Bürokratie
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Märkte & Vertrieb

Worunter Insurtechs leiden

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne; aller Anfang ist schwer. Welche Probleme haben Insurtechs hierzulande bei der Gründung, was funktioniert in Deutschland gut und an wen wendet man sich als junges Unternehmen bei Fragen, das wollte VWheute von Neodigital und Friendsurance wissen, die prompt und klar antworteten.

Den Anstoß zu der Geschichte war eine Umfrage von Bitkom Bundesverband Informationswirtschaft, der Start-ups zum Standort Deutschland befragte und ihre größten Sorgen zu Papier brachte. Kleiner Spoiler: Die ausufernde Bürokratie war der größte Zankapfel.

 

Jetzt ist das Feld Start-up wohl zu groß, damit die Antworten auch für die Insurtech-Branche Gültigkeit besitzen. Welche Gründungshindernisse für junge Versicherer besonders schmerzhaft sind, weiß Neodigital.

 

Laut den Neunkirchener fehle oft ein "klarer Fokus" auf das Konzept, zudem mangle es auch (oft) an der "Marktfähigkeit" sowie der Eignung, "strukturiert ein Projekt zu führen". Das darf man wohl als Kritik an der Branche auffassen.

 

Besonders haarig sei laut Neodigital die Suche nach den richtigen Geldgebern: "Die Finanzierung stellt eine wesentliche Herausforderung dar, diese ist je nach Ausprägung nicht trivial. Es hilft dabei Partner zu finden die nicht nur langfristig denken sondern auch in die neue Gründung strategische Vorteile mit einbringen wie beispielsweise ein bestehendes Netzwerk für die späteren Absatzkanäle oder Kooperationen."

 

(Etwas) überraschend war die Antwort auf die Frage, an welche Institution oder Behörde man sich bei Fragen wendet, die bei einer Gründung zwangsläufig auftreten. Der nette Onkel ist ein alter Bekannter: "In unserem Fall als regulierter Versicherer, wendet man sich an die Bafin in Bonn." Die Finanzaufseher einmal nicht als Gängeler, sondern als tüchtiger Insurtech-Helfer.

 

Doch wie sieht es generell in Deutschland aus, bietet das Land alle nötigen Mittel und Ressourcen für Insurtechs und gibt es Verbesserungsbedarf? Durchaus, sagt Neodogital: "Grundsätzlich haben wir in Deutschland die Talentressourcen und das Fachwissen wie auch die notwendige Infrastruktur, um erfolgreich ein Insurtech aufzubauen. Dringende Verbesserungen sehen wir unter anderem in der Förderung durch den Staat oder das Land, leider sind hier die Regularien für Fördertöpfe veraltet, da aktuell die Versicherungswirtschaft nicht als förderwürdige Branche angesehen wird, da wird lieber in die klassische Industrie investiert, obwohl gerade wir neue und zukunftssichere Arbeitsplätze schaffen." Also zum Abschluss doch noch deutliche Kritik am Staat.

 

Das sagt Friendsurance

 

Tim Kunde, Gründer und Geschäftsführer von Friendsurance, beurteilt die Lage hierzulande folgendermaßen: "Die Bedeutung der digitalen Innovation für die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft sollte klarer herausgestellt und entsprechend gefördert werden. Investitionen in die technische Infrastruktur sind überfällig. Eine stärkere Verknüpfung zwischen digitalen Unternehmen und bestehendem Mittelstand würde viele Synergien schaffen. Was Gründergeist und Attraktivität des Standorts für heimische und ausländische Talente anbelangt, ist Deutschland auch heute schon gut aufgestellt, muss sich aber weiter entwickeln, um im internationalen Wettbewerb weiter standhalten zu können."

 

Als Helfe in der Not hat auch bei Friendsurance die gute alte Bafin gedient: "Je nach Fragestellung sind IHK und Bafin hilfreiche Ansprechpartner, Rechtsanwaltskanzleien, Unternehmer, Investoren oder andere Experten."

 

Auf die Frage, was die Gründung erleichtere oder erschwere, sagte Kunde: "Erschwert wird die Gründung von hohen Anforderungen in Bezug auf regulatorische, rechtliche und verwaltungstechnische Aspekte. Diese sind grundsätzlich für den Markt hilfreich, da sie das Vertrauen der Verbraucher stärken und fairen Wettbewerb ermöglichen, sie sind aber nicht immer der Größe eines Unternehmens angemessen." Das ist dann doch wieder Kritik an der Bafin beziehungsweise Eiopa.

 

Kunde erklärt weiterhin: "Erleichtert werden kann eine Gründung durch finanzielle Unterstützung, Vereinfachung von rechtlichen und verwaltungstechnischen Prozessen, und von der Vereinheitlichung der Spielregeln im europäischen Raum, z.B. PSD2, wodurch die geographische Expansion in ausländische Märkt deutlich einfacher und effizienter wird."

 

Als größtes Hindernis bei der Gründung nennt Kunde die Bürokratie, hier schließt sich der Kreis zur Bitkom-Studie: "Sicherlich ist es so, dass es nach wie vor nicht unerhebliche Verwaltungsaufwände zu meisten gilt, zum Beispiel bei der rechtlichen Etablierung eines Unternehmens oder der Einstellung von Nicht-EU-Mitarbeitern. Insgesamt sind die Hindernisse aber überwindbar, das zeigt die steigende Anzahl an Gründungen im Versicherungsbereich."

Insgesamt ein positives Fazit von Neodigital und Friendsurance, mit Sonderlob für Frank Grunds Bafin-Team.

Bürokratie · Friendsurance · Neodigital · Insurtech
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