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Allianz-Chefberater: "Kryptowährungen wurden zu sehr hochgejubelt"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Als Pimco-Chef musste Mohamed El-Erian stets den gesamten Markt im Blick haben. Seine Sicht auf die Finanzindustrie schätzt die Allianz so sehr, dass sie ihn als ökonomischen Chefberater engagierte. Er glaub nicht, dass ein Handelskrieg bevorsteht, "weil China und andere nachgeben werden, wenn es hart auf hart kommt." Den US-Dollar können auf lange Sicht nicht einmal Kryptowährungen gefährden.

"Ein Vorteil ist, dass der Hype um Kryptowährungen den Fokus auf die unterliegende Blockchain-Technologie gelenkt hat. Blockchain ist eine wichtige Innovation und wird sicher viele Anwendungen finden, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor. Aber man muss leider sagen, dass Kryptowährungen zu sehr hochgejubelt wurden", sagt El-Erian dem Handelsblatt. Der Manager sieht Bitcoin & Co. eher als Rohstoff statt als Währung. "Sie eignen sich nicht für hochvolumige Transaktionen und sind kein guter Wertspeicher. Sie sind sehr volatil, und die Kosten, um zu handeln, sind sehr hoch. Aber ich glaube schon, dass private Kryptowährungen weiter existieren werden. Sie werden nur nicht so weit verbreitet sein, wie die Kryptoenthusiasten glauben."

Ein Herzensanliegen ist das Thema Globalisierung und Finanzkrise: "Beim Streben nach uneingeschränkter wirtschaftlicher Globalisierung wurden zwei große Fehler gemacht. Der eine war, den Verteilungseffekten – Einkommen, Vermögen und Chancengleichheit – zu wenig Aufmerksamkeit zu widmen. Viele haben geglaubt, der „Trickle-Down-Effekt“ würde dafür sorgen, dass die Gewinne nach unten durchgereicht würden. Das hat zu wirtschaftlicher Unsicherheit und politischem Zorn geführt, was heutige politische Widerstände befeuert."

Der zweite Fehler: "Um die Finanzkrise zu bekämpfen, wurde zu stark auf die Geldpolitik und zu wenig auf andere Mittel gesetzt, die der breiten Bevölkerung eher geholfen hätten. Dadurch ging die Schere zwischen Reich und Arm noch weiter auseinander. Die Notenbanken können schließlich nur die Preise von Aktien und anderen Wertpapieren ankurbeln, mit dem Ziel, das Wachstum und Unternehmensinvestitionen zu steigern. Und wer besitzt den großen Teil dieser Papiere? Die, die ohnehin in der Gesellschaft besser gestellt sind."

Nach der Finanzkrise ist das Geld in neue weniger regulierte Bereiche gewandert, wie Hedgefonds und Private-Equity-Firmen. El-Erian erinnert jedoch daran: "Risiko verschwindet nicht einfach, es verwandelt sich, ändert seine Form und zieht weiter."
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