Zerstörte Ernte
Zerstörte ErnteQuelle: M. Großmann / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Vereinigte Hagel schätzt Ernteschäden auf rund 2,5 Mrd. Euro

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Dürre der vergangenen Monate kommt die deutschen Landwirte offensichtlich teuer zu stehen. So schätzt die Vereinigte Hagel die aktuellen Schäden durch die Trockenheit derzeit auf bis zu 2,5 Mrd. Euro. Dies bestätigte Vorstandsschef Rainer Langner gegenüber den Medien. "So, wie sich die Lage zurzeit darstellt müssen die Landwirte wohl mit Schäden von mehr als zwei Mrd. Euro rechnen. Inwieweit sich die Ausfälle durch höhere Preise zumindest teilweise kompensieren lassen, können wir aktuell noch nicht abschätzen", erläuterte er in einem Interview mit der Schwäbischen Wirtschaft.
Dabei vergleicht der Chef des Landwirtschaftsversicherers diese Jahr bereits mit den gravierenden Schäden der Jahre 1993 und 2003. "Ja, 2018 ist was Dürreschäden angeht ein Extremjahr. Wir hatten 1993 und 2003 zwar auch Jahre mit schweren Dürreschäden. Doch damals lagen die Preise für die betroffenen Feldfrüchte 20 bis 30 Prozent niedriger als heute", erläutert Langner. Im Vergleich zum üblichen Durchschnitt sei dieses Jahr "also ein krasser Ausreißer nach oben. Einen ähnlich hohen Schaden gab es zuletzt 2003." Ob die Schäden auf den Klimawandel zurückzuführen seien, wollte er zwar nicht bestätigen: "Doch die Anzeichen dafür sind nicht ganz unerheblich. Die Landwirte werden nicht umhinkommen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen."
Jedenfalls sieht Langner Handlungsbedarf durch die Politik: "Wir haben hohe Dürreschäden in diesem und hatten hohe Frostschäden im vergangenen Jahr. Ich glaube, die Bereitschaft der Bundesländer, eine Mehrgefahrenversicherung für die Bauern zu bezuschussen, ist da – auch in den Bundesländern, die bei dem Thema bislang gemauert haben. Ich glaube aber auch, dass der Bund einen Teil der Kosten übernehmen muss", betont der Vorstandsvorsitzende der Vereinigten Hagel weiter.

Politik sucht nach Lösungen

In der Politik zerbrechen sich unterdessen die Vertreter der verschiedenen Parteien die Köpfe darüber, wie den betroffenen Landwirten effektiv unter die Arme gegriffen werden kann. So forderte Gitta Connemann, Vize-Chefin der Unions-Bundestagsfraktion, gegenüber dem Handelsblatt die Einführung einer sogenannten Klimarücklage, mit der sich die Landwirte gegen Wetterextreme absichern sollen. Dabei sollen landwirtschaftliche Betriebe zweckgebunden für künftige Krisen Gewinne ansparen, auf die keine Steuern entrichtet werden müssen. " So könnte in guten Zeiten eigenverantwortlich für schlechte Zeiten vorgesorgt werden. Denn kein Landwirt will staatlicher Hilfeempfänger sein", erläutert Connemann. Auch der Deutsche Bauernverband und der Bund der Steuerzahler haben sich bereits für eine solche Rücklage ausgesprochen.

Auch der SPD-Agrarpolitiker Rainer Spiering sprach sich für eine entsprechende Krisenvorsorge aus: " Es könnte ein Fonds angeboten werden, in dem die Landwirte freiwillig einzahlen. Diese erhalten dann in Krisenfällen auch eine Ausschüttung", betonte er gegenüber der Wirtschaftszeitung. Der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter geht indes noch einen Schritt weiter. Demnach solle man entweder eine sogenannte Dürreabgabe -  also eine "verpflichtende Solidarumlage" ähnlich wie bei der Seuchenkasse - einführen, oder  man behalte einen Teil der Agrarsubventionen ein, um in Notfällen besonders hart betroffene Landwirte zu unterstützen.

Laut einer Prognose des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dürften sich die Dürreschäden für die Landwirtschaft in diesem Jahr auf rund zwei Mrd. Euro summieren. Zudem gab es seit 1990 mit 2003 und 1992 nur zwei weitere Jahre, in denen die Marke von einer Milliarde Euro überschritten wurde.  Dabei verursacht Trockenheit laut GDV derzeit die größten Schäden für die Landwirtschaft. Rund 54 Prozent der Ernteschäden sind darauf zurückzuführen. Bei lediglich 26 Prozent der Gälle handelt es sich dabei um Hagelschäden. Nach Angaben des Branchenverbandes belief sich der durchschnittliche Schadenaufwand durch Wetterextreme im vieljährigen Mittel von 1990 bis 2013 auf 510 Mio. Euro pro Jahr.
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