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Politik & Regulierung

Warum kaum ein Landwirt gegen Dürre versichert ist

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Deutschlands Landwirte verlieren aufgrund der Hitze etwa 5 Millionen Tonnen Getreide. Der Bauernverband schätzt Dürre-Schäden auf "Mehrfaches" von einer Milliarde und fordert Unterstützung vom Bund. Ökonomen halten davon nichts – und raten, Bauern sollten selbst Vorsorge treffen. Nämlich durch Versicherungen gegen Dürre. Doch die Versicherungsprämien sind hierzulande extrem teuer. Im Ausland sind sie erschwinglicher, weil der Staat diese bezuschusst.

Meist sind die Landwirte vor allem gegen Hagel versichert. So eine Police haben rund zwei Drittel der Landwirte abgeschlossen. Sie sind zudem versichert gegen Sturm, Starkregen oder Frost – zumindest gilt das für rund ein Drittel der Landwirte. Gegen extreme Trockenheit oder Dürre ist jedoch kaum ein Landwirt versichert. Bei der Vereinigten Hagel sind etwa fünf Millionen Hektar – das ist damit knapp die Hälfte der Ackerfläche in Deutschland - gegen gängige Extremwettersituationen versichert. Dem stehen aber nur 500 Hektar gegenüber, die gegen Dürre versichert sind.

Bei der Vereinigten Hagel werden Hagel, Sturm und Starkregen werden als schadenbasierte Ernteversicherung angeboten. Das bedeutet, dass der Landwirt den konkreten von ihm erwarteten Hektarwert (Erntemenge auf dem Feld mal erwartetem Verkaufspreis, ggf. plus ein gewisser Sicherheitsaufschlag) versichert. Den Wert legt er (in einer vom Versicherer vorgegebenen Bandbreite) selber fest. Im Schadenfall kommen die Sachverständigen und stellen auf dem konkreten Feld den dort entstandenen Schaden in Prozent fest. Diesen Prozentsatz vom Hektarwert bekommt der Landwirt dann als Entschädigung. Er bekommt also genau das, was er als Ernteverlust sonst selber tragen müsste. Die Prämien hierfür sind auch ökonomisch betrachtet attraktiv, so dass z. B. rund 75-80 Prozent der Ackerfläche gegen Hagel versichert ist.

Gefahren wie Hagel kommen i.d.R. nur regional vor. Bei Dürre handelt es sich um ein sog. Kumulrisiko. Hiervon sind im Schadenfall ganze Landstriche (im Extremfall gar das ganze Land) betroffen. Dadurch müssen die Prämien für Dürre so kalkuliert werden, dass sie letztlich für den Landwirt wirtschaftlich uninteressant sind und die Versicherung nicht angenommen wird.

Index-Lösung mit geringer Nachfrage

"Technisch wäre es kein Problem eine schadenbasierte Dürreversicherung zu organisieren", erklärt die Vereinigte Hagel. "Im europäischen Ausland (z. B. Niederlande, Luxemburg) bieten wir diese an. Die Nachfrage ist dort groß, da die Prämie mit Zuschüssen gefördert wird und damit für den Landwirt wieder interessant ist. Ad hoc-Hilfen, wie sie der Bauernverband in diesen Tagen fordert, gibt es dafür dann nicht."

Der Versicherer bietet zurzeit lediglich eine sog. Indexversicherung gegen Trockenheit an, die für Landwirte finanzierbar wäre. "Diese ist aber nicht schadenbasiert, es kommen daher auch keine Sachverständigen auf das jeweilige Feld. Die Entschädigung bemisst sich an den Durchschnittserträgen des Landkreises im Vergleich zu einem vom Landwirt gewählten Schwellenwert." Ein Sprecher der Vereinigte Hagel bestätigt im Gespräch, dass es in ganz Deutschland fünf Abschlüsse gebe. Die Ursache für die geringe Nachfrage liegt darin begründet, dass der Bauer seine eigenen Felder und Besitz zum tatsächlichen Wert absichern möchte.

"An einer Lösung in der andere Landwirte und deren Besitz (indirekt über den Durchschnittsertrag) beteiligt sind, haben viele Landwirte nachvollziehbarer Weise kein Interesse. Grundsätzliches Problem bei Indexversicherungen ist, dass die gezahlte Entschädigung nicht dem tatsächlich entstandenen Schaden entsprechen muss", so die Vereinigte Hagel.

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