Talanx-Vorstandschef Torsten Leue
Talanx-Vorstandschef Torsten LeueQuelle: Talanx
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Talanx: Drastische Prämienerhöhung in der deutschen Industriefeuer

Von Claudia Schmidt-WehrmannTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der drittgrößte deutsche Versicherungskonzern Talanx ist mit dem Geschäftsverlauf des ersten Halbjahes 2018 zufrieden. Ausgenommen von dieser positiven Bewertung ist jedoch die stark defizitäre Industriefeuerversicherung. Vor allem die traditionell starke deutsche Feuer-Sparte, die für ein Fünftel der Beiträge in der Industrieversicherung steht, macht mit einer Schaden-/Kostenquote von 119 Prozent zu schaffen.

Die Industrieversicherung geriet dadurch in der Versicherungstechnik mit 28 Mio. Euro in die roten Zahlen nach einem Plus von 32 Mio. Euro im Vorjahr, und der Beitrag zum Konzerngewinn hat sich auf 53 Mio. Euro mehr als halbiert. Die steigenden Schäden sind nach den Worten des neuen Vorstandschefs Torsten Leue eine Folge der Globalisierung. Brände in einer Fabrik führten beispielsweise zu Produktionsstopps bei immer mehr Lieferanten.

Leue hat mit dem zuständigen Vorstand Christian Hinsch die Sanierung der Sparte mit Ratensteigerungen von durchschnittlich 20 Prozent, aber auch mit der Reduzierung von Anteilen und der Aufgabe von Geschäften in Angriff genommen. Von den notwendigen Verteuerungen seien bis zur Jahresmitte bereits rund ein Drittel umgesetzt. Leue hofft, dass sich der überwiegende Teil der Sanierungsmaßnahmen schon 2019 auswirkt und die Schaden-/Kostenquote 2020 deutliche unter 100 Prozent liegt.

Insgesamt gesehen hat sich im ersten Halbjahr jedoch das profitable Wachstum der Talanx fortgesetzt und Leue ist zuversichtlich, die geplanten 850 Mio. Euro Gewinn für das Gesamtjahr zu schaffea, auch wenn die Rückversicherungs-Tochter Hannover Rück Sonderbelastungen durch den Teilrückzug aus dem amerikanischen Geschäft drohen. Die Hannover Rück hält allerdings an ihrem anvisierten Milliarden-Gewinn fest. Daher sieht auch die Talanx keinen Grund beim Gewinn zurückzustecken.

Die konzernweiten Beitragseinnahmen erhöhten sich in der Berichtszeit um 6,9 Prozent auf 18,8 Mrd. Euro. Wachstumstreiber waren die Schaden-Rückversicherung und das internationale Privat- und Firmenkundengeschäft. Das Ebit legte aufgrund der wegen des erneut geringen Schadenanfalls verbesserten Versicherungstechnik um 7,7 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro zu. Die Kapitalanlagen warfen mit 2,0 Mrd. Euro 3,7 Prozent weniger ab als im Vorjahr. Es wurden im Vorgriff auf die erwartete Reduzierung der Dotierungen der Zinszusatzreserve weniger Gewinn realisiert. Der Steueraufwand erhöhte sich um 90 Mio. Euro auf 357 Mio. Euro. Der Grund: Auswirkungen der US-Steuerreform und Wegfall eines positiven steuerlichen Einmaleffektes. Dadurch erreichte der Konzerngewinn mit 437 Mio. Euro nicht ganz das Vorjahresniveau von 463 Mio. Euro.

Mit der Sanierung des deutschen Privatkundengeschäfts zeigte sich Leue zufrieden. Sie greife schneller als geplant. Ungeachtet des Währungsverfalls in der Türkei, einem der wichtigsten Auslandsmärkte für Talanx, will der Konzern dort seine Präsenz ausbauen. Nach Angaben des Finanzvorstands Immo Querner seien die Ergebniswirkungen des Kursrückgangs der türkischen Lira gering. Er öffne sogar möglicherweise die Chance, dort weitere Versicherer zu günstigen Konditionen zu erwerben.

Talanx · Immo Querner
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