Thomas Brahm
Thomas BrahmQuelle: Debeka
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Brahm: "Eine überhöhte Solvenzquote kann nicht Debeka-Ziel sein"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Thomas Brahm ist seit kurzem als Vorstandsvorsitzender der Debeka. Mit der Versicherungswirtschaft hat er über die Lebensversicherung und Solvency II, Koblenz als Rekrutierungshotspot von IT-Talenten, den Vertrieb unter dem Provisionsdeckel und viele weitere Themen gesprochen.

Thomas Brahm ist seit kurzem als Vorstandsvorsitzender der Debeka. Mit der Versicherungswirtschaft hat er über die Lebensversicherung und Solvency II, Koblenz als Rekrutierungshotspot von IT-Talenten, den Vertrieb unter dem Provisionsdeckel und viele weitere Themen gesprochen.

 

VWheute: Thomas Brahm: Ist Ihre wichtigste Aufgabe als Personalvorstand und Chef die Gewinnung von IT- und digitalaffine Fachkräften?

 

Thomas Brahm: Ja, das ist so. Es ist meine felsenfeste Überzeugung, dass wir die Talente im Unternehmen noch besser heben müssen, mit unserer Debeka-Akademie für Fort- und Weiterbildungen sind wir da auf einem guten Weg.

 

VWheute: Ist es bei der Anwerbung von dem zuvor angesprochenen Fachpersonal ein Nachteil, in Koblenz und nicht in München oder Berlin zu sitzen?

 

Thomas Brahm: Das ist eine spannende Frage. Ich würde heute sagen, wir haben einen Standortvorteil.

 

VWheute: Das müssen Sie mir erklären.

 

Thomas Brahm: Wir haben in Koblenz eine gut entwickelte Hochschullandschaft und mit der Universität Koblenz-Landau eine strategische Allianz gegründet. Der Lehrstuhl IT ist bundesweit hoch angesehen und aus diesem Bereich rekrutieren wir viele Mitarbeiter, die müssen nur von einer Seite der Mosel  auf die andere wechseln. Die Partnerschaft wird dann zum Vorteil, wenn wir die jungen Fachkräfte erreichen, die in der Region fest verwurzelt sind. Damit das passiert, kontaktieren wir sie bereits im Studium. Bei diesen Fachkräften haben wir bessere Chancen, als wenn wir in München sitzen würden, wo der Markt auch wegen der Insurtechs, die von jungen Hochtalentierten bei der Berufswahl bevorzugt werden, viel größer ist, wie mir verschiedene Personaler anderer großer Unternehmen mit Sitz in München bestätigt haben. Hier in Koblenz gibt es mit der CompuGroup nur einen wirklich großen Mitbewerber.

 

VWheute: Wechseln wir das Metier. Die Bafin hat die Debeka in der LV in Manndeckung genommen, das Unternehmen ging erfreulich offen damit um, wie bewerten Sie die Angelegenheit?

 

Thomas Brahm: 34 Lebensversicherer, das ist fast die Hälfte des Marktes, berichten intensiver an die Aufsicht, entweder weil sich aus der jährlichen Prognoserechnung ergibt, dass sie mittel- bis langfristig finanzielle Schwierigkeiten haben könnten, oder weil sie wie wir die Übergangsmaßnahmen unter Solvency II nutzen. Die Nutzung der Übergangsmaßnahmen ist eine völlig legitime Angelegenheit – ich verstehe in diesem Punkt die ganze Aufregung nicht. Durch Solvency II haben wir einen Wandel in der Aufsicht erfahren: ­In der HGB-Welt, die ja nach wie vor gilt, sind wir grundsolide aufgestellt mit einer überdurchschnittlichen Eigenkapitalquote. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit haben wir immer dafür gesorgt, dass die Mitglieder lange laufende Altersvorsorge betreiben und so schnell und so hoch wie möglich an den Überschüssen beteiligt werden. Unter Solvency II wird diese Politik mit hohen Eigenmittelanforderungen bestraft, daher nutzen wir die Übergangsmaßnahmen.

 

VWheute: Wie wichtig ist die Quote?

 

Thomas Brahm: Ist es richtig, in der Lebensversicherung eine Solvenzquote von vielen 100 Prozent zu haben? Ein Kunde muss sich doch fragen, wie diese Quote zustande gekommen ist und ob ihm das Geld in der Vergangenheit nicht vorenthalten wurde. Einige Unternehmen werben sogar mit ihrer Solvenzquote, das kann ich nicht nachvollziehen. Eine überhöhte Solvenzquote kann nicht das Ziel der Debeka sein. Wir wollen eine Reserve aufbauen, die den gesetzlichen Vorgaben entspricht. Weit darüber hinaus zu gehen würde bedeuten, Gelder unserer Mitglieder zu zweckentfremden, das ist nicht das, was wir bei der Debeka wollen und tun.

 

VWheute: Wechseln wir zum Vertrieb. Der Provisionsdeckel kommt, ist die Debeka mit ihrem angestellten Außendienst vorbereitet?

 

Thomas Brahm: Wir haben bei der Debeka noch nie die höchsten Provisionen bezahlt, weswegen wir auch für Makler und Mehrfachagenten uninteressant sind. Unser Außendienstvertrag ist auf das ganze Sortiment unseres Angebots angepasst, wir haben als Provisionsträger die Lebens-, die Kranken-, die Schaden- und Unfallversicherung sowie die Bausparkasse. Das Einkommen generiert sich aus diesen vier Quellen, daher ist der bisher angedachte Provisionsdeckel in der Lebensversicherung für uns weniger problematisch als für andere.

 

VWheute: Was wird es neues im Vertrieb geben?

 

Thomas Brahm: Als Schwerpunkt werden wir den bewährten Debeka-Weg aus guter Beratung und angestelltem Außendienst weitergehen. In nicht so beratungsintensiven Bereichen werden wir Online-Abschlüsse haben. Mit digitalen Lösungen werden wir die technisch affinen Kunden ansprechen und die eingesparten Beratungsressourcen in die beratungsintensiven Bereiche reinvestieren.

 

Das Interview mit Herr Brahm beinhaltet neben weiteren Fragen zu den oben genannten Themen noch den Bereich Krankenversicherung, einen Ausblick in die Zukunft, die Ernennung zum Vorsitzenden und die ersten Amtshandlungen sowie natürlich die Wichtigkeit der Digitalisierung.

 

Das komplette, mehrseitige Interview können Sie in der aktuellen Ausgabe der Versicherungswirtschaft lesen, die Sie HIER bestellen können. (vwh)

 

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz

 

Bild: Thomas Brahm (Quelle: Debeka)

Debeka · Thomas Brahm · Lebensversicherungen · Vertrieb
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