Kohleabbau
KohleabbauQuelle: Harald Schottner  / www.pixelio.de / PIXELIO
Schlaglicht

Kohleausstieg: Überraschender Sinneswandel bei Munich-Re-Chef Wenning

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Munich Re ringt wohl um den richtigen Weg in ihrer Kohlepolitik. Ende der vergangener Woche sprach CEO Joachim Wenning noch in einem großen Zeitungsinterview davon, dass ein schneller Ausstieg "zu kurz gesprungen" wäre. Wenige Tage später dann die Meinungsänderung, denn der Rückversicherer steigt jetzt doch aus dem Kohlegeschäft aus. Eine Rückfrage beim Unternehmen brachte keine Klarheit.

Der Grund für den Ausstieg ist der Klimawandel und die Förderung einer klimaneutralen Wirtschaft. Aus diesem Grund will die Munich Re in Zukunft nicht mehr in Aktien oder Anleihen von Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erzielen, schreibt der Vorstandschef Joachim Wenning in einem FAZ-Gastbeitrag, den mehrere Medien zitieren. "Wir werden im Einzelrisikogeschäft, wo wir die Risiken genau sehen können, im Grundsatz künftig keine neuen Kohlekraftwerke oder -minen in Industrieländern mehr versichern."

 

Alle diese Maßnahmen sind vor dem Hintergrund des Klimawandels zu sehen, denn als großer Rückversicherer ist das Geschäft der Munich Re natürlich schwer betroffen, wenn es wegen klimatischen Änderungen zu mehr oder schwerere Naturkatastrophen kommen sollte. Gelänge es nicht, die Erderwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, wären teure und massive gesellschaftliche Probleme die Folge, ist sich Wenning sicher.

 

Gestern noch anderer Meinung

 

Alles, was der CEO sagt und schreibt, ist nachvollziehbar, durchdacht und wohl auch richtig. Daher überrascht es, dass im Handelsblatt in der letzten Woche ein Artikel erschien, in dem der Chef der Münchener einen gegensätzlichen Ansatz verbalisierte. Auf den von den Mitbewerbern Axa und Allianz bereits vollzogenen Ausstieg aus dem Kohlegeschäft sagte er: "Ich verstehe emotional, dass viele einen schnellen Ausstieg aus der Kohle fordern. Aber das wäre zu kurz gesprungen."

 

Weiter erklärte der Manager: "Wer sich nur auf Kohle einschießt, der wird vor allem Folgendes bewirken: Die Förderländer werden ihre Kohle an Volkswirtschaften verkaufen, die weniger rigide agieren. Dadurch wird der Preis sinken, und die Wettbewerbsfähigkeit nonfossiler Energien wird noch geringer. Das ist Marktwirtschaft.

 

Dass es über das Wochenende zu einem spontanen Umdenken kam, kann wohl ausgeschlossen werden, die Münchener sind ein analytisch handelndes Unternehmen, Schnellschüsse sind ihre Sache nicht. Auch wenn das Kohlegeschäft bei der Fülle der Geschäfte monetär sicher zu vernachlässigen ist, ein Alleingang Wennings erscheint unwahrscheinlich.

 

Eine Anfrage beim Unternehmen führte nicht zur Aufklärung. "Danke für Ihre Anfrage, derzeit kann ich Ihnen zu weiteren Details nichts sagen, aber die Halbjahrespressekonferenz steht ja vor der Tür", schreiben die Münchener. Abseits dieses Widerspruchs hat der Rückversicherer allerdings laut der Zeitung eine genaue Vorstellung davon, wie der Ausstieg angegangen wird.

 

Keinem Energieversorger werden "morgen alle Versicherungen gekündigt", man wolle die Unternehmen eher "zum Kohleverzicht bewegen". In bestimmten Bereichen soll es zudem Ausnahmen mit Einzelfallprüfungen geben, beispielsweise bei bestehenden Kunden oder in Schwellenländern.

 

Die Munich Re will jetzt Kriterien formulieren, in denen die Abhängigkeit eines Landes von Kohle oder die Klimastrategie eines Unternehmens eine Rolle spiele. "Wir wollen hier unsere Kunden beim Wandel hin zu klimafreundlichem Vorgehen begleiten", erklärt Wenning den Plan.

Kohle · Joachim Wenning · Munich Re · Klima
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