09.08.2018Märkte & Vertrieb

Lebensversicherern droht ein "Waterloo"

Von VW-RedaktionVW heute
Die Banken haben die schwerste Krise ihrer Geschichte bereits seit einigen Jahren hinter sich. Den deutschen Lebensversicherern steht dies hingegen noch bevor. Dies glaubt zumindest Jörg Wiechmann, Geschäftsführer des Itzehoer Aktien Clubs (IAC). Das Problem aus seiner Sicht: "Viele Kunden haben es offenbar noch gar nicht bemerkt."
So gebe es aus Sicht Wiechmanns vor allem einen Grund, weshalb die Versicherer bisher weitgehend ungeschoren durch Finanzkrise und Niedrigzins-Phase gekommen seien: Ihre Verbindlichkeiten seien langfristig wegen der Laufzeit der Verträge. "Doch die Versicherer werden ebenso hart getroffen, nur eben schleichend und um einige Jahre zeitverzögert", prognostiziert der Geschäftsführer des IAC.
Daher sei es auch nicht verwunderlich, dass die Bafin aktuell 34 der 87 deutschen Anbieter unter verschärfte Kontrolle genommen habe. So mache der Grarantiezins von 0,9 Prozent das Produkt Lebensversicherung für die Kunden zunehmend unattraktiv. Dazu komme noch die Inflation von aktuell zwei Prozent. "Das tut ein Übriges, um die langlaufenden Altersvorsorgeverträge zu einem wahren Alters-Sorge-Produkt zu machen", glaubt Wiechmann.
Wenig verwunderlich also, dass der Aktienexperte die sogenannten "Bad Banks" aus den Zeiten der Finanzkrise mit dem Run-off in der Lebensversicherung vergleicht: Was große Konzerne wie die Generali bereits vorgemacht haben, werde vom Bundesgerichtshof noch zusätzlich befeuert. Dieser hatte jüngst entschieden, dass die Versicherungsunternehmen die Zahlungen aus den Bewertungsreserven gekürtz werden dürfen.
"Die Versicherer dürfen ihre Altkunden ganz legal enteignen. Wer jahrzehntelang eisern seine Lebensversicherung bespart hat, ist also nun der Dumme" , glaubt Wiechmann. "Auch wenn Banken und Versicherer am Ende ihre selbstverschuldeten Verluste nicht selbst tragen müssen, langfristig zahlen sie dafür in einer viel härteren Währung: mit dem verlorenen Vertrauen der Kunden", konstatiert der IAC-Geschäftsführer.
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