Bild: Axa Crashtest 2017
Bild: Axa Crashtest 2017Quelle: Axa
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Axa-Crashtest 2018: "Technik wird ganz erheblich zur Unfallverhütung beitragen"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Axa veranstaltet heute wieder ihre jährlichen Crashtests, diesmal unter dem Motto "urbane Mobilität 2030". Abstürzenden Drohnen, schnelle E-Bikes und möglichen Gefahren beim Car-Sharing stehen dabei auf dem Flugplatz Dübendorf (Schweiz) im Fokus. Vorab hat Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung & Prävention bei Axa Schweiz, über Prävention, Drohnen und mehr gesprochen.

VWheute: Axa beschäftigt sich mit den Gefahren von Morgen, Drohnen, E-Bikes, selbstfahrenden Autos. Ist das heute bereits möglich, denn es weiß noch niemand wie der Stand der Technik dann sein wird, wie gehen Sie vor?

 

Bettina Zahnd: In jedem der drei Gebiete sind heute erste Trends sichtbar, Stichwort Drohnen: Bereits heute fliegen erste kleinere Drohnen. Erste Unfälle mit Sachschaden wurden schon gemeldet. Aufgrund der technischen Spezifikationen von Drohnen (Gewicht, Rotorblätter, etc.) können wir abschätzen, welche Schäden bei Fahrzeugen beziehungsweise Verletzungen bei Personen im schlimmsten Fall verursacht werden könnten. Um diesen vorbeugen zu können, müssen schon heute entsprechende Maßnahmen getroffen werden.

 

Der E-Bike boom begann schon vor circa zehn Jahren. In der Schweiz werden seit 2011 Unfälle mit E-Bikes polizeilich als solche erfasst und sind deshalb auswertbar. Diverse Studien zeigen Unfalltypen und Unfallursachen. Auch Trends sind ablesbar. Daraus formulieren wir Forderungen und Tipps.

 

 Der letzte Punkt sind selbstfahrende Autos. Erste Versuche mit selbstfahrenden Kleinbussen zeigen, welche Hürden noch zu bewältigen sind. Wir stützen uns aber bei unseren Aussagen auch immer stark auf Fahrerassistenzsystemen und deren Wirkung auf die Straßenverkehrssicherheit. Wir versuchen, basierend auf dem, was heute bekannt ist und für die Zukunft angekündigt wird, die richtigen Fragen zu stellen und sicherzustellen, dass wir auf die technologischen Entwicklungen bestmöglich vorbereitet sind.

 

VWheute: Wo sehen Sie die Gefahr von morgen im Straßenverkehr, was wird künftig für einen Versicherer wichtig werden?

 

Bettina Zahnd: In unseren Crashtests am Donnerstag konzentrieren wir uns auf den innerstädtischen Straßenverkehr. Die Risiken in der Stadt sind vor allem die Konfliktsituationen, die aufgrund des Mischverkehrs entstehen. Verschiedenste Fahrzeugarten und Fußgänger teilen sich den engen Raum in der Stadt. Generell zum autonomen Fahren haben wir vor einem Jahr drei Schwerpunkte thematisiert: Cyber-Risks, ethisch-moralische Entscheidungen, die ein Fahrzeug allenfalls treffen muss, und Risiken, die es auch in Zukunft geben wird, wie zum Beispiel ein Steinschlag. Die Risiken werden sich durch die zunehmende Technisierung verändern. Das berücksichtigen wir auch bei der Gestaltung und Kalkulation der Tarife. Unsere Kunden erwarten einfache und verständliche Produkte mit unkomplizierten Prozessen. Ihre Bedürfnisse stehen dabei im Mittelpunkt.

 

VWheute: Welche Möglichkeiten bietet die Technik von Morgen bei der Unfallverhütung?

 

Bettina Zahnd: Schon in der Vergangenheit hat die Technik ganz erheblich zur Unfallverhütung beigetragen. Dies wird sich auch in Zukunft fortsetzten. Am Ende dieses Prozesses stehen voraussichtlich autonom fahrende Fahrzeuge, die Unfälle hoffentlich weitgehend vermeiden können. Auf dem Weg dahin werden immer bessere Assistenzsysteme helfen, Unfälle zu verhüten.

 

Gewisse Fahrerassistenzsysteme machen Lastwagen und Autos schon heute sicherer. Bei Lieferwagen sehen wir noch viel Potenzial, sie sind seltener mit den aktuellsten Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Für Motorräder wurde ABS bereits teilweise eingeführt. Doch gerade die Einsteigermodelle verfügen leider selten über diese lebensrettende Technologie. Auch für E-Bikes gibt es ABS oder Hinterrad-Abheberegelung, welches noch selten verfügbar ist, aber in Zukunft das Bremsen mit dem E-Bike stabiler machen kann. Bei Fahrradfahrern und Fußgänger sehen wir in erster Linie, dass sie sich selbst schützen müssen: Fahrradfahrer sollten einen Helm tragen und beide, Fahrradfahrer und Fußgänger, sollen gut zu sehen sein, geschützt durch Reflektoren und auffällige Kleidung.

 

VWheute: Welche Rolle wird die zunehmende Beliebtheit von Carsharing auf die Kfz-Versicherung haben, wird die Bedeutung der Insassenunfallversicherung steigen?

 

Bettina Zahnd: Die Veränderung der Mobilität wird sich auch auf die Kfz-Versicherung auswirken. Beim Carsharing gibt es ganz unterschiedliche Zielgruppen, beispielsweise Betreiber von Carsharing-Flotten, Nutzer dieser Flotten und Andere (zum Beispiel privates Carsharing, Nutzer von Mitfahrzentralen usw.). Jede Zielgruppe hat verschiedene Anforderungen. Daher werden sich auch die Produkte stark unterscheiden. Bei dieser Betrachtung spielt auch die Absicherung für den Fall eine Rolle, dass der Fahrer oder andere Insassen bei einem Unfall verletzt oder getötet werden. Die Insassenunfallversicherung hat heute keine große Bedeutung mehr. Inzwischen gibt es bedarfsgerechtere Absicherungen.

 

VWheute: Sie stellen ein Szenario mit einer abstürzenden Drohne nach, halten Sie das für eine relevante Gefahr für die Kfz-Versicherung von morgen?

 

Bettina Zahnd: Für die Kfz-Versicherung ist es wahrscheinlich irrelevant, viel mehr Bedeutung hat dieses Risiko für die Haftpflichtversicherung des Drohnenbesitzers. Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass bereits kleine Drohnen – Spielzeugdrohnen – zu einem Schaden am Fahrzeug führen können. Dabei stellen wir einen Fall in der Zukunft dar. Schon heute ist es aber möglich, dass etwa eine Drohne über einer Autobahn abstürzt und ein Auto in voller Fahrt erwischt. Dieses Szenario könnte schlimme Folgen haben. Der Pilot muss deshalb zwingend eine Ausbildung zum Drohnenfliegen vorweisen können. Zudem müssen Drohnen gekennzeichnet sein, damit der Besitzer und damit der Haftpflichtige gefunden werden kann.

 

In Deutschland gilt seit Oktober 2017 eine Kennzeichnungspflicht für Drohnen ab 0,25 Kilogramm - es muss eine Plakette mit den Adressdaten des Besitzers angebracht sein. Ab zwei Kilogramm Gewicht der Drohne muss der Besitzer besondere Flugkenntnisse nachweisen. Für Drohnen ab fünf Kilogramm Gewicht braucht er eine Erlaubnis der Landesluftfahrtbehörde, in über 100 Meter Flughöhe dürfen Drohnen nur fliegen, wenn eine behördliche Ausnahmeerlaubnis vorliegt. Über Wohngrundstücken, Naturschutzgebieten, Menschenansammlungen und Industrieanlagen gilt ein generelles Flugverbot.

 

VWheute: Wird die Schadenanzahl und Schadenhöhe durch neue Technik steigen oder fallen?

 

Bettina Zahnd: Drohnen werden auf die Kfz-Versicherung mutmaßlich keinen Einfluss haben. Im letzten Jahr haben wir aber zum Beispiel dargestellt, dass Fahrerassistenzsysteme zu weniger Schäden im Bereich Haftpflicht führen, aber zu teureren Schäden im Bereich Kasko. Insgesamt wird es unserer Einschätzung zufolge ein Abnehmen der Schadenfrequenz bei gleichzeitiger Zunahme der Schadendurchschnitte geben.

Axa Versicherung · Axa Crashtest · Drohne · Kfz-Versicherung
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