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09.08.2018Märkte & Vertrieb

Willis Towers Watson: Höhere Pensionsverpflichtungen und sinkende Pensionsvermögen

Von VW-RedaktionVW heute
Veränderungen beim Leitzins und eine steigende Inflation wirken sich auch auf die betriebliche Altervsorsorge der 30 Dax-Konzerne aus. Laut einer aktuellen Modellrechnung von Willis Towers Watson sind die Pensionsverpflichtungen im ersten Halbjahr des laufenden Jahres um 1,0 Prozent auf 385,9 Mrd. Euro gestiegen. Demgegenüber sind die Pensionsvermögen hingegen im 0,3 Prozent auf 257,1 Mrd. Euro gesunken. Der entsprechende Ausfinanzierungsgrad liegt somit nun bei 66,6 Prozent. Im MDax stieg der Verpflichtungsumfang geringfügig stärker um 1,2 Prozent auf 81,9 Mrd. Euro, während die Pensionsvermögen minimal zulegten (um 0,1 Prozent auf 46,0 Mrd. Euro).
„Die Inflation spielt insbesondere für die jährliche Anpassung der Betriebsrenten eine Rolle. Daher ist sie bei der Berechnung der Pensionsverpflichtungen einzubeziehen“, erläutert Aktuarin Hanne Borst, die bei Willis Towers Watson die versicherungsmathematische Beratung im bAV-Bereich leitet. Hinzu kommt der Umstand, dass viele Unternehmen angesichts der gestiegenen Lebenserwartung ihre Pensionsverpflichtungen neu berechnen müssen. So gehen die Experten von Willis Towers Watsoch davon aus, dass diese voraussichtlich um 1,5 bis 2,5 Prozent steigen werden.
Deutliche Kritik üben die Experten hingegen am Gesetzgeber: So versperre sich dieser weiterhin an üblichen „Wartung“ der Berechnungsgrundlagen und halte bereits seit 37 Jahren an einem steuerlichen Rechnungszins von sechs Prozent fest. "Der Rechnungszins, den Unternehmen beim Ansatz ihrer Pensionsverpflichtungen in der Steuerbilanz heranziehen müssen, liegt seit 37 Jahren bei sechs Prozent und damit schon lange fern von der Realität an den Kapitalmärkten. Hier ist der Gesetzgeber dringend gefragt, seinen 'Wartungsarbeiten' ebenfalls nachzukommen", fordert Heinke Conrads, die bei Willis Towers Watson das Beratungsgebiet "betriebliche Altersversorgung" (bAV) in Deutschland und Österreich verantwortet.
"Dieser Zins ist schon lange nicht mehr marktkonform", ergänzt die bAV-Expertin. "Jedoch verweigert sich der Gesetzgeber einer längst überfälligen und von vielen Seiten geforderten Anpassung. Auch eine Klage beim Bundesverfassungsgericht hierzu hängt an", betont Conrads. So würde die Anpassung des Rechnungszinses nach unten zu einem Anstieg der steuerlichen Pensionsrückstellungen führen und damit die Unternehmen steuerlich entlasten. "Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die Politik diesen Schritt endlich geht", so Conrads.
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