Die Sterbetafeln der Heubeck AG zu künftigen Lebenserwartung geraten in die Kritik.
Die Sterbetafeln der Heubeck AG zu künftigen Lebenserwartung geraten in die Kritik.Quelle: uschi dreiucker / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Sterbetafeln: Monopol der Heubeck AG stößt auf Kritik

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Deutschen werden immer älter - das ist bekannt. Um die entsprechenden Pensionsverpflichtungen für die betriebliche Altersvorsorge zu berechnen, ziehen die Unternehmen die sogenannten Heubeck-Ster­be­ta­feln heran. Diese beinhalten vor allem eine Prognose über die künf­ti­ge Le­bens­er­war­tung, die Ster­be­wahr­schein­lich­keit und das In­va­li­di­täts­ri­si­ko. Nun regt sich bei den Mitbewerbern jedoch Kritik an der bisherigen Praxis. Der Kritikpunkt: Die unternehmerischen Interessen der Heubeck AG.
So steht Heubeck vor allem in Konkurrenz mit den Beratungsunternehmen Willis Towers Watson und Mercer, die wiederum auf jeweils eigene Methoden zur Berechnung der Lebenserwartung zurückgreifen. Die Folge: Je nach Anbieter "kann schon ein­mal ein um 15 Pro­zent hö­he­rer oder nied­ri­ge­rer Rück­stel­lungs­be­darf ent­ste­hen", berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Mitbewerber üben nun öffentlich Kritik an der bisherigen Praxis.
"War­um ar­bei­tet nicht die Deut­sche Ak­tuar­ver­ei­ni­gung die neu­en Ta­feln aus? Sie hat we­ni­ger In­ter­es­sen­kon­flik­te als ein am Ge­winn ori­en­tier­tes Un­ter­neh­men", wird Phil­ipp Schoepffer, Che­fak­tu­ar der Be­ra­tungs­ge­sell­schaft EY, zitiert. Als Beispiel nennt er dabei die Praxis in Großbritannien, wo ein Zu­sam­men­schluss der Ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­ker regel­mä­ßig die An­nah­men zur Sterb­lich­keit, Le­bens­er­war­tung und In­va­li­di­tät überprüfe. Der Vorwurf Schoepffers an die Konkurrenz: "Heubeck kom­mu­ni­ziert we­nig dar­über -. zum Bei­spiel dass man an ei­ner neu­en Fas­sung ar­bei­tet".
Der Gescholtene selbst kann die Kritik laut Zeitungsbericht hingegen nicht nachvollziehen. "Neue Ta­feln kann man nicht an­kün­di­gen. Ei­ne Vor­an­kün­di­gung, oh­ne In­hal­te be­kannt­zu­ge­ben, hilft nie­man­dem wei­ter, des­halb gleich die Ver­öf­fent­li­chung", betont Vorstandschef Ri­chard Herr­mann. Zudem habe man "die­se Ta­feln ein­ge­führt und da­mit ei­ne all­ge­mein an­er­kann­te Ba­sis für die bi­lan­zi­el­le Be­wer­tung von Pen­si­ons­ver­pflich­tun­gen in Deutsch­land ge­schaf­fen".
Immerhin waren die 2005 eingeführten Tafeln eine echte Zäsur. So hatten die Ma­the­ma­ti­ker zuvor mit Pe­ri­oden­ta­feln kal­ku­liert, die für die be­ste­hen­de Be­völ­ke­rung ei­ne Sterb­lich­keits­er­war­tung auf­stel­len. Die aktuellen Sterbetafelnb basieren hingegen auf Ge­ne­ra­tio­nen­ta­feln, die sich an Ge­burts­jahr­gän­gen ori­en­tie­ren und des­halb Trends wie ei­ne stei­gen­de Le­bens­er­war­tung ein­be­zie­hen kön­nen. Dies wiederum soll die Prognosen zur Lebenserwartung präziser machen. So würden die aktuellen Sterbetafeln nun auch drei weitere Trends abbilden: So habe sich  ge­zeigt, dass die Sterb­lich­keit der Män­ner ab­ge­nom­men hat. Sie rauch­ten sel­te­ner, hät­ten an­de­re Le­bens­ge­wohn­hei­ten und Ar­beits­be­din­gun­gen, heißt es es weiter.
Die aktuelle Lebenserwartung in Deutschland
Die aktuelle Lebenserwartung in DeutschlandQuelle: Statista
Das sich der Trend zu einer höheren Lebenserwartung fortsetzt, zeigt auch eine Analyse des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Den größten Zugewinn an Lebenszeit gab es demnach vor allem in den ostdeutschen Bundesländern. Hinter Berlin rangieren mit Brandenburg (+8,5 Jahre), Mecklenburg-Vorpommern (+8,2 Jahre) und Thüringen (+7,7 Jahre) ausschließlich neue Bundesländer. Die Spitzenreiter in puncto Lebenserwartung liegen aber unverändert im Westen. Nirgendwo werden die Menschen älter als in Baden-Württemberg (81,8 Jahre). Dahinter folgen Bayern mit 81,3 Jahren und Hessen mit 81 Jahren.
"Es kommt bei der regionalen Lebenserwartung sehr stark auf die Komposition der Bevölkerung an. Personen mit höherer Bildung haben eine deutlich höhere Lebenserwartung, und diese ziehen eher nach München als in die Provinz. Viele Studien belegen, dass der wirtschaftliche Entwicklungsstand für Trends in der regionalen Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten immer wichtiger geworden ist", erläutert Sebastian Klüsener vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock.
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