Köpfe & Positionen

Viridium-Chef Roß: "Wir wickeln keine Kunden ab"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Verkauf der Generali Leben an den Run-off-Spezialisten Viridium hat in den vergangenen Wochen bekanntlich für erhebliche Diskussionen gesorgt. "Unsere Branche muss sich ankreiden, dass wir bisher unzureichend erklärt haben, was ein Run-off tatsächlich bedeutet", betont hingegen Viridium-Chef Heinz-Peter Roß gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
"Umso mehr kann es dann irritieren, wenn ein großes Versicherungsunternehmen einen Bestand nicht weiterführen möchte und dann wir mit einem Beteiligungsunternehmen und einem deutschen Rückversicherer im Rücken daherkommen und genau dies anbieten. Deshalb müssen wir unser Geschäft besser erklären, um Vertrauen zu schaffen", ergänzt der Versicherungsmanager.
Die Gründe sieht Voß vor allem darin, "dass wir als Bestandsmanager etwas ganz Neues machen. Dabei gibt es Eigentümerwechsel schon lange. Und wir sind genauso regulierte Lebensversicherer wie alle anderen auch. Einziger Unterschied ist: Wir richten unseren Fokus zu 100 Prozent auf die Bestände und machen kein Neugeschäft. Meine Hoffnung ist, dass unser Geschäftsmodell bald als normal und für die Kunden vorteilhaft angesehen wird."
Das Image eines "Abwicklers" will der Vorstandschef der Viridium-Gruppe hingegen nicht gelten lassen: "Wir wickeln keine Kunden ab". Vielmehr klingt dessen Geschäftsmodell recht simpel: "Wir überführen sie auf unsere komplett
neue Plattform, die auf moderner Standardsoftware basiert. Darauf packen wir so viele Policen wie möglich und können dadurch die Kosten drastisch reduzieren."
Mit Blick auf die Bestände der Generali erklärt er: "Wir garantieren den Kunden vom ersten Tag an, dass wir zehn Prozent der Kosten einsparen. Diese zehn Prozent bekommt jeder Kunde, unabhängig davon, ob wir sie schaffen oder nicht. Das ist unser eigenes unternehmerisches Risiko."
Aber: "In England hat der Run-off einen negativen Beigeschmack bekommen, weil einige Unternehmen schlecht mit Kunden umgegangen sind. [...] Der Imageschaden aus England hängt bis heute nach. Cinven hat jedoch einen guten Ruf und stand im englischen Markt nie in der Kritik. Cinven ist ein sehr nachhaltig und langfristig orientierter Investor. Unseren Eigentümern ist klar, dass man ein Modell wie unseres nicht kurzfristig begleiten kann", ergänzt Voß.
Von weiteren großen Plänen will der Viridium-Chef hingegen vorerst nichts wissen: "Erst einmal konzentrieren wir uns auf den Abschluss der Generali-Leben-Transaktion. Wir haben uns Pensionskassen angeschaut und davon Abstand genommen. Die mögliche Effizienz unseres Modells ist dabei nicht so groß wie im normalen Lebensversicherungsgeschäft. Pensionskassen werden anders reguliert, und es ist zusätzliches Kapital vonnöten, um die Verpflichtungen zu erfüllen. Dort sind wir eher zurückhaltend." (vwh/td)
Bild: Heinz-Peter Roß, Vorstandsvorsitzender der Viridium-Gruppe (Quelle: Viridium)
Run-off · Viridium · Heinz-Peter Roß
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