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In Kenia töten sich Familienmitglieder für die LV-Todesfallsumme

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Empfindliche Gemüter sollte diese Geschichte nicht lesen: In Kenia kommt es zu Tötungen innerhalb der Familie, um an die Lebensversicherungssumme des Opfers zu gelangen. Erschreckenderweise scheinen auch Versicherungsmitarbeiter in dieses grausame Geschäft involviert sein.

Das Vorgehen ist so einfach wie brutal, Angehörige platzieren Lebensversicherungen auf Mitglieder der eigenen Familie, töten diese nach kurzer Zeit und fordern die Versicherungssumme. Begünstigt wird das Blutgeschäft durch mangelnde Prüfung der Fälle und korrupte Mitarbeiter bei Versicherungen, die offenbar an der Versicherungssumme beteiligt werden und wohl dafür sorgen, dass der Fall nicht allzu intensiv geprüft wird – manchmal sind sie sogar selbst Täter. Von wie vielen Fällen ausgegangen werden kann, ist unklar, aber die Zahl scheint nach offizielen Zahlen  zu steigen.

 

Tom Gichuhi, Director der Association of Kenya Insurers (Aki), bestätigte gegenüber der kenianischen Zeitung Daily Nation, dass oben beschriebene Szenario. Angehörige würden Lebensversicherungen auf Familienmitglieder abschließen, diese dann töten und in (geheimer) Absprache mit Versicherungsmitarbeitern die Todesfallsummer beanspruchen. Dieser "Trend" sei eine "beängstigende Entwicklung" und "schwäche die LV-Industrie". Erschreckenderweise sei das Vorgehen nicht neu und werde durch die fallende Moral in der Gesellschaft angefacht, erklärt Gichuhi: "This killing for profit is not new, but now it's becoming common driven by falling morals in the society."

 

Die Kunden einer Lebensversicherung sind in einem Dilemma, geben sie zu erkennen, dass eine Police besteht, droht ihrem Leben Gefahr, behalten sie es für sich, kann es passieren, das bei ihrem Tod das Geld als "herrenloses Geld" (unclaimed assests) verlorengeht. Dieses Problem bestätigt auch Gichuhi. Die Geheimhaltung solcher Verträge dürfte allerdings schwierig sein, wenn die Mitarbeiter der Versicherung mit potentiellen Tätern kooperieren.

 

Versicherungsmitarbeiter tötet Neffen

 

Die Daily Nation berichtet von einem wahrlich erschreckenden Fall, in dem ein "insurance unit manager" zwei Policen mit einer Todesfallsumme von insgesamt 11 Millionen Kenianischer Schilling (rund 100.000 Euro) bei zwei verschiedenen Unternehmen auf seinen 27-jährigen Neffen abschloss. Er plante die Ermordung, bezahlte eine Versicherungsprämie und das Schicksal des Neffen war besiegelt. Die Leiche des 27-Jährigen wurde in der  Stadt Kangundo "weggeworfen" – offensichtlich war der Onkel nicht alleine vorgegangen und hatte Komplizen. Das Opfer starb an mehreren stumpfen Kopfverletzungen. Im Anschluss reichte der vermeintliche Täter eilig die Forderungen bei den Versicherungen ein.

Der Beschuldigte wechselt nach dem Mord den Arbeitgeber und erreichte einen besseren Job bei einer anderen Versicherung. Der neue Arbeitgeber hat den Mann allerdings entlassen, als der Fall öffentlich wurde. Dennoch hinterließ die Tat Schockwellen in der Industrie und bei den Kunden der Mittelklasse, die jetzt befürchten, selbst zu Zielscheiben zu werden.

 

Ermittler sagen, dass die Betrügereien bei den Lebensversicherungen zunehmen, auch ohne dass ein Mord stattfindet. Die Untersuchungen der Fälle seien so schlecht, dass Familien mit der Hilfe korrupter Mitarbeitern den Tod eines Versicherten vortäuschen würden, um an die Versicherungssumme zu gelangen. Der Versicherungssektor verliere dadurch Millionen.

 

Das Problem sind auch die Versicherer selbst, die nicht alle Fälle melden. Die Zeitung schreibt etwas kryptisch: "Data from the Insurance Regulatory Authority's Insurance Fraud Investigation Unit shows only three cases of fraud valued at Sh2.2 million were confirmed in 2015 despite a 21.8 per cent rise in reported incidents, a sign that firms are reluctant to report."

Lebensversicherungen · Afrika · Kenia · Betrug
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