BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein
BdV-Vorstandssprecher Axel KleinleinQuelle: BdV
Politik & Regulierung

Verbraucherschützer fordern Provisionsdeckel von 1,5 Prozent

Von Manfred BrüssTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Bund der Versicherten (BdV) hat sich in die Diskussionen über einen Provisionsdeckel beim Vertrieb von Lebensversicherungen eingeschaltet. In einer Stellungnahme für das Finanzministerium und den Finanzausschuss des Bundestags rechnen die Verbraucherschützer vor, dass sich die Provisionen seit 1998 inflationsbereinigt nahezu vervierfacht hätten. Deshalb fordert der BdV einen Provisionsdeckel von 1,5 Prozent.

Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hatte noch vor der Sommerpause seine Evaluierung der Wirkungsweise des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) öffentlich gemacht. Dabei spricht sich das Ministerium für die Einführung eines Provisionsdeckels beim Vertrieb von Lebensversicherungen aus, ohne aber einen konkreten Vorschlag zu machen. Der Finanzausschuss des Bundestages kann sich frühestens in der ersten Sitzungswoche nach der Sommerpause in der zweiten Septemberwoche mit dem Thema befassen. Der Bund der Versicherten nutzt die Sommerpause, um die Diskussionen über einen Provisionsdeckel weiter anzuheizen.

BdV: Miese Tarife der Versicherer treiben Provisionen in die Höhe

In der Stellungnahme für die Politik untersucht der BdV auf Basis aktuariellen Modellierungen die Entwicklung der Provisionen im Zeitraum 1998 bis 2018. Dabei wurde nach Angaben der Verbraucherschützer untersucht, wie hoch die Provisionen für die Vermittlung einer privaten Rente einer bestimmten garantierten Rentenhöhe jeweils waren. „Noch nie gab es derart hohe Provisionen wie heute, gemessen an der Höhe der garantierten Altersvorsorge“, erklärte BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Die Ergebnisse würden zeigen, dass sich die Provisionen in den letzten 20 Jahren inflationsbereinigt in etwa vervierfacht hätten.

Dies gelte etwa für einen langlaufenden Vertrag von 45 Jahren. Die Beispielberechnungen beziehen sich auf eine private Rente mit einer Auszahlungsgarantie von 1.000 Euro im Monat und den damit verbundenen Provisionen in den Jahren 1998, 2008 und 2018. Bei einer unterstellten Laufzeit von 25 Jahren errechne sich bei den Provisionen fast eine Verdreifachung. In den letzten 20 Jahren hätten sich zudem die Provisionen bei Männern etwas stärker erhöht als bei Frauen. Nach Einschätzung des Bundes der Versicherten lägen die Provisionen bei einem Höchstsatz von 1,5 Prozent immer noch höher als die aus dem Jahr 1998 mit einer Vergütung von damals vier Prozent. „Was vor 20 Jahren auskömmlich war, muss auch heute reichen. Deshalb sind 1,5 Prozent die Spitze des Erträglichen“, erklärte Kleinlein weiter. "Alles darüber ist unredlich."

Der Bund der Versicherten sieht keine Notwendigkeit Provisionen per se zu verbieten. „Wir brauchen auch weiterhin Vermittler aus Fleisch und Blut, deswegen kann eine Provision mit Augenmaß gut und richtig sein. Erklärte Kleinlein weiter. Die Schuld für die gestiegenen Provisionen sieht Kleinlein bei den Versicherungsunternehmen. “Das Problem ist nicht die Gier der Vermittler, sondern die miese Qualität der Tarife“, wettert Kleinlein. Die Tarife seien nicht nur immer teurer geworden, sondern die Produkte seien auch immer schlechter geworden. „Die Vermittler stehen daher in dem Dilemma nur teure und schlechte Tarife anbieten zu können.“

GDV wertet die BdV-Aussagen als "irrefühend"

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wies die Kritik des BdV hingegen als "irreführend" zurück. Dessen Aussagen wurden "halten einer sachlichen Überprüfung nicht standhalten", betonte ein Verbandssprecher. "Nachweislich sind die vom Kunden zu tragenden Abschlusskosten seit Inkrafttreten des Lebensversicherungsreformgesetzes deutlich gesunken und nicht etwa gestiegen: Wer heute eine Lebensversicherung abschließt,  zahlt nach aktuellen Berechnungen des Bundesfinanzministeriums 22 Prozent weniger für den Abschluss als noch vor vier Jahren. Die an Vermittler gezahlten Abschlussprovisionen sind um fast 13 Prozent gesunken. Der BdV nimmt diese Fakten leider nicht zur Kenntnis, sondern argumentiert mit einer eigenen Modellrechnung und fiktiven Provisionshöhen", heißt es in einer Stellungnahme des GDV.
"Es ist unsinnig, Provisionen ins Verhältnis zu Garantien zu setzen, wie es der BdV tut. Denn die Garantien müssen angesichts des Zinsverfalls und der steigenden Lebenserwartung bei einem heute abgeschlossenen Vertrag niedriger sein als vor 20 Jahren.  Entscheidend für den Kunden sind die Gesamtleistungen inklusive der Überschüsse", betonte der GDV. Der BdV selbst will mit seiner Stellungnahme hingegen zur Evaluierung des LVRG eine "intensivere politische Diskussion" anregen. "Angesichts von Run-Off, überbordenden Zinszusatzreserven und hohen Provisionen brauchen wir eine offene Diskussion mit allen Beteiligten." Die Diskussion dürfte zunächst im Finanzausschuss geführt werden. Man darf davon ausgehen, dass der Ausschuss eine öffentliche Expertenanhörung beschließen wird. Auf jeden Fall dürfte die Expertise der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gefragt sein.
BdV · Provisionsdeckel · BaFin · GDV