Millionenschaden durch Umsatzsteuerkarussell
Millionenschaden durch UmsatzsteuerkarussellQuelle: Tim Reckmann / PIXELIO (ww.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Millionenschaden durch Umsatzsteuerkarussell im Kupferhandel

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Steuerhinterziehhung ist in Deutschland zu einem "Volkssport" geworden. So lautet zumindest das gängige Vorurteil. Nun haben Ermittler und Steuerfahnder den bislang größten Fall von Umsatzsteuerhinterziehung in Deutschland aufgedeckt. Der Fiskus geht dabei von einem Schaden in dreistelliger Millionenhöhe aus.
Im konkreten Fall bedienten sich die Täter eines mittlerweile altbekannten Systems, um die Summe an den Steuerbehörden vorbei zu schmuggeln. Mittels fingierte Rechnungen hatten mehr als 50 Beschuldigte und 50 beteiligte Unternehmen mindestens 100.000 Tonnen Kupfer aus Serbien nach Deutschland importiert und über Scheinunternehmen, Strohmänner und Scheinrechnungen verkauft, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
"Das Komplizierte an einem Umsatzsteuerkarussell ist, dass an einer Stelle in der Lieferkette keine Umsatzsteuer abgeführt wird, obwohl diese in einer Rechnung ausgewiesen wird. Damit verliert der Staat Geld, das ihm eigentlich zusteht", wird Christian Jehke, Anwalt der Kanzlei Flick Gocke Schaumburg, zitiert. Das springende Punkt im aktuellen Fall: Die Lieferungen wurden - im Unterschied zu anderen Beispielen - nicht fingiert, sondern tatsäcglich ausgeführt.

Insgesamt vier Jahre hat die Generalstaatsanwaltschaft Berlin nun in ganz Deutschland ermittelt. Das Ergebnis:  Allein der nun verurteilte Hauptverantwortliche soll einen Steuerschaden von bis 250 Mio. Euro verursacht haben. Am vergangenen Dienstag verurteilte das Landgericht Berlin den Bosnier Senad W. wegen Steuerhinterziehung in 31 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Dieser hatte bereits zugegeben, von 2010 bis 2014 einen Schaden von rund 68,2 Mio. Euro verursacht zu haben.

Bereits im Dezember 2017 und in diesem Frühjahr hatte das Berliner Landgericht weitere Beteiligte zu langen Haftstrafen wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Ende August sollen weitere Urteile fallen. Allerdings sind die bislang getroffenen Entscheidungen noch nicht rechtskräftig, da die Angeklagten eine Revision gegen die Urteile angekündigt hatten.
Übrigens: Keines der betroffenen Unternehmen will von dem Steuerbetrug gewusst haben, berichtet die Zeitung weiter. Auch dem Verband Deutscher Metallhändler würden keine entsprechenden Meldungen seiner Mitglieder vorliegen. Und auch dem BDI, dem Spitzenverband der deutschen Industrie, sei die Steuerhinterziehung in der Kupferbranche nicht bekannt.
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