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08.08.2018Märkte & Vertrieb

Euler Hermes warnt vor hohen Schulden

Von VW-RedaktionVW heute
Euler Hermes sorgt sich um derzeit um die hohen Schulden der Unternehmen weltweit. Laut einer aktuellen Studie des Kreditversicherers ist die Verschuldung der Unternehmen zwar weltweit gestiegen. Allerdings sei die Nettoverschuldung der Firmen im vergangenen Jahr dank der guten Konzernergebnisse um 3,2 Prozentpunkte auf 53 Prozent gesunken. Grund zur Entwarnung sehen die Experten aber nicht.

„Die Bilanzen der Unternehmen hatten zuletzt Rückenwind durch satte Gewinne. Die insgesamt hohe Verschuldung könnte dennoch einigen Unternehmen zum Verhängnis werden“, warnt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. Besonders kritisch stehe es dabei vor allem für die Unternehmen dreier Branchen: „Die Papier-, Transport- und Textilbranche weisen nicht zuletzt aufgrund des Strukturwandels und großen Investitionsbedarfs einen brisanten Mix aus hoher Verschuldung und steigenden Risiken auf.“

Insbesondere für die Transportbranche ermittelte der Kreditversicherer eine Verschuldungsquote von 144 Prozent. Besonders betroffen sei dabei die Schifffahrt. Damit ist das Ende der schlechten Nachrichten allerdings noch nicht erreicht, der Konjunkturzyklus neige sich dem Ende entgegen und zunehmende Handelshemmnisse würde zu neuen Sorgen in der Schifffahrt führen, zudem sinke dadurch das Transportvolumen.

Hohe Risiken für Transportbranche

„Risiken und Verschuldung sind in der Transportbranche bereits heute sehr hoch und die finanziellen Polster gering, insbesondere in der Schifffahrt. Durch höhere Umweltstandards steht in Zukunft eine erneute Welle der Schiffsmodernisierung und Flottenerneuerung an mit den verbundenen hohen Kosten - ein Teufelskreis“, konstatiert Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

„Unternehmen müssen also bei ihren Investitionen sehr umsichtig planen und Umsatz und Kosten eng im Auge behalten, um nicht in den Abwärtssog zu geraten. Hinzu kommt die starke Abhängigkeit der Branche von der wirtschaftlichen Entwicklung. Der Konjunkturzyklus neigt sich langsam dem Ende zu und der drohende Handelskrieg sowie steigende protektionistische Maßnahmen sorgen für weitere Sorgen in der Branche. Das Wachstum beim Frachtvolumen von Asien nach Nordamerika ist durch Handelsbarrieren seit Jahresbeginn bereits ausgebremst worden", erläutert der Manager von Euler Hermes.

Ähnlich kritisch sehen die Ökonomen auch die Lage in der Textilindustrie, wo die größten Branchenunternehmen ebenfalls mit einer Neuverschuldungsquote von bis zu 144 Prozent zu kämpfen haben. Zudem sei der Cash-Flow schwach und Unternehmen bräuchten überdurchschnittlich lange, ihre Schulden aus dem laufenden Geschäft zurückzuzahlen.

Den bisherigen Negativrekord hält hingegen die Papierbranche mit einer Verschuldungsquote von 172 Prozent. So brächten die Unternehmen aus der Papierbranche mehr als zwölf Jahre, um die bestehenden Schulden aus der laufenden operativen Tätigkeit zurückzuzahlen.

Schuldenkönige in Südeuropa

Allerdings gebe es nicht nur gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Auch regional stellen die Ökonomen von Euler Hermes erhebliche Unterschiede fest. „Regional sind Portugal, die Türkei, Griechenland und Spanien die Schuldenkönige. Deutsche Exporteure sollten hier also genau hinschauen, mit wem sie Handel betreiben. Das kann teilweise mit hohen Zahlungsrisiken verbunden sein - zumal die Zahlungsmoral in diesen Ländern eher schlecht ist. In der Türkei kommt ein Währungsrisiko hinzu. Unternehmen sind vor allem in US-Dollar oder Euro verschuldet. Mit der massiven Abwertung der türkischen Lira seit Jahresbeginn wird die Rückzahlung fälliger Kredite teilweise sehr teuer und entsprechend schwer zu stemmen. Bereits jetzt sehen wir dort eine steigende Zahl an Pleiten und gehen deshalb 2018 von einem Anstieg der Insolvenzen um fünf Prozent aus“, warnt Van het Hof.
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