Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
ArbeitsunfähigkeitsbescheinigungQuelle: Axa
Schlaglicht

Lebenslange Rente: Müssen Kunden für Fehleinschätzung der Axa bezahlen?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im Jahr 2006 hat die Axa eine Marktlücke erkannt, scheinbar. Als allgemeine Klagen aus der Bevölkerung über teure BUs oder Blockaden von Vorerkrankungen immer lauter wurden, reagierte der Versicherer mit einer Unfall-Kombirente. Ein Geistesblitz wurde zum Flop. Am Ende wurde das Produkt nur wenige Jahre verkauft. Grund waren zu hohe Kosten. Nun will der Konzern die laufenden Verträge mit der Brechstange kündigen, und bietet stattdessen eine Existenzschutzversicherung. Der Haken: weitaus schlechtere Konditionen.

Wenn ein Unfall oder bestimmte schwere Krankheiten wie Krebs zur Invalidität führen, gibt es, so das Versprechen der Axa, eine lebenslange Rente zwischen 500 Euro und 3.000 Euro, je nach Beitragshöhe. Nun sollen die betroffenen Verträge in ihrer bisherigen Form nicht mehr weiter geführt werden. Er kann sich die versprochene lebenslange Rente nicht leisten. Das berichtete die SZ im Juni. „Aufgrund des medizinischen Fortschritts steigen die Kosten in Ihrem Tarif Jahr für Jahr erheblich an", schrieb Vorstand Thierry Daucourt im April 2018 den Kunden. Dazu kommen die niedrigen Zinsen, klagte er. „Dies führt dazu, dass wir unser Leistungsversprechen in diesem Tarif nicht mehr aufrechterhalten können.“

Hat sich die Axa verrechnet? Die Konsequenzen jedenfalls trägt der Kunde. Als Alternative zur Unfall-Kombirente bietet der Konzern die sogenannte Existenzschutzversicherung. Doch das Preis-Leistungs-Verhältnis ist  deutlich schlechter. Im Notfall erhalten Kunden nur noch Renten bis zum 67. Lebensjahr. Bei einer Krebserkrankung sei die Auszahlung der Leistungen sogar auf 60 Monate begrenzt.  

Kündigungen laut Verbraucherschützern unzulässig

„Diesen Brocken muss man nicht einfach so herunterschlucken", erklärt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Betroffene sollten sich bei der Axa schriftlich beschweren, Widerspruch gegen die angedrohte Kündigung einreichen und den Vorstand des Versicherers auffordern, auf das ordentliche Kündigungsrecht zu verzichten. „Gleichzeitig ist es sinnvoll, die von der Axa gewährte Fristverlängerung zu nutzen, um Ausschau nach einem besseren Angebot zu halten", rät die Versicherungsexpertin.

Indes hat die Axa die Kündigungsfrist zum 15. August mittlerweile bis zum 15. März 2019 verlängert. Die Hamburger Verbraucherschützer raten, den eigenen Versicherungsschutz bis zu diesem Zeitpunkt in Ruhe zu überdenken und beim Versicherer Widerspruch gegen die angedrohte Kündigung einzulegen. „Die Axa darf die laufenden Unfall-Kombirentenverträge unserer Auffassung nach überhaupt nicht ordentlich kündigen", glaubt Becker-Eiselen.

Zahlreiche Schilderungen von Verbrauchern würden zeigen, dass das Produkt nicht vorrangig als Unfallversicherung, sondern als Alternative zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung vermittelt wurde. Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen ist eine ordentliche Kündigung laufender Verträge seitens der Versicherungsgesellschaften nach allgemeiner Ansicht ausgeschlossen. „Hieraus könnte man schlussfolgern, dass die Kündigung der Unfall-Kombirente von Seiten der Axa unzulässig ist", so Becker-Eiselen.
Eine Unternehmenssprecherin der Axa äußerte sich gegenüber VWheute  jedenfalls "verwundert" über die Ausführungen der Verbraucherschützer, zumal diese bereits ausführlich über die Gründe informiert worden sein. VWheute hat ein ausführliche Stellungnahme angefragt und wird diese in der morgigen Ausgabe zu dem Thema veröffentlichen.
Axa · Unfallversicherung · Beratung
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