Quelle: IBM
Schlaglicht

IT ausgetrickst: Allianz-Betrugsspezialist griff 435 Mal in die Allianz-Kasse

Von Monika LierTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der wegen Untreue, Betrug und Missbrauch von Firmengeldern in 435 Fällen angeklagte Ex-Allianzer Eric B. gab sich reumütig in der Hauptverhandlung. „Die Anklage ist leider wahr“, sagte der 54-Jährige vor dem Kölner Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Gruppen- bzw. Referatsleiter für die Betrugsbekämpfung im Allianz-Geschäftsgebiet Deutschland Nordwest vor, zwischen dem 7. März 2013 und dem 27. Februar 2018 insgesamt 435 Mal Firmengelder auf eigene Konten umgeleitet und so insgesamt 2,076 Mio. Euro unterschlagen zu haben

Einige Zehntausend Euro sind im Rahmen der Ermittlungen bereits an die Allianz zurückgezahlt worden. Um die Begleichung des Ausstehenden versprach der Angeklagte sich zu bemühen, obwohl er „keine Chance sehe, dies jemals abzuarbeiten.“ Aber er wolle „schnell wieder auf eigenen Beinen stehen“, auch wenn er für die Assekuranz „wohl nicht mehr geeignet“ sei. Von Wolfgang Otten, dem Vorsitzenden Richter der Großen Strafkammer, auf seine weitere Zukunft befragt, nannte Eric B. den „Lehrerberuf als Quereinsteiger eine Option oder etwas in sozialer Richtung“. Er habe „noch nie viel Geld für sich selbst gebraucht“, bekannte er.

Der von ihm freimütig und offen am ersten Tag der Hauptverhandlung geschilderte Lebenslauf zeigt indes ein anderes Bild: Teure Autos, mehrere Immobilien, eine Ex-Geliebte, die er über zweieinhalb Jahre an den Wochenenden auf Mallorca besuchte und kostspielige Hobbys. So gingen die „Noch“-Ehefrau und zwei Kinder dem Pferdesport nach und er selbst golfte. Hinzu kamen Schulgelder für die beiden Kinder, die dem Unterricht auf Regelschulen nicht folgen konnten, sowie die großzügige Unterstützung der „Noch-Ehefrau“. Drogen- oder Alkoholprobleme habe er zu keinem Zeitpunkt gehabt, so der Angeklagte auf die Nachfrage des Gerichts.

Vom unterschlagenen Geld soll mit Ausnahme eines kreditfinanzierten Einfamilienhauses, das zur Hälfte der „Noch“-Ehefrau gehört nichts mehr übrig sein. Die aktuelle Lebensgefährtin und ein alter Schulfreund füllten mit kleinen Beträgen sein Haftkonto auf, so Eric B., der seit Februar wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft sitzt. Dort geht er schon einer Arbeit nach, um seine Chancen auf Überstellung in den offenen Vollzug zu erhöhen.

Der Sohn eines Versicherungskaufmanns der Allianz ging nach Erreichen der mittleren Reife selbst bei der Allianz in die Lehre und arbeitete sich vom Düsseldorfer Schadenbüro hoch zu einem angesehenen Betrugsspezialisten. Die Allianz erteilte ihm die Vollmacht für Transaktionen bis 100.000 Euro. Wie der  Angeklagte seine Firmenstellung im Einzelnen ausnutzte, wurde an diesem Verhandlungstag noch nicht geklärt. Verschiedenen Zeitungsmeldungen zufolge, die die Allianz teilweise bestätigt hat, soll Eric B. die Intransparenz durch ein altes und eine neues parallel laufendes IT-Systemen zur Betrugsabwehr ausgenutzt haben. Er soll juristischen Anfrage bei fiktiven Anwälten für Altfälle fingiert haben. Einem Mitarbeiter war dies letztlich aufgefallen und er hatte sich an die Interne Revision gewandt. Die Meldungen deuten auf fehlende bzw. mangelnde Kontrollen der Kontrolleure der Allianz im Bereich der Betrugsabwehr hin.

Der Angeklagte hofft, dass die 435 Fälle wegen ihrer gleichförmigen Begehungsweise als ein Delikt vom Gericht gewertet werden. Das frühzeitige und umfassende Geständnis, sein bisher straffreies Leben sowie ein notarielles Schuldanerkenntnis wertet die Staatsanwaltschaft als mildernd. Die Schadenssumme, die große Zahl der Betrugsfälle, das „gewerbsmäßige“ Vorgehen und der „erhöhte“ Lebensstil seien hingegen „verschärfende“ Umstände.

Der Prozess wird fortgesetzt. Am 12. und 19. September sollen Allianz-Mitarbeiter, die Ehefrau und die Lebensgefährtin als Zeugen vernommen werden. Die Verlesung der Plädoyers ist voraussichtlich für den 21.September geplant.

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