Ausgetrockener Felder machen den deutschen Landwirten derzeit zu schaffen.
Ausgetrockener Felder machen den deutschen Landwirten derzeit zu schaffen.Quelle: Verena N. / PIXELIO (www.pixelio.de)
Politik & Regulierung

Agrarpolitiker beziffern Dürreschäden in Millionenhöhe

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mit Blitz und Donner ist die Hitzewelle der vergangenen Tage zum Wochenende hin zu Ende gegangen. Wenn heute die Staatssekretäre von Bund und Ländern in Berlin in Berlin über die Folgen der Dürre für die Landwirtschaft beraten, geht es vor allem um erste Nothilfen für die betroffenen Landwirte. Erste Schadenschätzungen der zuständigen Landwirtschaftsministerien gehen bereits von einem dreistelligen Millionenbetrag aus.

So rechnet allein das Landwirtschaftsministerium in Sachsen-Anhalt mit einer Schadenssumme von etwa 237 Mio. Euro. Besonders imBereich Futterbau inklusive Grünland betragen die Einbußen nach Ministeriumsangaben rund 50 Prozent. Im Ackerbau seien es im Durchschnitt 35 Prozent. Zudem sei den Landwirtschaftsbetrieben mit Rinder-, Milchvieh sowie Schaf- und Ziegenhaltung teilweise die Grundfutterversorgung weggebrochen.

Noch höher fallen die ersten Schadenschätzungen im benachbarten Freistaat Sachsen aus. Demnach hat die anhaltende Dürre ersten Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums zufolge einen Schaden von rund 308 Mio. Euro verursacht. Dabei entfallen ofiziellen Angaben zufolge etwa 215 Mio. Euro auf den Acker- und 93 Mio. Euro auf den Futterbau. Allein im Silomais betrage der Schaden 70 Mio. Euro, im Raps über 32 Mio. Noch nicht mit eingerechnet sei dabei Sonderkulturen wie Äpfel.

Am heftigsten traf es bislang wohl die Landwirte im Norden Deutschlands. So beziffert das Landwirtschaftsministerium vom Schleswig-Holstein ersten vorläufigen Schätzungen zufolge auf etwa 422 Mio. Euro. Dabei seien Ernteschäden von 30 bis 35 Prozent zu befürchten, allerdings mit einer großen Bandbreite zwischen den Betrieben, heißt es weiter. Dabei geht das Kieler Ministerium davon aus,dass etwa ein Drittel der Betriebe einen Schaden von mehr als 30 Prozent verzeichnen wird.

Versicherer rechnen mit Dürreschaden von zwei Mrd. Euro

Der Deutsche Bauernverband hat die Ernteerwartung vor wenigen Tagen bereits deutlich nach unten korrigiert. Statt der zuletzt geschätzten 41 Millionen Tonnen Getreide rechnet der DBV nur noch mit einer Erntemenge von rund 36 Millionen Tonnen. Gleichzeitig hatte der Verband bereits eine Milliarde Euro von Bund und Ländern gefordert, um die Ernteausfälle auszugleichen, die durch die Dürre entstanden sind. Dabei spricht der DBV bereits jetzt von der "schlechtesten Ernte" des Jahrhunderts.

Ausmaß der Ernteschäden 2018
Ausmaß der Ernteschäden 2018Quelle: Statista

Laut einer Prognose des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) dürften sich die Dürreschäden für die Landwirtschaft in diesem Jahr auf rund zwei Mrd. Euro summieren. Zudem gab es seit 1990 mit 2003 und 1992 nur zwei weitere Jahre, in denen die Marke von einer Milliarde Euro überschritten wurde.

"Natürlich kann ich das im Augenblick nur grob schätzen", betont Rainer Langner, Vorstandvorsitzender der Vereinigten Hagelversicherung, im GDV-Interview.  Das Problem für die betroffenen Landwirte: Ein Versicherungsschutz gegen Trockenheit ist zwar möglich. Aber: "Nur sind die Prämien und Selbstbehalte tatsächlich so hoch, dass sich diesen Versicherungsschutz im Augenblick kaum ein Landwirt leisten kann", ergänzt der Manager.

Der Grund: "Trockenheit ist ein sogenanntes Kumulrisiko. Das bedeutet, sie kommt zwar nicht allzu häufig und regelmäßig vor. Wenn es dann aber mal für längere Zeit nicht regnet, sind davon gleich mehrere Regionen betroffen und der Schaden ist entsprechend groß. Und zwar sowohl beim einzelnen Landwirt als auch für die gesamte Volkswirtschaft. Das macht es für die Versicherer sehr schwer, ausreichend Risikokapital vorzuhalten", ergänzt Langner.

 

Trockenheit verursacht größte Ernteschäden
Trockenheit verursacht größte ErnteschädenQuelle: Statista
Dabei verursacht Trockenheit laut GDV derzeit die größten Schäden für die Landwirtschaft. Rund 54 Prozent der Ernteschäden sind darauf zurückzuführen. Bei lediglich 26 Prozent der Gälle handelt es sich dabei um Hagelschäden. Nach Angaben des Branchenverbandes belief sich der durchschnittliche Schadenaufwand durch Wetterextreme im vieljährigen Mittel von 1990 bis 2013 auf 510 Mio. Euro pro Jahr.
Ob und inwieweit der Bund den betroffenen Landwirten finanziell unter die Arme greift, wird sich voraussichtlich Ende August entscheiden. So will Bundesladwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vor der Entscheidung über eine mögliche Unterstützung des Bundes zunächst den Abschluss der Ernte und die amtliche Bilanz abwarten. Dafür müsste festgestellt werden, dass es sich um Schäden von "nationalem Ausmaß" handelt.
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