Die Aktionäre der Hannover können 2019 auf eine Sonderdividende hoffen.
Die Aktionäre der Hannover können 2019 auf eine Sonderdividende hoffen.Quelle: Hannover Rück
10.08.2018Schlaglicht

Verluste im US-Leben-Geschäft: Hannover Rück beißt in saueren Apfel

Von Claudia Schmidt-WehrmannVW heute
Die Hannover Rückversicherung SE  liegt gut im Rahmen der Prognose für das Gesamtjahr. Das Gewinnziel von über einer Mrd. Euro sei 2018 realistisch. Einen Wermutstropfen liefert jedoch das US-Mortalitätsgeschäft. Es wird im zweiten Halbjahr wegen "signifikanter" Ratenerhöhungen und Kündigungen nicht profitabler Verträge hohe Belastungen verursachen. Diese nimmt Vorstandschef Ulrich Wallin in Kauf, um dadurch höhere Verluste in den Folgejahren zu vermeiden. Finanzvorstand Roland Vogel bezifferte die für das dritte Quartal zu erwartenden Belastungen mit 264 Millionen Dollar.

Diese Summe könnte aber noch steigen. Von 2019 erwartet Vogel jedoch in diesem Geschäft Ergebnissteigerungen. Trotz der Belastungen 2018, zu denen auch die Folgen der US-Steuerreform zählen, hält der Vorstand am Konzernergebnis von mehr als einer Milliarde Euro für das Gesamtjahr fest. Die Ausschüttungsquote wurde wegen der guten Kapitalausstattung von 35 bis 45 (bislang 40) Prozent erhöht. Die Dividende soll mindestens auf dem Vorjahresniveau von fünf Euro liegen.

Deutliches Plus bei den Beitragseinnahmen

Die Beitragseinnahmen des Konzerns erhöhten sich den Angaben zufolge im ersten Halbjahr um elf Prozent auf zehn Mrd. Euro. Dazu steuerte die Schaden-Rückversicherung 6,5 Mrd. Euro (+19,2 Prozent) bei, die Personen-Rückversicherung 3,5 Mrd. Euro (-1,5 Prozent). Das operative Ergebnis lag mit 907,3 Mio. Euro um 13,5 Prozent über Vorjahr. Ausschlaggebend hierfür war das wegen geringer Großschäden um 37,4 Prozent auf 204,7 Mio. Euro gestiegene versicherungstechnische Ergebnis sowie das stärker als erwartet um knapp ein Drittel auf 219,4 Mio. Euro verbesserte operative Ergebnis der Personen-Rückversicherung.

Die Kapitalanlagen warfen mit 743,6 Mio. Euro ein um 4,6 Prozent geringeres Ergebnis als im Vorjahr ab. Laut Vogel waren die Verkaufserlöse rückläufig. Insgesamt lag das Konzernergebnis mit 555,3 Mio. Euro wegen der höheren Steuerbelastung aber nur um "bescheidene" 3,8 Prozent über Vorjahr. Das Ergebnisziel von mehr als einer Milliarde Euro für das Gesamtjahr hält Vogel dennoch nicht für anspruchsvoll, da sich die Steuerquote im weitere Jahresverlauf verringern werde und die Hannover Rück aufgrund der konbservativen Reservierung über eine hohe Schadenreserve verfüge. Die Börsen reagierten am Donnerstag Morgen mit einem überdurchschnittlichen Kursgewinn von rund zwei Prozent.

Zudem profitiert Hannover Rück dank konservativer Zeichnungspolitik in den ersten sechs Monaten des Jahres erneut von einer eher geringen Schadenbelastung. So verzeichnete die Talanx-Tochter bislang nur wenige Großschäden wie zum Beispiel durch den Wintersturm "Friederike" sowie ein Erdbeben und ein Großfeuer. Der Bauschaden an einem Wasserkraftwerk in Kolumbien, der den Konkurrenten Munich Re stark belastet, trifft die Hannover Rück laut Vogel hingegen nur mit einem sehr niedrigen zweistelligen Millionenbetrag. Vom Großschadenbudget in Höhe von 825 Mio. Euro sind bislang nur 93 Mio. Euro genutzt. Auch der Dürre in Deutschland wird die Hannover Rück kaum belastet, da die deutschen Bauern im Gegensatz zu ihren Kollegen in den USA kaum gegen Dürreschäden versichert sind.
Hannover Rück · Ulrich Wallin
Claudia Schmidt-Wehrmann