Köpfe & Positionen

Actuarial Association of Europe will gesamteuropäische Aufsicht

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Aktuare werden immer wichtiger. In Zeiten von niedrigen Zinsen sind sie bei der Kalkulation neuer Produkte unverzichtbar. Das alles hat Thomas Béhar, Präsidenten der Actuarial Association of Europe, natürlich erkannt, aber er kennt auch die Grenzen bei der Produktentwicklung, die die Aktuare nicht verschieben können.

"Auch Aktuare können keine Versicherungsprodukte entwickeln, die ein geringeres Risiko und gleichzeitig eine höhere Rendite haben. Der Markt hat hier die Grenzen bereits ausgetestet. Allerdings sei der Berufsstand in der Lage "veränderte Garantiekonzepte zu entwickeln", die sich "stärker am Kapitalmarkt orientieren."

Sein Berufsstand könne die Entwicklung von Angeboten mit "unterschiedlichen Risiko-Rendite-Eigenschaften vorantreiben" und sich darüber hinaus "aktiv in Diskussionsprozesse" über Chancen und Risiken einbringen. Das würde dafür sorgen, dass Verbraucher "qualifizierte Entscheidungen" über ihre individuelle Risiko- und Renditeerwartung" treffen können.

Ade nationale Aufsicht

Die Schaffung einer europäischen Aufsichtsbehörde ist nach Meinung Béhars unverzichtbar: " Das Thema Chancengleichheit und damit die Schaffung eines einheitlichen Aufsichtsregimes für das Versicherungswesen in Europa muss verstärkt auf die Tagesordnung gesetzt werden. In diesem Punkt sieht er "immer noch großen Nachholbedarf". Für die bessere Adressierung des Problems sieht er Eiopa in der Pflicht. Die Aufsichtsbehörde müsse noch klarer kommunizieren, wie sie einen "einheitlichen Rahmen schaffen will". Nur so können in allen EU-Staaten "einheitliche Wettbewerbsbedingungen sichergestellt" werden.

Beim Thema Solvency II sieht Béhars die Vorteile des Systems, warnt aber von Eingriffen in den Markt. "Europas Aktuare sehen Solvency II als großen Fortschritt. Dadurch können Erst- und Rückversicherungen Risiken deutlich besser einschätzen und managen als in der Vergangenheit." Allerdings, sowohl Solvency wie auch IFRS 17 würden auf der Idee basieren, dass Angebot und Nachfrage von einer "unsichtbarer Hand gesteuert werden", dass vertrage sich nicht mit Einmischungen von außen.

"In den vergangenen Jahren mussten wir aber feststellen, dass die Europäische Zentralbank sichtbar und aktiv in den Markt eingreift – mit spürbaren Auswirkungen. Auf Kosten von Investoren, Sparern und Rentnern hat sie den europäischen Staaten geholfen, ihre Haushaltsdefizite zu reduzieren."

Die derzeitige Lage an den Märkten sei eine "Ausnahmesituation", daher wäre es "wenig hilfreich" neue Vorschriften zu erlassen, die "unnötig weiteren Druck aufbauen". (vwh/mv)

Thomas Béhar · Präsidenten der Actuarial Association of Europe · Solvency II
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