Rainer Langner, Chef der Vereinigten Hagelversicherung
Rainer Langner, Chef der Vereinigten HagelversicherungQuelle: Vereinigte Hagelversicherung
Politik & Regulierung

Policen gegen Dürre: Senkung der Versicherungssteuer im Gespräch

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Gegen Schäden durch Extrem-Wetterlagen wie Sturm, Starkregen oder Frost sind viele Bauern versichert, kaum einer jedoch gegen Dürre. Für Rainer Langner, Chef der Vereinigten Hagelversicherung, liegt der Ball bei den Politikern. Für ihn ist es unerklärlich, "warum der Gesetzgeber zwar die Versicherungssteuer für Policen gegen Hagel, Sturm, Starkregen, Überschwemmung und Frost von 19 auf 0,3 Prozent gesenkt hat, nicht aber bei Versicherung gegen Trockenheit."

Bund und Länder streiten über Soforthilfen für Dürre-geschädigte Bauern. Während Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner am Dienstag darauf beharrte, etwaige Hilfen des Bundes müssten vom Erntebericht Ende August abhängig gemacht werden, forderten Ressortkollegen aus den Ländern rasche Hilfszahlungen.  Für den Ersatz von Schäden durch Naturereignisse seien in erster Linie die Bundesländer zuständig, sagte die CDU-Ministerin. Für Bundeshilfen sei zudem Voraussetzung, dass die Verluste mindestens 30 Prozent des Mittels der Erträge der vergangenen drei Jahre ausmachten. Erst dann könne der Notstand erklärt werden.

Steht fest, dass klimabedingte Schadensummen in den vergangenen Jahren gestiegen sind. "Und Dürre verursacht die höchsten Schäden", sagt Rainer Langner, Chef der Vereinigten Hagelversicherung. Dürre mache laut einer Erhebung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zwischen den Jahren 1990 und 2013 mit einem jährlichen Durchschnittsschaden von 276 Mio. Euro über die Hälfte des Gesamtschadens durch Naturgefahren aus. Hagel folge mit 134 Mio. Euro.

Man kann sich natürlich dagegen versichern. "Nur sind die Prämien und Selbstbehalt tatsächlich so hoch, dass sich diesen Versicherungsschutz im Augenblick kaum ein Landwirt leisten kann", so Langner.  Die Vereinigte Hagel bietet stattdessen eine Index-Lösung an, berichtete VWheute.

Im Ausland können sich die Bauern Mehrgefahrenpolicen, einschließlich gegen Dürreschäden, leisten, weil der Staat diese Versicherungen bis zu 70 Prozent bezuschusst. Der Bauernverband plädiert nicht unbedingt für einen Zuschuss, aber für die Senkung der Versicherungssteuer. Langner, der auch der Kommission Sachversicherung Landwirtschaft im GDV vorsitzt, sieht das ähnlich. "Man kann auch hinterfragen, warum der Gesetzgeber zwar die Versicherungssteuer für Policen gegen Hagel, Sturm, Starkregen, Überschwemmung und Frost von 19 auf 0,3 Prozent gesenkt hat, nicht aber bei Versicherung gegen Trockenheit. Wir Versicherer wären jedenfalls in der Lage, eine erhöhte Nachfrage an Mehrgefahrenversicherungen zu bedienen."

Auch Wirtschaftsexperten wie die DIW-Ökonomen Claudia Kemfert fordert die Versicherungssteuer zu senken. "Wie Elementarversicherungen, die gegen finanzielle Belastungen bei Überschwemmungen und extremen Stürmen absichern, sollten auch Dürre-Versicherungen als Pflichtversicherung gelten."

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