26.07.2018Schlaglicht

"Versicherer haben ein großes Problem mit der Bewältigung von Fehltritten"

Von VW heute
Kommentar von Michael Stanczyk. Dass Allianz, Generali oder Ergo zu den bekanntesten Versicherern zählen, überrascht aufgrund ihrer öffentlichen Präsenz kaum. Lange werden die Unternehmen nicht mehr nur danach bewertet, wie gut ihre Leistungen sind, sondern wie gut sie sich präsentieren. Wenn man sich allerdings außerhalb der Branche umhört, verdankt die Allianz besonders der gleichnamigen Arena im Münchener Stadtteil Fröttmaning ihren Ruf. Und Ergo? Das waren doch die, die in Budapest einmal so heftig gefeiert haben. Boshafte Bemerkungen, die die Realität touchieren, aber keinesfalls abdecken. Den Versicherern tut man damit sicherlich Unrecht.
Wenn ich bei lockeren Gesprächsrunden im Bekanntenkreis nach meiner beruflichen Tätigkeit gefragt werde, begleitet mich – vorausahnend, dass der Austausch im späteren Verlauf zäh werden könnte – immerwährend ein leichtes Unbehagen. Ich antworte Redakteur.
Die erste Reaktion darauf fällt trotz manch wenig schmeichelhafter Imagerankings positiv aus und ist zumeist irgendwo zwischen Anerkennung und Wertschätzung angesiedelt. Schließlich sei das Berufsfeld hoch anspruchsvoll, vielfältig und die Verantwortung gegenüber der Leserschaft immens – gerade in einem so schnelllebigen Geschäft wie dem Journalismus. Dann aber endet mein persönlicher Mini-Höhenflug mindestens genauso plötzlich wie er begonnen hat.

Wertschätzung, Erstaunen, Enttäuschung

Auf die unweigerlich folgende zweite Frage, in welchem Ressort ich denn genau tätig sei, antworte ich: im Wirtschaftsbereich, genauer gesagt der Versicherungswirtschaft. In diesem Moment scheinen meinen Gesprächspartnern die Gesichtszüge geradezu zu entgleiten. Das zunächst positive Erstaunen geht binnen Sekundenbruchteilen in regelrechte Enttäuschung über.
Die Adjektive, die fernab des Daily Business zwischen Risiko und Rendite im Zusammenhang mit der Branche fallen, zirkulieren im Spektrum zwischen trocken, konservativ, langweilig. Dass Akteure wie Allianz und Ergo zu den bekanntesten zählen, überrascht kaum. Die Kuriosität der Begründungen dafür umso mehr. Demnach verdankt die Allianz besonders der gleichnamigen Arena im Münchener Stadtteil Fröttmaning ihren Ruf. Und Ergo? Das waren doch die, die in Budapest einmal so heftig gefeiert haben. Boshafte Bemerkungen, die die Realität touchieren, aber keinesfalls abdecken.
Den Versicherern tut man damit sicherlich Unrecht. Eine ganze, hochkomplexe Branche auf Einzelfälle herunterzubrechen, kann nicht richtig sein. Tatsächlich haben die Unternehmen hinter den gläsernen Fassaden als Stabilitätsanker viel zu bieten für Wirtschaft und Gesellschaft. Ohne ihren Schutz wäre eine stabile Ordnung kaum denkbar, ohne ihre Arbeitsplätze der Standort D schwächer.

„Wäre Versicherungsschutz sichtbar, würde man ihm auf Schritt und Tritt begegnen“

Der GDV bringt es plastisch präzise auf den Punkt. „Mit über 433 Millionen Verträgen übernehmen die deutschen Versicherer Risiken im Alltag nahezu jedes Bürgers und Unternehmens. Wäre Versicherungsschutz sichtbar, würde man ihm auf Schritt und Tritt begegnen. An jedem Auto, an jedem Gebäude der Stadt und in jedem Unternehmen.“ Mit Beitragseinnahmen in Höhe von 197,8 Mrd. Euro gehören die Insurance-Player hierzulande zu den umsatzstärksten Branchen überhaupt.
Erst kürzlich habe ich mich mit dem Arbeitgeberverband der Deutschen Versicherungsunternehmen (AGV) persönlich darüber ausgetauscht, wie wichtig die Versicherer für den Beschäftigungsstandort D seien. Dazu ein kleiner Auszug an Fakten: 2017 die Gesamtzahl bei knapp 205.000 Mitarbeitern, die Betriebszugehörigkeiten der Männer belaufen sich durchschnittlich auf 15,6 Jahre, die der Frauen sogar auf 16,8 Jahre. Die Fluktuation liegt im Innendienst bei nur 5,3 Prozent. Der Spiegel etwa berichtete gestern, dass die Branche zum Wirtschaftszweig mit den höchsten Ausbildungsgehältern zählt.
Diese Entwicklungen mit Langeweile gleichzusetzen wäre fahrlässig, denn sie spiegelt Robustheit, Stabilität und Sicherheit.
Das Versicherungsgeschäft dreht sich um Zahlen, Fakten und Prognosen. Wie könnte es auch anders sein? Für die einen ist das trocken, für die anderen ein Indikator für Seriosität. Ohne Versicherungen wäre alles nichts. Auf den zweiten Blick verbergen sich hinter ihren unsichtbaren Leistungen immer Werte, die reale Fundamente für das Leben schaffen. Und das ist doch schon mal was, oder? (mst)