Christian Thimann, CEO der Athora Deutschland Gruppe
Christian Thimann, CEO der Athora Deutschland GruppeQuelle: Athora
Schlaglicht

Athora: "Es ist normal, dass jedes neue Geschäftsmodell von allen Seiten eingehend begutachtet wird"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Welche strategischen Ziele verfolgt Athora? Der ehemals als Athene firmierende Lebensversicherer will nun auch im Rückversicherungsgeschäft aktiv werden. Die Finanzaufsicht Bafin will die Aktivitäten des Versicherungsunternehmens genau verfolgen. VWheute hat exklusiv mit Christian Thimann, CEO der Athora Deutschland Gruppe, über die aktuellen Ziele und Pläne gesprochen.

Wann wurde das beschlossen, was bedeutet das im Geschäft konkret? Können Sie das erläutern?

 

Athora arbeitet schon länger an einer Rückversicherungslösung. Nun sind wir soweit, dass wir auf dem deutschen Markt die Rückversicherung von Leben-Beständen anbieten können. Athora bietet die Rückversicherungslösungen über ihre Tochtergesellschaften in Bermuda und Irland an. Beide verfügen über ein starkes Rating großer anerkannter Ratingagenturen.

 

Rückversicherungen sind bereits ein fester Bestandteil des Versicherungsgeschäfts. Aber die meisten Rückversicherer haben sich bislang nur auf die versicherungstechnischen Risiken konzentriert.

 

Sie versichern ihre Kunden gegen Risiken wie Invalidität oder Langlebigkeit. Die Asset-Seite bleibt dabei außen vor. Doch das größte Risiko für die Lebensversicherer ist das Marktrisiko. Hier treffen die niedrigen Zinsen und die hohen Garantien in den Policen aufeinander.

 

Bisher mussten Versicherer, die ihre Marktrisiken senken wollten, Produkte am Kapitalmarkt kaufen. Aber diese Absicherung war oft unvollständig und nur für gewisse Zeitspannen und Volumen zu haben. Darüber hinaus war sie nicht auf die Unternehmensrisiken zugeschnitten und so mussten die Unternehmen in komplexe Absicherungen mit Derivaten investieren.

 

Athora bringt jetzt eine Rückversicherung auf den Markt, die aus einer Hand sowohl die Marktrisiken, die Risiken einer Veränderung des Versicherungsnehmerverhaltens als auch die versicherungstechnischen Risiken abdeckt.

 

Athora bleibt weiterhin mit der Athora Lebensversicherung ein Bestandsversicherer. Die externe Verwaltung von Beständen und die Rückversicherung passen übrigens gut zusammen.

 

Denn wir können mit unserem erweiterten Angebot besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Lebensversicherer reagieren. Während ein Unternehmen bereit sein mag, seinen Altbestand an einen Bestandsversicherer wie Athora abzugeben, ist es ein anderer Versicherer vielleicht noch nicht. Für diese Unternehmen bieten wir eine attraktive Lösung basierend auf unserem neuartigen Rückversicherungskonzept.

 

Was ist der Unterschied zum Kauf der Bestände?

 

Der entscheidende Unterschied zur Bestandsübertragung ist, dass der Versicherer seine Kundenbeziehungen behalten kann. Zugleich ermöglicht die Rückversicherungslösung den Unternehmen, die Risiken deutlich zu reduzieren und dadurch Kapital freizusetzen und für andere Zwecke zu verwenden.

Wirtschaftlich gesehen kann die Rückversicherungslösung von Athora – je nach Rückversicherungsquote – einen ähnlichen ökonomischen Effekt wie die Bestandsübertragung haben, was die Eigenkapitalentlastung angeht.

Wir übernehmen die Risiken und die Kapitalanlagen als Rückversicherer. Damit reicht der Lebensversicherer das Risiko, dass er mit den Kapitalanlagen nicht die Garantiezinsen erwirtschaftet, an uns weiter."

 

Können Sie das näher erläutern, mir ist nicht klar, wie das in der Praxis vonstattengehen soll?

 

Athora übernimmt für den Versicherer das Kapitalanlagerisiko und die biometrischen Versicherungsrisiken, bzw. eine bestimmte Quote dieser Risiken. Das heißt, im Wesentlichen bleibt nur das Kostenrisiko beim Erstversicherer. Im Ergebnis sinken die Risiken des Versicherers signifikant, die Solvenzbedeckungsquote steigt und Kapital wird freigesetzt. Wir können das Kapital effizienter anlegen und eine höhere Rendite erwirtschaften.

 

Warum glauben Sie, dass sie das Geld besser anlegen können als die Versicherer, was machen sie anders bzw. besser?

 

Athora wird in allen Fragen der Anlagestruktur und des Risikomanagements von Apollo Asset Management Europe (AAME), dem europäischen Arm von Apollo, beraten. Apollo ist ein weltweit führende Asset Manager mit einem verwalteten Vermögen von ca. 250 Mrd. Dollar (Stand: 31. Dezember 2017).

 

So erhält Athora Zugang zur Kreditplattform der Apollo Gruppe. Dank dieser Plattform können wir in eine breite Anlagestruktur investieren. Diese breite Streuung hilft, Renditechancen über verschiedene Bonitätsklassen, Märkte und Regionen zu erschließen. Sie ermöglicht uns ebenso, Volatilitäten besser auszugleichen und eine gute Balance zwischen Risiko und Performance der Investments zu erzielen.

 

Das ist ein großer Vorteil insbesondere verglichen mit kleinen und mittleren Versicherern. Denn sie haben oftmals nicht den Zugang zu einer solchen Expertise und breiten Plattform eines weltweit führenden Asset Managers, um angemessene Renditen in Zeiten niedriger Zinsen zu erwirtschaften.

 

Im Gegenzug für die Übernahme der Risiken muss der Lebensversicherer eine Prämie an Athora zahlen.

 

Wie berechnet sich die Prämie, werden sie das komplette Risiko eines Versicherers übernehmen können?

 

Bei der Berechnung der Prämie fließen verschiedene Faktoren ein, insbesondere die Art und Höhe der übertragenen Risiken, die Höhe der Rückversicherungsquote sowie eine Vergütung des eingesetzten Kapitals. Die Rückversicherungsquote kann mit dem Versicherungsunternehmen nach dessen Bedürfnissen vereinbart werden.

 

Laufen schon Verhandlungen mit deutschen Versicherern, sprechen wir nur von LV-Beständen.

 

In Deutschland geht es nur um die Rückversicherung von Leben-Beständen. Wir führen schon konkrete Gespräche mit Lebensversicherern. Dabei stellen wir fest, dass ein beträchtliches Interesse an solchen Lösungen besteht.

 

Was sagt die Bafin zu den Plänen? Befürchten Sie negatives Feedback wie beim Run-off?

 

Wir führen bereits seit längerem ausführliche und konstruktive Gespräche mit den Aufsichtsbehörden, um sicherzugehen, dass unsere Rückversicherungsstrukturen zum Vorteil aller Beteiligten sind.

 

Wie nicht zuletzt die öffentlichen Äußerungen von Vertretern der BaFin auf einer wissenschaftlichen Konferenz im April dieses Jahres in München[1] gezeigt haben, ist die Rückversicherung von Leben-Beständen auch für die Aufsichtsbehörden ein hoch aktuelles Thema.

 

Es ist vollkommen normal, dass jedes neue Geschäftsmodell von allen Seiten eingehend begutachtet wird. Wir sind überzeugt, dass unsere Rückversicherungslösung nicht nur Vorteile für die deutsche Lebensversicherungsindustrie, sondern auch für die Verbraucher bietet.

Christian Thimann · Athora