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Politik & Regulierung

Rürup sieht keinen Grund für Rentenalarm wegen Mini-Zinsen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Niedrigzinsen bedrohen die gesetzliche Rentenversicherung. Das war kürzlich eine Meldung, die von vielen Medien aufgegriffen und heiß diskutiert wurde. Zu Unrecht findet Bert Rürup, die Rente sei wegen der Mini-Verzinsung nicht nur keineswegs in Gefahr, sondern profitiere sogar von der Entwicklung.

Die Rentenkasse musste im vergangenen Jahre negative Zinsen auf Einlagen bei der Bundesbank verkraften, die Folge waren "negative Vermögenserträge" von 49 Millionen Euro. Betroffen ist von den Niedrigzinsen insbesondere die Schwankungsreserve, die rund 33 Mrd. Euro umfasst. Dabei handelt es sich um eine Rücklage, die die gesetzliche Rentenversicherung bilden muss, um Einnahme- und Ausgabeschwankungen austarieren zu können. Ein Redakteur des Handelsblatts, für das auch Rürup schreibt, hatte aufgrund der Strafzinsen gefordert, 20 Prozent der Schwankungsreserve "in Aktien zu investieren".

 

Ein Fehler in der Grundannahme

 

Laut Rürup basiert dieser Vorschlag auf einem Missverständnis bezüglich des Sinns des Polsters. Die Rücklage sei so bemessen, dass daraus kurzfristig schwache Beitragsphasen verkraftet werden können, ohne den Beitragssatz anheben zu müssen. Werde im Herbst prognostiziert, dass die Rücklage Ende des Jahres unter 20 Prozent einer durchschnittlichen Monatsausgabe liegt, müsste der Beitragssatz zum 1. Januar angehoben werden. Wird die Reserve dagegen auf 150 Prozent einer Monatsausgabe geschätzt, sollte der Beitragssatz gesenkt werden.

 

Die Funktion der Reserve sei es nicht, Zinserträge für die Finanzierung der Renten zu erzielen, sondern als Sicherheitsnetz für schlechte Zeiten und als Indikator für Beitragssenkungen zu dienen. Deshalb sei "aus guten Gründen" eine Anlage der Rücklagegelder in "liquiden Forderungen" gesetzlich vorgeschrieben. In Wahrheit liegt keine Gefahr in den niedrigen Zinsen, sondern laut Rürup sogar ein Segen.

 

Die Niedrigzinspolitik "begünstigte zweifellos" den Anstieg der Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland und habe dazu beigetragen, die interne Rendite unserer staatlichen Rentenversicherung deutlich anzuheben, erklärt der Ökonom.

 

Die Rendite des umlagefinanzierten Systems werde vom Wachstum der Lohnsumme bestimmt, nicht von den Kapitalrenditen. Die Bundesbank weise daher in Untersuchungen zu den Verteilungswirkungen der kritisch gesehenen EZB-Politik deutlich darauf hin, dass diese Politik die "interne Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung erhöht hat".

Bert Rürup · gesetzliche Rentenversicherung · Schwankungsreserve
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