neben einer veränderten Strategie islamistischer Terroristen werden sowohl der links- als auch der rechtsradikalen Szene in Deutschland zunehmend terroristische Aktivitäten nachgewiesen. So stehe die linksradikale Szene seit dem G20-Gipfel in Hamburg unter besonderer Beobachtung. In der rechtsextremen Szene habe sich zudem in den vergangenen Jahren mit der Reichsbürgerbewegung eine weitere gewaltbereite Gruppierung gebildet. Ob sich diese Gefahren auf künftige Ausgestaltungen von Versicherungsschutz auswirken werden, bleibt abzuwarten, konstatiert Aon.
Aon · Marktreport 2018
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