Märkte & Vertrieb

Gold: "Bei der digitalen Ausbildung von Auszubildenden besteht noch Handlungsbedarf"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Jedes Jahr wird berechtigterweise über die Lehrlingssituation gesprochen. Dieses Jahr war die Ungleichheit der Gehälter in Ost und West das Thema. Das ist in der Versicherungsbranche seit Jahren kein Thema mehr, wichtiger sind Digitalisierung, Lehrinhalte und Gleichberechtigung in der Ausbildung. Dazu hat Michael Gold, Geschäftsführer des AGV (Versicherer als Arbeitgeber) viel zu sagen.
VWheute: Die Versicherer sind immer auf der Suche nach digital begabten Mitarbeitern, hat sich dieser Wunsch bereits in der Ausbildung niedergeschlagen – oder gibt es entsprechende Pläne?
Michael Gold: Digitale Kompetenzen gewinnen auch in der Versicherungswirtschaft immer mehr an Bedeutung. Aktuell können die Auszubildenden im Rahmen diverser unternehmensinterner Angebote ihre digitalen Kompetenzen aufbauen, zum Beispiel stehen die Themenbereiche IT-Grundlagen (Aufbau und Funktionsweise von IT-Architektur) und IT-Sicherheit auf der Agenda (vgl. Ausbildungserhebung der Versicherungswirtschaft des AGV und BWV 2017).
Dennoch besteht laut der Studie "Kompetenzlabor 2016" des BWV Bildungsverbandes noch weiterer Handlungsbedarf. Um diesen aufzugreifen, werden aktuell Zusatzmodule für den Ausbau von digitalen Kompetenzen bei den Auszubildenden entwickelt. Des Weiteren wird eine mögliche Verankerung relevanter Kompetenzen im Rahmen des Neuordnungsverfahrens geprüft. Dieses ist für 2019 vorgesehen.
Auch für weitere Beschäftigungsgruppen der Branche ist der Aufbau digitaler Kompetenzen notwendig. Der BWV Bildungsverband startet im Herbst 2018 die Digitalisierungskampagne "discover digital", welche auf den Kompetenzausbau im Bereich Digitalisierung abzielt.
VWheute: Wie groß ist der Einfluss der Branche auf die Inhalte der Ausbildung, wer ist daran beteiligt, was sollte angepasst werden?
Michael Gold: Der Einfluss der Branche ist sehr groß. Im Neuordnungsverfahren vertritt der BWV Bildungsverband arbeitgeberseitig die Interessen der Versicherungswirtschaft. In diesem Verfahren hat das BWV eine hohe Expertise, die es in den drei letzten Neuordnungs- beziehungsweise Teilnovellierungsverfahren unter Beweis gestellt hat.
Anpassungsbedarf, Impulse und Anregungen aus der Branche werden in verschiedenen Gremien und Expertenkreisen gesammelt und von den Sachverständigen der Branche in das Verfahren eingebracht. Anschließend werden diese mit den weiteren Beteiligten des Neuordnungsverfahrens – zum Beispiel Verdi, BMBF, BMWi, KMK, BIBB - abgestimmt. Die Ergebnisse dieser Diskussion und die des Kompetenzlabors fließen bei der Gestaltung einer neuen Ausbildungsordnung mit ein.
VWheute: Wie ist die Ausbildungssituation in der Branche, befriedigend oder ausbaufähig, immer mehr junge Menschen studieren, macht sich dieser Umstand bemerkbar?
Michael Gold: In 2017 gab es mit den Ausbildungsplätzen in Agenturen über 13.000 Auszubildende in der Versicherungsbranche. Das entspricht einer Quote von 6,3 Prozent. In 2016 lag die Quote bei 6,5 Prozent, das heißt, es gab nur eine geringfügige Abnahme.
Es ist richtig, dass es auch in der Versicherungswirtschaft eine Tendenz zum Studium gibt. Die Dual Studierenden - laut Ausbildungsumfrage der Versicherungswirtschaft 2017 - haben sich im Vergleich zu den Jahren 2011 (7,6 Prozent) bis 2016 (10,9 Prozent) erhöht. Die Zahlen für das Jahr 2017 werden gerade erhoben.
Parallel zum Dualen Studium setzt die Branche auf ein durchlässiges Aus- und Weiterbildungssystem, das einen nahtlosen Übergang von der beruflichen in die akademische Bildung ermöglicht. Ein gutes Beispiel hierfür ist, die Möglichkeit nach einer Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen und die der Fortbildung zum Fachwirt für Versicherungen und Finanzen den brancheneigenen Bachelorstudiengang Insurance Management der Deutschen Versicherungsakademie zu absolvieren. Die Verzahnung der drei Qualifikationen ist auch die Basis für das neue ApS-Modell (Ausbildung plus Studium).
VWheute: In der Regel beginnen mehr Männer als Frauen Ausbildungen in der Branche, wie hat sich das in den letzten zehn Jahren verändert und gibt es ein Endziel?
Michael Gold: Seit Jahren ist der Anteil der weiblichen Auszubildenden mit gut 44 Prozent relativ konstant. Ein Blick auf die Verteilung der Beschäftigten im Innen- und angestellten Außendienst zeigt, dass im Innendienst aktuell mehr als die Hälfte (53 Prozent) Frauen sind, während im angestellten Außendienst die Männer mit einem Anteil von 77 Prozent deutlich überwiegen.
Im Vertrieb strebt die Branche einen deutlich höheren Frauenanteil an. Hier engagiert sich der Branchenbeirat "Frauen in Führung", der aus circa 30 Top-Managerinnen und -Managern der Branche besteht. Nein, eine fest definierte Zielmarke gibt es nicht, jedoch ein klares Bekenntnis, hier die Lücke zu schließen. (vwh)
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz
Die Ausbildungsumfrage des AGV finden Sie HIER
Die BWV-Studie: Kompetenzlabor Welche Kompetenzen benötigt die Versicherungswirtschaft künftig? finden Sie HIER
Bild: Michael Gold (Quelle: AGV, Versicherer als Arbeitgeber)
AGV · Ausbildung · Digitalisierung · Michael Gold
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