Quelle: Barlag
Schlaglicht

Wie die Allianz ihre Bewerber wirklich behandelt

Von Michael StanczykTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Bewerbungsprozesse bei Großunternehmen sind eine heikle Sache. Die Ansprüche werden immer größer, der Druck höher. Auch oder gerade bei einem Player wie der Allianz. Nach eigenen Angaben sucht der Versicherer keine perfekten Bewerber, sondern Persönlichkeiten. Ein Blick auf das Arbeitgeberbewertungsportal Kununu offenbart allerdings einige klare Schwachstellen im Allianz-System.  

 „Welche Idee haben Sie umgesetzt, die grandios gescheitert ist?“ oder „Wie kommunizieren Sie eine Management-Entscheidung Ihrem Team, mit der sie nicht übereinstimmen?“ Solche Fragen kommen auf Bewerber bei der Allianz zu. Der Konzern spricht mit potenziellem Personal gerne über Niederlagen oder auch zwiespältige Gefühle.

 

 „Wir suchen keine perfekten Bewerber“, erklärt Dominik Alexander Hahn, Global Head of People Attraction bei der Allianz, gegenüber dem Business Insider. „Wir suchen noch nicht einmal immer zwingend Leute, die ins Unternehmen passen, manchmal stellen wir bewusst Personen ein, die auf den ersten Blick nicht zu unserer Unternehmenskultur passen, um unseren Horizont zu erweitern.“

 

Einige Bewerber selbst stimmen jedoch nicht unbedingt mit dieser Ansicht überein. Ein anonymer User des Arbeitgeberbewertungsportals Kununu etwa schreibt: „Die Allianz will bloß keine Andersdenker, keine Persönlichkeiten, sondern lieber einen Einheitsbrei, Menschen, die sich von deren arroganter und hochnäsiger Art einschüchtern lassen und zu allem Ja und Amen sagt. Das Personal des Assessment-Centers war arrogant, langweilig, stocksteif.“

 

Weiter schrieb der Job-Interessent der Allianz Deutschland. „Ich hatte mich für den Vertrieb beworben und im Laufe des Tages natürlich auch mal die Stimmung etwas aufgelockert, was meiner Meinung nach im Vertrieb völlig normal ist. Letztendlich ging es um ein duales Studium und nicht um die Wahl zum Bundeskanzler. Der Herr, bei dem ich auch bereits ein Vorstellungsgespräch absolvierte, schien auch zuerst humorvoll. Wie sich später herausstellte, wurde ich angeblich aufgrund meiner lockeren Art nicht genommen, diese wurden sogar schwer kritisiert.

„Peinlich für ein Unternehmen wie die Allianz“

Die Allianz selbst hat ein klares Bild davon, welche Kandidaten in den Konzern passen. Für die Vorstellungsgespräche hat der Konzern einen Leitfaden aus mehr als 50 Interviewfragen erstellt, der weltweit Anwendung findet. Dabei komme es auf die Position und auf den Bewerber an, was gefragt werde.

 

Alle Fragen im Vorstellungsgespräch richten sich nach dem sogenannten People Attributes Guide, der in der gesamten Allianz gilt. Dieser gilt als Richtlinie für Vorgesetzte und Personaler. Dazu gehören die Punkte Performance-Management, Führungsqualitäten, Vertrauen, Kunden und Märkte sowie unternehmerisches Denken.

 

Bei Kununu kommt der Bewerbungsprozess bei der Allianz Gruppe insgesamt auf den Score drei von fünf - oberer Durchschnitt. Viel Luft nach oben also, aber auch keine große Ausnahme bei einem Großkonzern. Es ist eben nicht alles Gold, das glänzt bei den Big Playern der deutschen Wirtschaft.

 

In den kommenden Jahren indes könnte sich Bewerbungsprozess bei der Allianz radikal verändern, da das Unternehmen derzeit Möglichkeiten abwiegt, wie Künstliche Intelligenz eingesetzt werden kann. So gibt es etwa Pläne, ein System zu nutzen, das bei Videointerviews die Gestik und Mimik des Kandidaten analysiert und Rückschlüsse auf seine persönlichen Eigenschaften zieht.

 

Im Moment hört sich das an wie weit entfernte Zukunftsmusik. Ein anderer Kununu-User fordert vom Unternehmen erst einmal überhaupt ein funktionierendes Recruiting-Tool: „Erst konnte man sich fast zwei Wochen lang nicht online bewerben und als das Portal wieder funktioniert hat, war die Stelle schon inaktiv, obwohl die Bewerbungsfrist noch zwei Tage lief. Wirklich peinlich für ein Unternehmen wie die Allianz.“