Schirmbedeckte Straße im Norden von Nikosia
Schirmbedeckte Straße im Norden von NikosiaQuelle: Katharina Wieland Müller/ Pixelio/ www.pixelio.de
Unternehmen & Management

Olympic-Insolvenz führt zu bulgarisch-zypriotischem Zwist

Von Philipp ThomasTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die EU-weit geltende Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit lässt die Aufsichtsbehörde des Sitzlandes einer Gesellschaft die zentrale Rolle bei der Beaufsichtigung einer Gesellschaft spielen. Aufsichtsbehörden von Ländern, in denen der Versicherer darüber hinaus operiert, spielen eine sehr kleinlaute zweite Geige. Dieses Prinzip hatte insbesondere die 2018er EuGH Entscheidung Onix Asigurari SA gegen die italienische Aufsichtsbehörde IVASS noch einmal betont. Und es gibt weitere Fälle.

Auch im Fall der in Nikosia beheimateten Olympic Insurance liegt eine ähnliche Konstellation vor: Olympic ist zwar in Zypern ansässig, der Großteil der Geschäfte aber kommt aus Bulgarien. Das bulgarische Autoportfolio soll sich auf eine Jahresprämie von 20 Mio. Euro belaufen. Die Sitzwahl entspricht nicht den wirtschaftliichen Verhältnissen und sieht nach Regulatory Arbitrage aus. Bisweilen mag das Ziel der Hintermänner solcher Konstrukte auch darin bestehen, an überhöhten Vermittlungsprovisionen kräftig zu verdienen und Jahre später, wenn das betriebene Ponzi Scheme offensichtlich wird, den Versicherer planmäßig ins Aus zu manövrieren.

 

Aufsicht untersagt Zeichnen neuer Policen

                                                                                                                    

Die zypriotische Aufsichtsbehörde Insurance Companies Control Service, eine Abteilung des Finanzministeriums, hatte Olympic bereits vor drei Monaten das Zeichnen neuer Policen untersagt. Am 10. August wurde die Liquidation angeordnet. Die laufenden Autohaftpflicht-Policen sind somit nicht mehr gültig. Die 197.500 Versicherten haben zunächst einmal Anspruch auf Rückerstattung der vorausbezahlten Prämien i.H. von 4,7 Mio. Euro. Dank üblicher monatlicher Zahlweise ist die unverdiente Prämie eher niedrig. Die technisch notwendigen Schadenreserven gilt es noch mit den tatsächlich gestellten zu vergleichen.

 

Die Angelegenheit droht fast zu einem Casus Belli zwischen Bulgarien und Zypern zu werden. Der zypriotische Botschafter wurde ins bulgarische Außenministerium zur Audienz mit der Ministerin persönlich zitiert. Es gibt Demonstrationen von Versicherten und die bulgarische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen angeblich nachlässig agierende zypriotische Beamte. Die Leiterin der bulgarischen Aufsicht Ralitsa Agayn hatte auf parlamentarischen Druck hin ihren Rücktritt erklärt, auch wenn ihr aufgrund des Sitzlandprinzips wohl die Hände gebunden waren.

 

Olympic besteht seit 2001 und ist mit 22 Mio. Euro kapitalisiert. Die bisherige luxemburgische Holding Hispakol S.A. hatte Ende 2015 alle Anteile an die ebenfalls luxemburgische NYSB Financial Group abgegeben. Die Website ist mittlerweile offline.

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