Warten auf den Sonnenschein (Quelle: Oliver Mohr / www.pixelio.de / PIXELIO)
Warten auf den Sonnenschein (Quelle: Oliver Mohr / www.pixelio.de / PIXELIO)Quelle: Oliver Mohr / www.pixelio.de / PIXELIO)
02.08.2018Schlaglicht

Warten auf den Sonnenschein in der Lebensversicherung

Von Maximilian VolzVW heute
Zweifel an der Stabilität der deutschen Lebensversicherung haben Konjunktur. Neue Nahrung lieferte unlängst der "Bericht an den Finanzausschuss des Deutschen Bundestages: Evaluierung des Lebensversicherungsreformgesetzes". Die Zahl der beaufsichtigten Unternehmen wächst – und das hat Gründe.

In dem oben genannten Report berichtete das Bundesfinanzministerium von derzeit 34 Lebensversicherern, "bei denen sich aus der jährlichen Prognoserechnung ergibt, dass sie "mittel- bis langfristig finanzielle Schwierigkeiten haben könnten". Die Zahl dieser Unternehmen ist in der Vergangenheit gestiegen.

 

Seit Einführung des Instruments hat sich die Zahl der betroffenen Lebensversicherer knapp verdreifacht – und das, obwohl zwischenzeitlich immerhin sechs Lebensversicherer per Verkauf in den externen und drei weitere in den internen Run-off geschickt worden sind. Unter diesen für das Neugeschäft Stillgelegten dürfte sicherlich die ein oder andere Gesellschaft gewesen sein, die quasi aufgegeben werden musste – also Kandidaten für den intensiveren Blick der Aufseher gewesen wären, jetzt aber Teil eines Abwicklers sind. Unberücksichtigt in diesen Run-off-Zahlen ist die Generali Lebensversicherung AG, die ja erst noch final an den Abwickler Viridium verkauft wird.

 

Die Generali hatte sich – ebenso wie die Debeka Leben – bei einer Umfrage der Bild als unter intensivierter Aufsicht stehend "geoutet". Die Debeka hatte gegenüber VWheute erklärt, wie es zu der Überwachung durch die Bonner gekommen ist. Die Aufseher richten ihre verstärkte Aufmerksamkeit auf Unternehmen, bei der die jährliche Prognoserechnung ergibt, dass sie “mittel- bis langfristig finanzielle Schwierigkeiten haben könnten”, welche Zahlen dafür ausschlaggebend sind, wollte die Bafin nicht verraten.

 

Ebenfalls "in Manndeckung" werden Versicherer genommen, die “Übergangsmaßnahmen von Solvabilität II” anwenden und deren Anwendung “zumindest zeitweise auch tatsächlich notwendig war”, erklärte die Debeka gegenüber VWheute. Ist so ein Fall eingetreten, müssen die Unternehmen gegenüber der Bafin darlegen, welche Maßnahmen sie ergreifen, um die Anforderungen nach Ablauf der Übergangszeit zu erfüllen. Die Debeka beispielsweise gehört zur zweiten Gruppe, weisen aber darauf hin, dass die “Kundenerwartungen alle erfüllt werden”.

 

VVAG vs. AG

 

Ein wichtiges Merkmal in der Lebensversicherungskrise scheint die Unternehmensform zu sein. Wurden im Jahr 2012 noch gleich viele Aktiengesellschaften wie Versicherungsvereine intensiver beaufsichtigt, hat sich die Zahl der betroffenen AGs von 6 im Jahr 2012 auf 25 im Jahr 2017 erhöht.

 

Die Zahl der VVaGs nahm hingegen nur auf zehn zu, wie die Bafin mitteilt. Größe an sich – die oft als Vorteil zu Generierung von Skaleneffekte gepriesen wird –, scheint übrigens nicht vor Problemen zu schützen: Neun Große werden intensiviert beaufsichtigt, auch in der Zukunft. Für die Bafin ist das Instrument der intensivierten Aufsicht "nach wie vor wichtig und zielführend", und sie will es "weiter verfeinern und differenzieren".

 

Der komplette Artikel "Warten auf den Sonnenschein" von Monika Lier ist in der Versicherungswirtschaft 08/2018 erschienen. Behandelt wird in dem Artikel unter anderem die Praxis der Volatilitätsanpassung wie auch des Rückstellungstransitionals, einer Übergangsmaßnahme unter Solvency II nach § 352 VAG, die es Versicherungsunternehmen erlaubt, einen vorübergehenden Abzug bei der Bewertung versicherungstechnischer Rückstellungen vorzunehmen

 

Ein weiteres Thema des sehr lesenswerten Fachartikels ist die Rolle der ZZR bei der Beurteilung und Lage der Lebensversicherer, die RFB oder der Verkauf und anschließende Rückvermietung von Immobilien an die Konzernmutter. (lier/mv) 

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Maximilian Volz
Maximilian Volz
Redakteur