Wie vernetzt sich die Branche künftig digital?
Wie vernetzt sich die Branche künftig digital?Quelle: Sascha Schulz
Märkte & Vertrieb

Insurtech: Deutsche Versicherer auf der Suche nach digitaler Nachhilfe

Von Sascha SchulzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die vom Bundeswirtschaftsministerium finanziell unterstützte Digital Hub Initiative DE HUB trägt auch in der Versicherungswirtschaft Früchte. Durch den unternehmens- und projektübergreifenden Zusammenschluss verschiedener Akteure mit hoher Digital- und Technologieaffinität sind Orte für den Austausch, die Zusammenarbeit und gemeinsame Entwicklung marktreifer Ideen entstanden. Insgesamt sind 12 Hubs aus verschiedenen Sektoren in 16 Städten Projektpartner der Hub Agency (RCKT). VWheute hat sich die auf die Versicherungsbranche spezialisierten Hubs in München, Köln, Leipzig und Berlin angeschaut.

InsurHub Berlin

Das Sicherheitsbedürfnis in der Bevölkerung, in einer Welt mit zunehmend komplexen und unübersichtlichen Entwicklungen und Bedrohungslagen, wächst und kann nicht allein von staatlichen Institutionen gewährleistet werden. Die Assekuranz kann hier eine Schlüsselrolle einnehmen, denn genau hier liegt ihre Kernkompetenz. Daher möchte das insurHUB genau hier verstärkt Impulse setzen. "Wir möchten die Vernetzung mit Startups und weiteren innovativen Playern am Markt weiter vorantreiben", erklärt Sylvie Hauke, eine der beiden Projektleitenden des InsurHub – im Hauptjob Mitarbeiterin von V.E.R.S. Leipzig. "Versicherungsunternehmen können die Potenziale, die von Startups/InsurTechs ausgehen, für ihr eigenes Geschäftsmodell nutzbar machen und auch über Branchengrenzen hinweg, Synergieeffekte erzielen." Warum macht gerade im Bereich Digitalisierung „Co-opetition“, die Zusammenarbeit sonst in Wettbewerb stehender Firmen Sinn? "Die Versicherungsbranche befindet sich im digitalen Wandel. Wir erleben einen Umbruch entlang der gesamte Wertschöpfungskette. Neue Wettbewerber, die sogenannten InsurTechs, dringen mit innovativen Geschäftsmodellen, welche sich vorwiegend an den Kundenbedürfnissen orientierten, in den Markt ein", erklärt Daniel Thiefes, Projektleiter des insurHUB Berlin.

Der smarte Manager, der wegen des Hubs regelmäßig zwischen Norddeutschland und Berlin pendelt, arbeitet seit 17 Jahren im Vertriebsressort für die LVM-Versicherung. Innovative Newcomer tragen beachtlich zum Wandel bei und erweitern zudem teils sogar die seit Jahrzehnten bestehende Wertschöpfungskette. „Angesichts dessen“, so Thiefes, „hilft es enorm, sich branchenübergreifend auszutauschen, um von und insbesondere mit anderen zu lernen und so den digitalen Wandel der Branche im Sinne des Kunden aktiv mitgestalten zu können.“  Gibt es bereits eine Erfolgsbilanz - was hat das InsurHub Berlin bislang erreicht? „Neben dem Generieren von eigenen innovativen und an den Bedürfnissen des Kunden ausgerichteten Ideen, wovon eine kurz vor der Marktreife steht, erleben wir bei allen Teilnehmern/innen des insurHUB einen Anstoß des kulturellen Wandels, welchen sie mit in die teilnehmenden Versicherungshäuser tragen. Zudem bietet das insurHUB einen optimalen Rahmen um mit InsurTechs ins Gespräch zu kommen und so voneinander zu lernen.“

InsurTech Hub München

Johannes Wagner, Versicherungskammer Bayern, beschreibt das InsurTech Hub in München mit deutlich internationaler Ausrichtung: „Wir möchten einerseits München zum Hotspot für Innovationen in der Versicherungsbranche machen und diese früh erkennen. Anderseits möchten wir eine weltweite Innovationsplattform etablieren.“ Die Kontakte der Münchner, zu denen Partner neben Wagners Arbeitgeber Versicherungskammer unter anderem Allianz, Arag, ADAC, die Bayerische, Generali, HUK-Coburg, Munich RE, Nürnberger und WWK zählen, reichen bis ins Silicon Valley. Auch Industrieunternehmen wie Roche und Wayra/Telefonica sind mit an Bord. „Wir bräuchten unser Hub nicht, um nationale Startups kennen zu lernen – die würden wir auch so finden. Unsere Mission ist es , nationale und internationale Ansprechpartner professionell über unseren Accelerator in der Early Stage und Late Stage Phase zum Erfolg zu führen.“ Die Münchner arbeiten dabei nicht nur produktbezogen. Gerade auch die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen wie dem DE Hub Mobility setzt wertvolle Impulse für die Innovation von Geschäftsmodellen in Zusammenarbeit mit der Automobilbranche und die Entwicklung neuer Produkte. Neben Hochschulkooperationen besteht auch eine Zusammenarbeit mit den Versicherungsforen Leipzig. „Unsere Ziele sind langfristig. Wie möchten unseren Partnern Zugang zu Premium-Innovationen ermöglichen und diese von München nach Deutschland, Europa und in die Welt transportieren.“

InsurLab Germany Köln

 

Wie lässt sich die Mission des Kölner Hubs in Bezug auf die Versicherungsbranche in einem Satz formulieren? „Unsere Mission ist die Vernetzung von deutschen Versicherungsunternehmen mit InsurTech Startups weltweit sowie die aktive Unterstützung bei der Entwicklung gemeinsamer Projekte“, so Sebastian Pitzler gegenüber Versicherungswirtschaft. Gibt es Anwendungsschwerpunkte, die sich bei Partnern in Köln herauskristallisiert haben? „Aktuell entsteht eine Vielzahl neuer Lösungen für Versicherungsprozesse und -Geschäftsmodelle auf Basis digitaler Technologien, wie z.B. Artificial Intelligence, Predictive Analytics, Blockchain und im Bereich Internet of Things (IoT)“, so Pitzler.

Das Angebot des Kölner InsurLab richtet sich an InsurTechs, jedoch sind die Versicherungsunternehmen dort Mitglieder. Hierzu zählen insgesamt 28 Versicherer und 24 Technologie- & Beratungsunternehmen sowie Hochschulen und weitere assoziierte Unternehmen. Das InsurLab Germany sieht sich als verlängerter Innovationsarm seiner Mitglieder. Das heißt zum einen, dass diese sich sicher sein können, kein bahnbrechendes Startup zu verpassen. Zum anderen richtet sich das gesamte Angebot an den Wünschen und Bedürfnissen der Mitgliedsunternehmen aus. Neben Networking-Events, Konferenzen & Panels, Hackathons, (Reverse) Pitch und Demo Days organisiert das Kölner InsurLab intensive Workshops, sogenannte Innovationswerkstätten, in denen ausgewählte InsurTechs mit seinen Versicherungsmitgliedern einen Tag lang an konkreten Anwendungsszenarien und der Identifikation von potenziellen Pilotprojekten arbeiten.

Zudem bietet das InsurLab sowohl InsurTechs als auch den Digitalabteilungen seiner Mitgliedsunternehmen Arbeitsplätze auf dem InsurLab Germany Campus in Köln an. Diese räumliche Nähe zwischen InsurTechs und etablierten Unternehmen soll die Entstehung gemeinsamer Projekte und die Entwicklung innovativer Produkte nochmals begünstigen. Das sechsmonatige Accelerator-Programm findet zudem in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern statt. Neben individuellen Mentoren aus dem Top-Management der Mitgliedsunternehmen, unterstützen fachkundige Ansprechpartner der Versicherer die fünf ausgewählten Startups und nehmen somit direkten Einfluss auf die Entwicklung der Startups. Durch die aktive Einbindung der Versicherungsunternehmen in das vielfältige Angebot für InsurTechs profitieren diese direkt von den gemeinsam entwickelten Ideen und Konzepten sowie dem unmittelbaren, persönlichen Kontakt zu den Gründern. 

Insurance Innovation Lab Leipzig

„Ressourceneffizient forschen, agil und kundenzentriert entwickeln“ ist der Claim der von der Leipziger Digital Impact Labs GmbH formierten Initiative. Die Leipziger führen Unternehmen, Start-ups, Wissenschaft und Talente zusammen. Eine Kooperation besteht mit den Versicherungsforen Leipzig. Partner sollen sich „in die Haut eines Gründers“ hineinversetzen können, Start-ups werden über die Plattform New Players Network promotet.

Weitere Branchen-Partner sind überall erwünscht

Sind die Hubs offen für die Aufnahme weiterer Versicherer? Was sind die Aufnahmebedingungen? Sebastian Pichler, Köln: „Ja, wir freuen uns natürlich über Zuwachs. Da die Struktur unserer Versicherungsmitglieder sehr breit gefächert ist, gibt es hier kaum formale Einschränkungen. Eine wichtige Bedingung ist aber natürlich die Lust auf Veränderung und die Offenheit und Bereitschaft, mit InsurTechs zu kollaborieren.“ Auch die Insurance-Hubs an den übrigen Standorten freuen sich über Zuwachs.

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