Smart Home
Smart HomeQuelle: Axa
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Wie Versicherer vom Hype um Smart Home profitieren

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ein smartes Zuhause scheint bei den Deutschen immer beliebter zu werden. Laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbandes Bitkom besitzt mittlerweile jeder vierte Bundesbürger (26 Prozent) besitzt mindestens eine Smart-Home-Anwendung. MIt steigender Nachfrage eröffnet das intelligente Zuhause Versicherern ein interessantes Geschäftsfeld. Indes lauern im Hintergrund schon die Gefahren aus dem Cyberspace.

Verbreitet sind laut Bitkom-Umfrage vor allem intelligente Beleuchtung (17 Prozent), Video-Überwachung (14 Prozent) und Sprachassistenten (13 Prozent). Zudem plane derzeit mehr als ein Drittel der 1.611 Befragten in Deutschland (37 Prozent), sich in den nächsten zwölf Monaten eine smarte Anwendung für das Zuhause anzuschaffen. Besonders hoch im Kurs stehen dabei vor allem Heizungsthermostate (29 Prozent) und intelligente Beleuchtung (27 Prozent). Smarte Staubsauger (15 Prozent) und Gartengeräte (zwölf Prozent) sind ebenfalls gefragt.

Wer nutzt Smart Home?
Wer nutzt Smart Home?Quelle: Bitkom
Viele Nutzer setzen bei der Installation entsprechender Technik vor allem auf professionelle Hilfe (48 Prozent). Knapp jeder Vierte (23 Prozent) hat bei der Inbetriebnahme auf die Hilfe von Freunden, Bekannten und Kollegen gesetzt. 16 Prozent haben Unterstützung bei einem Familienangehörigen gesucht, der nicht im selben Haushalt lebt. Bei 14 Prozent hat jemand aus dem eigenen Haushalt die Smart-Home-Anwendung installiert. Lediglich neun Prozent geben laut Umfrage an, die Lösungen selbst installiert zu haben. Ein Drittel der Bundesbürger (34 Prozent) würde sich gerne Rat vom Experten holen und hätte Interesse an einer Beratung zum smarten Zuhause. Davon wären 59 Prozent bereit, für eine solche Beratung zu bezahlen.
Wer installiert Smart Home?
Wer installiert Smart Home?Quelle: Bitkom
Die Gründe für den Verkauf von Smart-Home-Produkten sind jedoch laut Bitkom-Analyse durchaus unterschiedlich. Demnach wollte jeder Zweite die Sicherheit im eigenen Heim erhöhen (56 Prozent) oder zusätzlichen Komfort und Lebensqualität (54 Prozent) schaffen. Mehr als ein Drittel wollte Geld sparen (38 Prozent) oder energieeffizienter leben (36 Prozent). Bei den Kaufgründen zeigen sich laut Umfrage deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während Männer vor allem Sicherheit (63 Prozent), Sparen (41 Prozent) und Spaß an der Technik (zwölf Prozent) angaben, führten bei Frauen eher die Gründe Komfort und Lebensqualität (59 Prozent) und Energieeffizienz (42 Prozent) zum Kauf.
Dabei wird das Smartphone laut Umfrage zum wichtigsten Tool für die Nutzer entsprechender Smart-Home-Lösungen, über das 76 Prozent der Häusle-Besitzer ihre Anwendungen steuern. 44 Prozent greifen auf ihr Tablet zurück und 38 Prozent auf eine Fernbedienung. Deutlich aufgeholt hat in den letzten beiden Jahren der Sprachassistent, über den mittlerweile 37 Prozent ihre Geräte steuern. 2016 waren es erst 2 Prozent. „Sprachassistenten verbreiten sich rasant – und sie werden in immer mehr Geräte integriert. In den nächsten Jahren werden wir Geräte zuhause wie selbstverständlich mit unserer Stimme steuern“, betont Bitkom-Präsident Achim Berg bei der Vorstellung der Studienergebnisse.

Welchen Schutz bieten Versicherer?

Die Versicherungswirtschaft  hat sich bei einigen Marktteilnehmern umgehört. Kunden einer Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung der Zurich etwa können für ihre fest installierte intelligente Haustechnik die All-Risk-Ergänzung Techno-Plus abschließen. Da normale Policen die Risiken, denen solche Systeme ausgesetzt sind, nicht umfänglich absichern, verspürt der Versicherer einen wachsenden Bedarf an dem Baustein. In erster Linie von Kunden mit Komplettlösungen im Neubau, aber auch von solchen mit nachgerüsteten Systemen im Gebäudebestand. 
Vor allem unsachgemäße Handhabung, Kurzschlüsse und Sabotage gehören nach Beobachtung eines Sprechers zu den Risiken, die über den Deckungsumfang herkömmlicher Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen hinausgehen. „In der Techno-Plus sind beispielsweise auch Wasserschäden durch Nicht-Leitungswasser eingeschlossen“, zählt der Sprecher weitere Vorzüge auf. Unabhängig vom Hersteller ist zudem die Steuertechnik für Heizung, Kühlung, Licht und Kommunikationstechnik, wie Gegensprechanlagen, versichert. Auch die Sicherheitstechnik samt Alarmanlagen, Videotechnik und Bewegungsmeldern ist eingeschlossen. Technische Neuerungen werden ständig beobachtet, damit man schnell auf die rasanten Veränderungen reagieren könne. Kalkuliert werde aufgrund fehlender belastbarer Daten anhand der Expertise aus verwandten All-Risk-Policen wie der klassischen Elektronikversicherung. Versichert sind nur die reinen Sachschäden, auch bei Cyberangriffen. Die Beschädigung von Daten und Software ist dagegen nicht gedeckt. Die Versicherungssummen reichen von 10.000 bis 100.000 Euro. Ebenfalls an die klassische Elektronikversicherung angelehnt ist die „Unbekannte Gefahren-Deckung für Anlagen der Haustechnik“ des Assekuradeurs Domcura. Die hier gemachten jahrelangen Erfahrungen sind in die Kalkulation eingeflossen. „Sicherlich wird die im Privatbereich stetig wachsende Automatisierung und Vernetzung in der Zukunft weitere Risiken mit sich bringen. Hier gilt es am Ball zu bleiben“, erklärt ein Sprecher. Der Baustein ist Teil des Einfamilienhauskonzeptes der Domcura, mit dem man Maklern ein umfassendes Konzept an die Hand gibt, das das Haftungsrisiko in der Beratung minimiert.

"Smart-Home-Tarife sind kalkulierbar"

Versichert ist im Rahmen des Haustechnik-Bausteins zur Wohngebäudeversicherung die unvorhergesehene Beschädigung oder Zerstörung des Betriebssystems, Wiederherstellungskosten für elektronisch gespeicherte Daten sowie die De- und Remontage. Die Kosten des Bausteins betragen 30 Euro. Die Technik selbst bietet Domcura nicht an. Man ist der Meinung, dass die eigene Kompetenz in Versicherungslösungen liegt und Beratung sowie Vertrieb der Technik in die Hände von Fachunternehmen gehört. Die Nachfrage nach Smart Home-Policen sei im Moment „noch verhalten“, macht der Sprecher deutlich. Die Technik sei neu und bisher mehr oder weniger nur für junge Leute interessant. Smart Home finde daher vornehmlich bei Neubauten Berücksichtigung, ältere Gebäude nachzurüsten sei dagegen oft unwirtschaftlich oder nur im Zusammenhang mit größeren Sanierungen sinnvoll. Doch durch Generationenwechsel bei Eigenheimbesitzern und sinkende Preise für die Technik werde die Nachfrage höchstwahrscheinlich steigen. 
Marcus Dierschke, Vorstand des Häger Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit, hält Smart Home-Tarife für durchaus kalkulierbar, wie er betont. „Für die allgemeinen Gefahren Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel, Einbruchdiebstahl, Elementargefahren, Mensch und Technik gibt es eine breite Datenbasis. Neu ist aus unserer Sicht nur das Thema Cyber.“ Konkret versichert die Häger Smart Home-Technik solange sie Wohngebäudebestandteil und Haushaltsgegenstand ist. Über die Wohngebäudeversicherung besteht Schutz gegen die üblichen Risiken – über die Haushaltsgeräteversicherung zusätzlich gegen Bedienungsfehler, Ungeschicklichkeit, Vorsatz Dritter, Konstruktions-, Material- und Ausführungsfehler sowie Kurzschluss. Der Vorsatz Dritter umfasst auch das Hacken von Schlössern und Systemen. Datenmissbrauch ist dagegen nicht abgesichert. „Aktuell geht der Trend dahin, immer mehr Gefahren zu versichern und immer mehr Bestandteile in den Versicherungsschutz einzuschließen“, berichtet Dierschke. Ein spezieller Baustein muss bei der Häger nicht abgeschlossen werden, da Smart Home integraler Bestandteil beider Versicherungen ist. Die Technik selbst bietet das Unternehmen bewusst nicht an, da es bei Schäden immer auch um Ursachenforschung gehe. Man verlasse sich lieber auf die Expertise spezialisierter Unternehmen und Sachverständiger, die auch den Kunden zugute komme. Welchen Anteil Smart Home am Umsatz hat, kann die Häger nicht sagen, da sie zu den normalen Tarifen gehört. Allerdings hält der Vorstand die Mitversicherung für alternativlos.

Bitkom · Smart Home
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