Lebensversicherung in der Krise
Lebensversicherung in der KriseQuelle: Rainer Sturm  / PIXELIO / www.pixelio.de
Unternehmen & Management

Droht Lebensversicherung Abstieg zur Ramschware?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Lebensversicherung hat ihre besten Zeiten hinter sich. Einst war diese als sicheres Instrument der privaten Altersvorsorge bei den Deutschen besonders beliebt. Die niedrigen Zinsen und der geplante Run-off der Generali Leben sorgt medial hingegen neuerlich für Zündstoff - wie ein Beitrag des ARD-Magazins Monitor nun zumindest suggeriert.
Wird die Lebensversicherung zur Ramschware und gerät die private Altersvorsorge in Gefahr? Mit dieser - zugegeben etwas reißerischen Frage wird der aktuelle Zustand der Lebensversicherung in Deutschland von der ARD unter die Lupe genommen. Beispiel: Der Run-off der Generali Leben an die Viridium-Gruppe.
Sicher sei jedenfalls: Wegen der langanhaltenden Niedrigzinsphase können Lebensversicherer wie die Generali die zugesagten Renditen für langjährige Kunden nicht mehr erwirtschaften. Deshalb hat der Konzern jetzt vier Millionen hochverzinste Lebensversicherungen an den Run-off-Spezialisten verkauft. Für die Unternehmen sei dies kostengünstiger, wird der GDV zitiert.
"Das Geschäftsmodell beruht ja gerade darauf, die Kosten zu reduzieren im Bestandsmanagement dadurch, dass man verschiedene kleine Bestände zusammenführt und entsprechend Vorteile erwirtschaften kann daraus, dass sich die Kosten auf mehr Schultern verteilen", wird Peter Schwark zitiert. Kritiker befürchten hingegen eine Pleitewelle in den kommenden Jahren, wenn sich bei den Zinsen nichts ändere.
"Die deutschen Lebensversicherer lagern ihre Altbestände an Lebensversicherungen aus. Das ist ungefähr so, als wenn Sie den Schrott, den Sie besitzen, auf eine Müllkippe bringen und dort wird er dann entsprechend professionell entsorgt. Letztlich ist es so, dass sie diese neugegründeten Firmen in die Situation bringen, dass die Renditen, die versprochen wurden bzw. die Renditen, die sie erzielen, nach wie vor im Missverhältnis stehen und damit in die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz laufen", konstatiert der ehemalige Versicherungsmanager Sven Enger.
"Die Run-Off-Gesellschaften rechnen damit, dass der Markt wächst für sie. Das heißt, dass es immer mehr Unternehmen gibt, die ihre Verträge abstoßen wollen und damit wird das ganze System natürlich instabiler, denn diese Run-Off-Gesellschaften haben häufig eine niedrigere Kapitalausstattung, das Pleite-Risiko ist da sozusagen größer", ergänzt der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick. Und für BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein ist klar: "Wenn in den nächsten Jahren sich nichts ändert, die Zinsen weiter so niedrig sind, dann werden wir in fünf, sechs Jahren die ersten Unternehmen sehen, die direkt vor einer Pleite stehen. Dann geht’s nicht mehr um die Überschüsse, die sind jetzt ja schon oft gestrichen, dann geht’s um die Garantiezinsen."
Die Diskussion um die Zukunft der Lebensversicherung wird jedenfalls wohl noch weiter anhalten. Für zusätzliches Vertrauen beim Verbraucher sorgt sie indes weniger.
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