Quelle: Hans Steup
Schlaglicht

"Die Stellenanzeigen von Versicherern sind eine vier minus"

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Hans Steup kennt keinen Versicherungsangestellten, der nicht gerne über seinen Beruf spricht. Das alleine ist nach Angaben des Gründers der Stellenbörse „Versicherungskarriere“ aber noch lange kein Grund, um zu glauben, dass junge Leute plötzlich von sich aus auf die Idee kommen, in der Branche zu arbeiten. Im exklusiven Interview spricht er über Nachwuchsprobleme und kluges Recruiting.

Versicherungswirtschaft: Welcher Versicherer hat Sie mit einer guten Stellenanzeige überzeugt?

Hans Steup: Mich hat noch kein Versicherer mit einer guten Stellenanzeige überzeugt. Wenn gut die Schulnote zwei ist, und ausreichend die Note vier, dann sind die meisten Stellenanzeigen eine vier minus. Es hat also mehr mit Glück zu tun, als mit einer guten Ansprache, wenn Menschen sich auf solche Ausschreibungen bewerben. Die meisten Stellenanzeigen gleichen einem Produkt-Informationsblatt. Und wie wir wissen, sind die PIBs auch oft Mist.

Versicherungswirtschaft: Was macht eine gute Stellenanzeige aus?

Hans Steup: In einer guten Stellenanzeige geht es nicht um Sie als Arbeitgeber. Es geht um den Kandidaten. Es geht darum, ihm ein Gefühl dafür zu geben, wie es ist, bei Ihnen zu arbeiten. Was nervt ihn in seinem jetzigen Job? Warum soll er diesen Job kündigen und bei Ihnen arbeiten? Wie sieht es aus, wenn Sie ihn ab demnächst auf seinem Berufsweg begleiten? Ich nenne das die Story-basierte Stellenausschreibung. Die guten Kandidaten bestimmen, wo es lang geht. Die Bewerber stehen vor Ihrer Tür nicht mehr Schlange. Sie als Unternehmen müssen was anbieten. Dazu gehört in der Stellenanzeige auch ein Ansprechpartner mit Namen und Telefonnummer, und die klare Aufforderung, diesen anzurufen. Wer will heute noch seinen frisierten Lebenslauf mit seinem geheuchelten Motivationsschreiben durch die Gegend schicken?

Es gibt tatsächlich Personalabteilungen, die sich davon noch beeindrucken lassen. Besser ist ein Telefonat mit der zukünftigen Führungskraft. Oder mit einem Mitarbeiter des Teams. Darin stellen beide fest, ob es grundsätzlich Sinn macht, intensiver miteinander zu sprechen. Das dauert keine drei Minuten und ist sowas von DSGVO-konform. Wenn es passt, vereinbaren Sie ein erstes persönliches Vorstellungsgespräch. Wenn auch das passt, ist immer noch Zeit, Unterlagen zu übergeben.

Im klassischen Bewerbungsgespräch kommen stets die Fragen nach den Schwächen und Stärken. Bewerber stellen sich positiver da, als sie sind, ebenso auch die Versicherer als Arbeitgeber. Kann man heutzutage noch ein Bewerbungsgespräch überstehen, wenn man einfach ehrlich ist?

In vielen Bewerbungsgesprächen geht es auf der einen Seite um Kenntnisse und Fähigkeiten und auf der anderen Seite um Arbeitsinhalte und Vergütung. Es geht also oft ums Was. Und nicht ums Warum. Das ist ein Fehler. Warum will jemand seinen jetzigen Job verlassen? Nervt ihn sein Chef? Nervt ihn seine Arbeit? Will er mehr Geld? Weniger Überstunden? Wieder ein geregeltes Privatleben? Wenn Sie als zukünftiger Arbeitgeber nicht den wahren Grund kennen, wie wollen Sie ihm genau das geben, was ihm jetzt fehlt? Mehr Geld? Mehr Verantwortung? Weniger Verantwortung? Wenn Sie beide unter falschen Voraussetzungen einen Arbeitsvertrag unterschreiben, endet das möglicherweise böse. Aber auch, wenn Sie ehrlich sind, müssen Sie ausprobieren, ob Sie miteinander arbeiten können. Dafür erfand der liebe Gott die Probezeit.

Mein Tipp für Ihr nächstes Vorstellungsgespräch: Gehen Sie als zukünftiger Chef mit dem Kandidaten spazieren. Raus aus dem Büro. Lernen Sie den Menschen hinter dem Kandidaten näher kennen. Erzählen Sie von Ihrem Arbeitsalltag und über die neue Aufgabe. Und bringen Sie ihn dazu, zu sagen: „Ja, ich kann das, weil...“ Meine liebste Personaler-Weisheit: Hire for attitude, train for skill. Stell ihn ein wegen seiner Haltung, und bring ihm bei, was er können muss. Das ist keine Erfolgsgarantie. Aber ein sehr guter Anfang.

Das komplette Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe des Magazins Versicherungswirtschaft.