Industrieunternehmen
IndustrieunternehmenQuelle: fotoART by Thommy Weiss / www.pixelio.de / PIXELIO
Unternehmen & Management

Operatives Ergebnis von HDI Global bricht um die Hälfte ein

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Industrieversicherer hat ein Problem: Auf der einen Seite stiegen die gebuchten Brutto- und verdienten Nettoprämien bei HDI Global, auf der anderen Seite sanken allerdings das operative sowie das Konzernergebnis um über 50 Prozent. Ein Konzernsprecher erklärt, wie es dazu kam.

Beginnend mit dem Positiven: Die gebuchten Bruttoprämien erhöhten sich um 3,7 Prozent auf rund 2,9 Mrd. Euro. Das Wachstum kam aus dem Ausland, unter anderem aus Australien und den Niederlanden. Belastet wurde die Halbjahresbilanz durch zahlreiche Sachschäden, kombinierte Schadenkostenquote 102,3 Prozent, die in Verbindung mit einem sinkenden Kapitalergebnis zu einem Rückgang des EBIT führte.

Das Ergebnis ist tatsächlich deutlich gesunken, wie die Zahlen des Unternehmens zeigen.

HDI-Zahlen im 1. Halbjahr 2018
HDI-Zahlen im 1. Halbjahr 2018Quelle: HDI

Als Gründe für das Ergebnis nennt HDI "im Wesentlichen" ein hohes Schadenaufkommen und das sinkende Kapitalanlageergebnis, allerdings weist der Versicherer auch darauf hin, dass das Kapitalanlageergebnis "mit 124 Mio. Euro deutlich positiv" sei. Lediglich relativ zum Vorjahr betrachtet wäre "ein Rückgang zu notieren." Dafür ursächlich sei ein "gesunkenes Zinsniveau für Neu- und Wiederanlagen", das sich negativ auf das Kapitalanlageergebnis auswirke.

 

Die HDI leidet am selben Problem wie viele Industrie- und Rückversicherer, die niedrigen Prämien in der industriellen Sachversicherung können das Schadenaufkommen nicht decken, die Folge sind Verluste. Vor diesem Hintergrund plant die HDI Global, die Preise in diesem Bereich anzuheben, Bedingungen anzupassen, Anteile zu reduzieren und untertarifiertes Geschäft aufzugeben.

 

Das Unternehmen ist positiv gestimmt, dass das gelingen kann: " Die Tarifanpassungen sind bereits auf dem Weg. Rund ein Drittel der notwendigen Preiserhöhungen sind zur Jahresmitte 2018 bereits umgesetzt. Das macht uns optimistisch für den Rest des Jahres."

 

Auf die Frage, warum die Maßnahmen nicht früher eingeleitet wurden, antwortet HDI Global: "Auch zuvor hatten wir bereits Sanierungsmaßnahmen eingeleitet. Damit haben wir Teile des Feuer-Portfolios saniert. Die Maßnahmen zur Portfoliooptimierung zeigten auch voriges Jahr bereits Wirkung. Absolut betrachtet war dies allerdings noch nicht ausreichend, so dass die Sanierungsmaßnahmen intensiviert werden müssen."

 

Das Sanierungskonzept

 

Das Konzept Sanierung betreffe "im Wesentlichen" den deutschen Markt. Dort sind folgende Maßnahmen geplant: "Anhebung der Preise in der industriellen Feuer-/Sachversicherung, Veränderung der Versicherungsbedingungen in der Art & Weise, dass das Verhältnis von Risiko zu Prämie für uns als Risikoträger auskömmlicher gestaltet ist, beispielsweise Anpassung von Deckungslimits und Sublimits sowie die Reduzierung von Anteilen." Wenn die genannten Maßnahmen nicht umsetzbar sind, sei auch die "Aufgabe von untertarifiertem Geschäft" eine Option.

 

Mit dem Ergebnis des ersten halben Jahres ist niemand glücklich, weder die Talanx als Konzernmutter noch HDI Global: "Das Management der Talanx und der HDI Global SE ist unzufrieden mit dem Ergebnis in der Sparte Feuerversicherung. Daher haben wir bereits im zweiten Quartal mit neuer personeller Aufstellung mit dem Programm 20/20/20 die Sanierung der Feuerversicherung mit dem Fokus auf Deutschland gestartet."

 

Einen negativen Einfluss auf die Talanx-Zahlen wird allerdings nicht befürchtet: " Nach dem insgesamt guten Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2018 bestätigt die Talanx ihren Ausblick. Die Talanx-Gruppe strebt weiterhin einen Konzerngewinn von rund 850 Mio. Euro für das Geschäftsjahr 2018 an."

 

Allerdings schränkt das Unternehmen ein: "Bei einer sehr hohen Belastung in der Personen-Rückversicherung aus Vertragsrückzügen aus dem US-amerikanischen Mortalitätsgeschäft wird dieses Ziel schwerer zu erreichen sein. Das Bruttoprämienwachstum soll auf Basis konstanter Wechselkurse mehr als 5,0 Prozent betragen. Die Kapitalanlagerendite sollte mindestens 3,0 Prozent und die Eigenkapitalrendite rund 9,0 Prozent entsprechen. Der Ausblick steht unverändert unter dem Vorbehalt, dass an den Währungs- und Kapitalmärkten keine Verwerfungen auftreten und Großschäden innerhalb der Erwartungen bleiben."

HDI Global · Halbjahreszahlen · Talanx AG
Auch interessant
Zurück
18.04.2019VWheute
Hälfte der Bauern glaubt an Schwei­ne­pest – auf dem Nach­barhof Was der Bauer fürchtet, versichert er: Rund die Hälfte der Schweinehalter hierzulande…
Hälfte der Bauern glaubt an Schwei­ne­pest – auf dem Nach­barhof
Was der Bauer fürchtet, versichert er: Rund die Hälfte der Schweinehalter hierzulande glaubt, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) Deutschland erreichen wird. Ungefähr ebenso viele sind versichert. Das ist ein …
12.04.2019VWheute
Hund bricht sich bei Sprung nach dem Ball das Bein - haftet der Werfer? Ball, Wurf, Hund, Bruch, Klage. Das sind die Parameter eines kuriosen Falles,…
Hund bricht sich bei Sprung nach dem Ball das Bein - haftet der Werfer?
Ball, Wurf, Hund, Bruch, Klage. Das sind die Parameter eines kuriosen Falles, den das Oberlandesgericht Frankfurt entscheiden musste. Eine Lernmöglichkeit für (Tier-) Haftpflichtexperten.
27.02.2019VWheute
Bitkom: Die Hälfte aller Versi­che­rungen werden online abge­schlossen Der Online-Abschluss von Versicherungsverträgen scheint immer beliebter zu …
Bitkom: Die Hälfte aller Versi­che­rungen werden online abge­schlossen
Der Online-Abschluss von Versicherungsverträgen scheint immer beliebter zu werden. Laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom unter 1.003 Bundesbürgern ab einem Alter von 16 Jahren hat bereits …
29.10.2018VWheute
Internes Allianz-Doku­ment: Weniger als die Hälfte der Mitar­beiter glauben noch an Bäte Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte hat es derzeit nicht. Die …
Internes Allianz-Doku­ment: Weniger als die Hälfte der Mitar­beiter glauben noch an Bäte
Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte hat es derzeit nicht. Die Beschäftigten in Deutschland zweifeln zunehmend an der Strategie und den Kommunikationsfähigkeiten des Konzernlenkers. Dies geht …
Weiter