24.07.2018Schlaglicht

PKV geht extrem schwierigen Zeiten entgegen

Von Maximilian VolzVW heute
Schwacher Nettozugang, Entlastungen der Selbständigen in der GKV und die Niedrigzinsen belasten die PKV – den Treuhänderstreit gibt es obendrauf. Der Assekurata-Marktausblick zur PKV 2018 sieht auf die Versicherer viele Probleme zukommen. Die PKV wird einen harten Kampf annehmen müssen, der Erfolg ist ungewiss.
Die privaten Versicherer mussten im vergangenen Jahr in der Vollversicherung einen Rückgang im Bestand hinnehmen. Insgesamt betrug dieser 0,2 Prozent, obwohl der Bereich Beihilfe einen Zuwachs von 0,9 Prozent verzeichnete. Das Segment "Normalversicherte" erlitt einen erheblichen Rückgang, dieser betrug 1,3 Prozent. Der Rückschritt war sogar größer als im Vorjahr (0,9 Prozent), das erste Mal seit dem Jahr 2014. Eine Verbesserung steht nicht in Haus, denn durch das Entlastungsgesetz in der GKV sinken die Beiträge für Arbeitnehmer und Selbstständige, der Wettbewerb um diese Zielgruppe wird also härter werden. Das bestätigt Gerhard Reichl, Fachkoordinator Krankenversicherung bei Assekurata und Autor der Untersuchung.
Beamte wollen die PKV
Immerhin, das Hamburger-Modell, Beamte können ihren Schutz frei wählen und erhalten Beihilfe oder einen Zuschuss zur GKV, sehen die Studienherausgeber nicht als PKV-bedrohlich an. Viele Bundesländer würden dem Modell wegen der Kosten "skeptisch gegenüber stehen". Zudem würden nur rund zwölf Prozent der Beihilfeempfänger bei einer Wahlmöglichkeit einen Wechsel anstreben. Allerdings ist der Zuwachs im Bereich Beihilfe nicht einmal ein Prozent stark, schon Abgänge im einstelligen Prozentbereich würden stark ins Gewicht fallen. Neben Hamburg hat übrigens auch Thüringen den PKV-Schutz für Beamte um die Option GKV geöffnet.
Treuhänderstreit reloaded
Im Jahr 2018 haben die Versicherer die Beiträge in den Beihilfetarifen um 2,3 Prozent, in der Vollversicherung um 4,3 Prozent erhöht, und zwar relativ geräuschlos. Das kann man von den kräftigen Anpassungen im Vorjahr nicht sagen, die haben ein juristisches Nachspiel, denn der Berliner Anwalt Knut Pilz ging erfolgreich gegen mehrere Erhöhungen vor und erstritt für seine Mandate etliche Urteile. Im Fokus der Attacke stand die nicht gegebene Unabhängigkeit des Treuhänders, der BGH wird sich dieser Frage in Bälde final annehmen. Wie Pilz in einem aktuellen Telefongespräch mit VWheute erklärte, ist bei einem Urteil zu Gunsten der Versicherten, bei denen es teilweise um fünfstellige Beträge geht, das Geld für die Versicherer weg. Mit künftigen Erhöhungen könnten die in der Vergangenheit gerissenen Lücken nicht geschlossen werden. Den Verlust müssten die Versicherer "aus ihren Gewinne bestreiten". Es ist zudem anzunehmen, dass bei einem aus Kundensicht erfolgreichen Verlauf der Prozesse weitere Klagen folgen würden, ein Image- und Geldverlust wäre die Folge.
Gerade in finanzieller Hinsicht ist die PKV derzeit nicht formidabel aufgestellt, zwar liegen Milliarden an Reserven bereit, doch laut Assekurata gelingt es den Versicherern nicht, die Lücke zwischen angesetztem Rechnungszins und aktuariellem Unternehmenszins (AUZ) zu verringern. Ursächlich dafür sei die seit dem Jahr 2012 stetig sinkende laufende Durchschnittsverzinsung. Im Jahr 2018 ist der AUZ von 2,87 auf 2,70 Prozent gesunken, damit entstehe beim Rechnungszins "rein rechnerisch" weiterhin ein Absenkungsbedarf von rund 20 Basispunkten. Laut Reichel ziehe allein dieser Umstand "eine Beitragssteigerung von zwei bis drei Prozent nach sich". Wegen der anhaltenden Niedrigzinsen sei eine "nachhaltige Ruhe an der Beitragsfront" vorerst nicht in Sicht, erklärt der Experte.
Sinkende Beiträge bei der Konkurrenz GKV, ein wegweisender Gerichtsprozess wegen zurückliegender Beitragsanpassungen mit möglichen Millionenschäden vor der Brust und das alles bei sinkenden Zinserträgen aus Kapitalanlagen, der PKV stehen extrem schwierige Zeiten ins Haus. (vwh/mv)
Mehr Informationen zur Studie und die Bezugsmöglichkeit können Sie HIER erfragen.
Bild: schwere Zeiten  (Quelle: Bernd Guenther /  www.pixelio.de / PIXELIO)
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Maximilian Volz
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Redakteur