Sind die Kosten in der LV zu hoch?
Sind die Kosten in der LV zu hoch?Quelle: Tim Reckmann / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

"LV-Abschlusskosten sind auf grotesk hohem Niveau"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es ist ruhig(er) geworden um den Provisionsdeckel. Zu ruhig, findet offenbar der Bund der Versicherten (BdV) und heizt die Diskussion wieder an: "Ohne weitere Maßnahmen können wir erst in dreißig Jahren akzeptable Abschlusskosten von 1,5 Prozent der Beitragssumme erwarten", schreibt der Verband und legt dann argumentativ nach.

Ein "sehr hohes" Abschlusskostenniveau bei Lebensversicherungen hat derBund festgestellt. Selbst wenn nur das 2014 "politisch avisierte Abschlusskostenniveau von 2,5 Prozent im Branchendurchschnitt" erzielt werden soll, müssten laut BDV rund zwanzig Jahre vergehen. "Die Branche schafft es nicht von alleine, sich mit einem angemessenen Kostenniveau zu begnügen, deshalb brauchen wir einen Kostendeckel", sagt BdV-Präsident Axel Kleinlein.

 

Genau diesen hatte die Bafin in diesem Jahr als Folge der IDD-Umsetzung in Spiel gebracht, 2,5 Prozent der Laufzeit-Kundenbeiträge als Provision und zusätzlich 1,5 Prozent als Qualitätszuschuss bei Erfüllung bestimmter Anforderungen wie Kundenzufriedenheit stehen im Raum.

 

Wie der BdV rechnet

 

Bei seinen Berechnungen bezüglich der 20-Jahresspanne bezieht sich der Verband auf eine Tabelle von Procontra und kommt zu dem Ergebnis, dass  "bei einer Fortschreibung der Marktentwicklung von 2016 zu 2017",  das überhöhte Abschlusskostenniveau im Zeitverlauf "stetig steigen" werde. Die Forderung nach einem Kostendeckel bekomme dadurch "zusätzlichen Rückenwind“. 

 

Bei einer Fortschreibung der Branchenbemühungen sei laut BdV damit zu rechnen, dass im "Jahr 2041 ein Abschlusskostenniveau von 2,5 Prozent erreicht ist bzw. im Jahr 2051 ein Niveau von 1,5 Prozent".  Das dauert den Verbraucherschützern entschieden zu lange.

 

Der BdV möchte eine schnellere Senkung der Kosten erreichen und fordert dafür den Provisionsdeckel. "Die aktuelle Abschlusskostenbelastung bewegt sich auf grotesk hohem Niveau, so dass einschneidende Maßnahmen notwendig sind“, kommentiert Kleinlein. Der BdV möchte eine Beschränkung der Abschlusskosten auf 1,5 Prozent der Beitragssumme und eine Reduktion der Verwaltungskosten auf 5 Prozent des Beitrags – die Forderung ist nicht neu, geht aber weit über den Bafin-Vorschlag hinaus.

"LV Kosten sind grotesk hoch"
Axel Kleinlein

Das sagt der GDV

 

Angesprochen auf die Berechnung des BdV und die daraus resultierenden Forderungen schreibt der GDV, dass er sich zu den Berechnungen "von Dritten" nicht äußern möchte.

Zum Provisionsdeckel sagt ein Sprecher des Zusammenschlusses der Versicherer: "Der BMF-Bericht zum Lebensversicherungsreformgesetz zeigt, dass die Kosten, die die Kunden für den Abschluss einer Lebensversicherung zahlen, im Durchschnitt um mehr als ein Fünftel gesunken sind. Dadurch sind die Rückkaufswerte für die Kunden in den ersten fünf Jahren deutlich gestiegen. Vor diesem Hintergrund sehen wir Vorschläge für eine Deckelung der Provisionen kritisch."

 

Hat sich die Branche damit abgefunden

 

Die Diskussion ist nicht neu, seit sie begonnen wurde, reden sich Befürworter, Gegner und Betroffene die Köpfe heiß. Die Breite der Argumente reicht von ablehnend, wie BVK-Präsident Michael H. Heinz oder AFW-Vorstand Norman Wirth, über Befürworter wie den Grünen-Politiker Gerhard Schick oder eben Axel Kleinlein.

 

Das der Deckel letztlich kommen wird, daran zweifelt mittlerweile (kaum) noch jemand. Angesprochen auf den Deckel erklärte Debeka-Chef Thomas Brahm im VWheute-Interview auf die Frage nach dem Deckel: "Unser Außendienstvertrag ist auf das ganze Sortiment unseres Angebots angepasst, wir haben als Provisionsträger die Lebens-, die Kranken-, die Schaden- und Unfallversicherung sowie die Bausparkasse. Das Einkommen generiert sich aus diesen vier Quellen, daher ist der bisher angedachte Provisionsdeckel in der Lebensversicherung für uns weniger problematisch als für andere."

 

Die Antwort zeigt, dass viele in der Branche sich bereits mit den Folgen des Deckels beschäftigen, nicht mehr mit der Verhinderung. In einem kommenden Interview in der Versicherungswirtschaft erklärte ein Vertriebs-Vorstand eines Insurtechs zum Deckel: "Sinnvoll, ist unumgänglich."

 

Unumgänglich scheint auch zu sein, dass die Gegner der Lebensversicherung das Thema Provisionen immer wieder spielen werden, bis die Politik Fakten schaffen wird. 

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