Der Freistaat Bayern will die Dürreversicherung für Landwirte subventionieren.
Der Freistaat Bayern will die Dürreversicherung für Landwirte subventionieren.Quelle: Verena N. / PIXELIO (www.pixelio.de)
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Bayern fordert Finanzspritze für Dürreversicherung

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die anhaltende Dürre in Deutschland bringt immer mehr Landwirte in Existenznot. Ein entsprechender Versicherungsschutz ist für viele Bauern jedoch meist zu teuer. Der Freistaat Bayern fordert daher von der Bundespolitik entsprechende Subventionen.
"Wir fordern vom Bund, dass er den Abschluss von Mehrgefahrenversicherungen unterstützt. Denn der Staat kann angesichts des Klimawandels nicht jedes Jahr das Risiko übernehmen und immense Summen als Schadensausgleich bereitstellen. Wir brauchen passende Rahmenbedingungen für Versicherungslösungen ", fordert die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.
Das Problem scheint man jedenfalls auch in der Versicherungsbranche erkannt zu haben: "Trockenheit ist ein sogenanntes Kumulrisiko. Das bedeutet, sie kommt zwar nicht allzu häufig und regelmäßig vor. Wenn es dann aber mal für längere Zeit nicht regnet, sind davon gleich mehrere Regionen betroffen und der Schaden ist entsprechend groß. Und zwar sowohl beim einzelnen Landwirt als auch für die gesamte Volkswirtschaft. Das macht es für die Versicherer sehr schwer, ausreichend Risikokapital vorzuhalten", betonte kürzlich Rainer Langner, Vorstandschef der Vereinigten Hagel.
Die Folge: Im Unterschied zu vielen anderen europäischen Ländern können sich die deutschen Landwirte in aller Regel nicht gegen Dürre, sondern nur gegen Sturm und Hagel versichern. "Insgesamt kann man für Deutschland schon sagen, dass hier quasi nichts (gegen Dürre) versichert ist. In den USA hingegen gibt es ein umfassendes System basierend auf einer öffentlich-privaten Partnerschaft", erläutert ein Sprecher der Munich Re gegenüber dem Nachrichtensender ntv.
Immerhin: "Abhängig von der Versicherungssumme werden bis zu 80 Prozent des Beitrags bezuschusst. Die geringe Versicherungsdichte in Deutschland ist in der EU eher außergewöhnlich. In Ländern wie Frankreich, Österreich, Spanien und Italien ist die Mehrgefahrenversicherung ziemlich weit verbreitet", sagte Swiss-Re-Manager Hans Feyen. Dort werden üblicherweise 50 bis 65 Prozent der Prämien vom Staat subventioniert.
Die teuersten Ernteschäden in Deutschland.
Die teuersten Ernteschäden in Deutschland.Quelle: Statista
Dabei verursacht Trockenheit laut GDV derzeit die größten Schäden für die Landwirtschaft. Rund 54 Prozent der Ernteschäden sind darauf zurückzuführen. Bei lediglich 26 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um Hagelschäden. Nach Angaben des Branchenverbandes belief sich der durchschnittliche Schadenaufwand durch Wetterextreme im vieljährigen Mittel von 1990 bis 2013 auf 510 Mio. Euro pro Jahr.
Handlungsbedarf seitens der Politik scheint jedenfalls notwendig: Allein acht Bundesländer verzeichneten in diesem Jahr einen dürrebedingten Schaden in der Landwirtschaft von rund drei Mrd. Euro. Allein in Norddeutschland wird der Schaden durch die Trockenheit biskang auf rund 1,933 Mrd. beziffert. Am stärksten davon betroffen ist laut einem Bericht der Neuen Osnabrücker Zeitung das Land Niedersachsen mit einem Schaden von rund 980 Mio. Euro. Allein beim Weizen werde der Dürreschaden auf rund 136 Mio. geschätzt. Bei Weiden, die Futtergrundlage für Nutztiere wie etwa Milchkühe, soll der Schaden demnach auf 190 Mio. Euro liegen. Mecklenburg-Vorpommern hatte der Bundesregierung in den vergangenen Tagen 531 Mio. Euro gemeldet, Schleswig-Holstein 422 Mio. Euro. Zudem hätten Sachsen 308 Mio., Brandenburg 260 Mio., Rheinland-Pfalz 180 Mio., Thüringen 150 Mio. und das Saarland 5,3 Mio. Euro an Schäden durch die Trockenheit an die Behörden gemeldet.
Die Verbraucher könnten die Folgen durch die Trockenheit jedenfalls spätestens beim Lebensmitteleinkauf auf dem Wochen- oder im Supermarkt merken. Der Deutsche Bauernverband (DBV) will am morgigen Mittwoch eine Bilanz der Ernte 2018 ziehen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will dann entscheiden, ob es sich bei den Schäden um ein "nationales Ausmaß" handeln dürfte. Entsprechende Vorwürfe, die Bauern angesichts der Dürre im Regen stehen zu lassen, wies sie im Vorfeld als "faktisch falsch" zurück. So würden betroffene Landwirte in Not bereits  jetzt Hilfe durch Liquiditätsprogramme etwa der Landwirtschaftlichen Rentenbank erhalten, Zudem gebe es Steuerstundungen und Hilfe bei der Futtermittelbeschaffung.
Politische Unterstützung erhält die CSU-Ministerin dabei auch von den Freien Wählern im Bayerischen Landtag: " Wir sind die einzigen, die ihre Bauern im wahrsten Sinne auf dem Trockenen sitzen lassen und das Risiko von Dürren nicht absichern. Der Vorstoß von Bayerns Landwirtschaftsministerin Kaniber ist überfällig, denn viele europäische Länder und auch die USA gewähren seit Jahren Steuervorteile auf die landwirtschaftliche Mehrgefahrenversicherung sowie finanzielle Unterstützung zu den Beitragszahlungen. In den USA werden sogar bis zu 80 Prozent der Versicherungsprämie bezuschusst. Mit dem deutschen Sonderweg sollte daher endlich Schluss sein. Der Bund muss dringend handeln und Bayern muss ihn dabei unterstützen", heißt es in einer Stellungnahme der Landtagsfraktion.
Landwirtschaft · Dürreversicherung
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