Norbert Rollinger
Norbert RollingerQuelle: R+V
Unternehmen & Management

Rollinger: "Bin für das Gesamtjahr sehr zuversichtlich"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Versicherung kann so einfach sein. Die R+V Versicherung ist derzeit auf einem guten Weg, die Zahlen stimmen, das Geschäft läuft gut und wird unter dem Chef Norbert Rollinger auf das Morgen ausgerichtet. VWheute hat mit ihm in einem Sommerinterview über den Provisionsdeckel, Zinszusatzreserve und die Zukunft gesprochen.

VWheute: Was funktionierte im Unternehmen im ersten halben Jahr gut und was nicht ganz so optimal?

 

Norbert Rollinger: Das erste Halbjahr verlief für die R+V Versicherung außerordentlich erfolgreich. Wir haben mit 7,9 Milliarden Euro rund zehn Prozent mehr Beiträge eingenommen als im ersten Halbjahr 2017. Unsere Produkte kommen also offenbar bei den Kunden an. Das freut uns sehr. Gut voran kommen wir auch mit unserem 2017 vereinbarten Strategieprogramm "Wachstum durch Wandel", das wir seit Anfang des Jahres umsetzen. Damit sich unser Unternehmen aber erfolgreich verändert, müssen wir unsere starke Unternehmenskultur weiterentwickeln. Das ist die größte Herausforderung.

 

VWheute: Was erwarten Sie vom zweiten Halbjahr / warum wird es ein Erfolg

 

Norbert Rollinger: Es stimmt mich für das Gesamtjahr sehr zuversichtlich, dass wir in den ersten sechs Monaten so gut abgeschnitten haben. Die R+V gehört zu den führenden und finanzstärksten Versicherern in Deutschland und wir bauen unsere starke Marktposition seit Jahren kontinuierlich weiter aus. Das ist eine sehr gute Basis. Und mit unserem Transformationsprogramm sichern wir unseren zukünftigen Erfolg. 

 

VWheute: Wie ist die Schadenentwicklung im ersten Halbjahr, was erwarten Sie für die zweite Hälfte?

 

VWheute: Mehrere schwere Unwetter haben bei uns im 1. Halbjahr zu einem Elementarschadenaufwand von fast 190 Millionen Euro geführt – deutlich mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Was die kommenden Monate bringen, ist natürlich noch nicht absehbar. Ich hätte allerdings nichts dagegen, wenn es insgesamt nicht ganz so stürmisch würde wie im vergangenen Jahr. Wichtig ist aber vor allem, dass wir unseren Kunden im Schadenfall schnell und unbürokratisch helfen. Das ist unsere Kernaufgabe als Versicherer.

 

VWheute: Ihre größte Befürchtung / größte Hoffnung für 2018?

 

Norbert Rollinger: Die Versicherungswirtschaft bewegt sich seit Jahren in einem herausfordernden Umfeld: die Zinsen sind niedrig, die regulatorischen Anforderungen wachsen, die Gesellschaft wird immer älter, die Digitalisierung erfasst alle Lebensbereiche, neue Wettbewerber drängen auf den Markt und die Kunden haben höhere Ansprüche und Erwartungen. Darauf müssen wir uns einstellen. Die Politik muss aber auch für gute Rahmenbedingungen sorgen, damit wir beispielsweise unsere wichtige gesellschaftliche Funktion für den langfristigen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge optimal wahrnehmen können. Und natürlich freuen wir uns auch über Signale, dass die Zinsen wieder steigen werden.

 

VWheute: Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze:

 

Der Provisionsdeckel ist … "sicher nicht im Sinne einer qualifizierten Kundenberatung."

 

Die Zinszusatzreserve muss gesenkt werden, weil…"der schnelle Aufbau in den letzten Jahren zu einer extensiven Auflösung von Bewertungsreserven geführt hat. Sie hat sich bewährt, aber mittlerweile einen Stand erreicht, der einen langsameren Ausbau ermöglicht."

 

Die Run-Off-Option in der Lebensversicherung ist für die Branche… "grundsätzlich zwar eine Option, für R+V schließen wir sie jedoch kategorisch aus."

 

Die Digitalisierung in unserem Haus ist…"neben der Kundenbegeisterung das zweite Kernelement  unserer Unternehmenstransformation. Bei beidem sind wir, eng vernetzt mit unseren Partnern in den Volksbanken und Raiffeisenbanken, auf einem sehr guten Weg."

 

Ihre Spezialfrage:

Autonome Busse sind seit kurzen auf den Straßen von Wiesbaden im Nahverkehr unterwegs. Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen und wo werden die nächsten Busse fahren?

 

Norbert Rollinger: Es ist ein Meilenstein für unser Forschungsprojekt, dass wir als erstes Privatunternehmen in Deutschland die Straßenzulassung für unsere autonomen Busse erhalten haben. Der erste öffentliche Einsatz war an unserem Standort in Wiesbaden. Ab 6. August fährt ein Bus am Rheinufer im Mainzer Winterhafen. Wir erforschen seit 2017 mit eigenen autonomen Fahrzeugen in verschiedenen Testfeldern die Mobilität der Zukunft, um Chancen und Risiken frühzeitig zu verstehen und entsprechende Konzepte für passende Versicherungen zu entwickeln. Wir haben bereits erste Erkenntnisse zu Fehlerquellen und Funktionsweise und Grenzen von Sensorik gewonnen und können dank der Zusammenarbeit mit der Uni Marburg, die das Testfeld wissenschaftlich begleitet, erste positive Ergebnisse zum Thema Akzeptanz verzeichnen.

Norbert Rollinger · Sommerfragebogen · R+V · Digitalisierung
Auch interessant
Zurück
07.12.2018VWheute
Greco: "Ich bin sicher, dass die Liste der größten Versi­cherer in zehn Jahren ganz anders aussehen wird" Jüngst konnte Zurich-Vorstandschef Mario …
Greco: "Ich bin sicher, dass die Liste der größten Versi­cherer in zehn Jahren ganz anders aussehen wird"
Jüngst konnte Zurich-Vorstandschef Mario Greco den versammelten Investoren stolz die Bilanz seines harten Sanierungsprogrammes präsentieren. Geht es allerdings um die Zukunft…
12.11.2018VWheute
AGV und Verdi verhan­deln über Digi­ta­li­sie­rungs­themen: Arbeit­geber zuver­sicht­lich Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung. Verdi und der …
AGV und Verdi verhan­deln über Digi­ta­li­sie­rungs­themen: Arbeit­geber zuver­sicht­lich
Nach der Verhandlung ist vor der Verhandlung. Verdi und der AGV hatten nach dem letzten Gehaltstarifabschluss 2017 übereingestimmt, bis zur nächsten Gehaltstarifverhandlungen im Jahr 2019 …
08.11.2018VWheute
Zuver­sicht­lich in eine unsi­chere (Beschäf­ti­gungs-)Zukunft Digitale Neugründungen auf der "grünen Wiese" sind für die Versicherungsbranche …
Zuver­sicht­lich in eine unsi­chere (Beschäf­ti­gungs-)Zukunft
Digitale Neugründungen auf der "grünen Wiese" sind für die Versicherungsbranche offensichtlich auch nicht die Lösung schlechthin. "Es ist Humbug, dass wir nur unsere Altlasten abschaffen und unsere Daten auf eine neue…
12.10.2018VWheute
R+V: Rollinger verzichtet auf versteckte Kosten­spar­pro­gramme Norbert Rollinger wirbt für die Digitalisierung in seinem Haus und wird 100 Millionen …
R+V: Rollinger verzichtet auf versteckte Kosten­spar­pro­gramme
Norbert Rollinger wirbt für die Digitalisierung in seinem Haus und wird 100 Millionen Euro in die Umsetzung investieren. Der Chef der R+V Versicherung hat in einem Aufsatz die Ziele und Probleme und Möglichkeiten der…
Weiter