alter Führerschein mit Fahrzeugpapieren
alter Führerschein mit FahrzeugpapierenQuelle: Rainer Sturm / www.pixelio.de / PIXELIO
Politik & Regulierung

Versicherer bietet Schluckspecht-Versicherung an

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kaum etwas ist in der heutigen Gesellschaft so wichtig wie Mobilität. Ein großer Faktor ist dabei der Führerschein, der allerdings von Blitzern, Unfällen oder dem einen oder anderen Glas zu viel gefährdet wird. Die ias-Unternehmensgruppe aus Bremen will eine Führerscheinverlustversicherung anbieten, wie sie in Großbritannien bereits angeboten wird – Kritiker wittern moralischen Verfall.

Die Versicherung ist für Menschen konzipiert, die auf ihr Auto angewiesen sind und bei zeitweisem Verlust des selbigen auf alternative Fortbewegungen angewiesen sind. Die jährliche Prämie soll sich laut Unternehmen in Höhe von 300 Euro belaufen, dafür werden laut Pressemitteilung Kosten bis zu 10.000 Euro für zweckgebundene Auslagen wie Taxifahrten oder Mietwagen erstattet.

 

Wer jetzt allerdings glaubt, eine All-you-can-drink-Freipauschale im Straßenverkehr erwerben zu können, irrt. Alkohol am Steuer ist bis zu einem Promillewert von 1,09 Prozent versichert, ansonsten greift der Schutz bei verkehrstechnische Verstöße wie zu geringem Anstand oder überhöhte Geschwindigkeit. Die Alkoholgrenze ist nicht zufällig gewählt, sie entspricht laut Bußgeldkatalog zwei Punkten in Flensburg, 500 Euro Strafe und einem Monat Fahrverbot. Bei höherem Pegel steigen die Strafen und damit natürlich auch die Zeit als Fußgänger, was sich auch auf die Ausgaben der Versicherung auswirken würde.

 

Die Strafen für Alkohol am Steuer wurden zuletzt noch einmal erhöht, offenbar mit Erfolg. Die Zahl der alkoholbedingten Unfälle hat sich in den letzten Jahren bei rund 35000 im Jahr eingependelt, vor zehn Jahren waren es noch rund 51.000.

 

Kritik am Schutz

 

Kein Fan der neuen Versicherung ist Daniela Wagner, Sprecherin für Verkehrssicherheit der Grünen im Bundestag: "Wer mit dem Auto das Leben und die Gesundheit anderer gefährdet, für den muss eine Strafe abschreckend wirken."

 

Thomas Schrader, geschäftsführender Gesellschafter der ias hält dagegen: "Was wir anbieten, richtet sich ausschließlich an Menschen, denen mal ein Missgeschick im Verkehr geschieht – die aber gerade keine notorischen Verkehrsrowdys sind." Laut Unternehmen sind Vergehen durch rücksichtsloses Fahren vom Schutz ausgenommen, Fahrer mit über vier Flensburg-Punkten sind ebenfalls außen vor.

 

Am Ende wird der Markt, nicht die Moral entscheiden, ob die Versicherung ein Erfolg wird.

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