Köpfe & Positionen

Leitermann: Run-off-Option ist "immer die ultima ratio"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Neue Folge der Sommerinterviews bei VWheute. In unserer heutigen Ausgabe haben wir den Vorstandsvorsitzenden der Signal Iduna, Ulrich Leitermann, um eine aktuelle Bewertung der Lage gebeten. So zeigt er sich mit dem Start des Transformationsprogramms VISION2023 zufrieden, sieht in der Run-Off-Option "immer die ultima ratio" und der Zinsentwicklung "die größte Herausforderung für alle Versicherer."
VWheute: Was funktionierte im Unternehmen im ersten halben Jahr gut und was nicht ganz so optimal?
Ulrich Leitermann: Um künftig erfolgreich zu sein, müssen wir unseren Kunden einen Mehrwert bieten, der über das reine Versichern hinausgeht. Diesen Anspruch haben wir in unserer neuen Vision formuliert, die lautet: "Gemeinsam mehr Lebensqualität schaffen!" Das ist das Versprechen an unsere Kunden, an dem wir uns künftig messen lassen werden. Dahinter steht eine radikale Fokussierung auf die Wünsche des Kunden. Um das zu erreichen, haben wir Anfang dieses Jahres unser mehrjähriges Transformationsprogramm VISION 2023 gestartet. Der Start ist gelungen.
Die Einführung des Produkts "Versicherung09" hat sich etwas verzögert. Dafür haben wir dieses Produkt aber erstmals gemeinsam mit einem Startup und in nur neun Monaten entwickelt.
VWheute: Was erwarten Sie vom zweiten Halbjahr / warum wird es ein Erfolg?
Ulrich Leitermann: Wir haben mit unserer neuen Cyperpolice für den Mittelstand, unserer exzellenten KV-Absicherung in allen relevanten Bereichen und unseren neuen Angeboten in der betrieblichen Altersvorsorge sehr gut im Markt positionierte Produkte. Hieraus erwarte ich weitere Wachstumsimpulse in den nächsten sechs Monaten.
VWheute: Wie ist die Schadenentwicklung im ersten Halbjahr, was erwarten Sie für die zweite Hälfte?
Ulrich Leitermann: Die Schadenentwicklung in Komposit liegt bis einschließlich Mai 2018 bei minus vier Prozent bei gleichzeitiger Steigerung der Beitragseinnahme. Insgesamt erwarten wir in Komposit für das Jahr 2018 eine Schadenentwicklung leicht über Vorjahr bei gleichzeitiger Steigerung der Beitragseinnahme, wobei mögliche Großschäden beispielsweise durch Stürme berücksichtigt sind.
VWheute: Ihre größte Befürchtung / größte Hoffnung für 2018?
Ulrich Leitermann: Die Zinsentwicklung bleibt die größte Herausforderung für alle Versicherer. Intensiv arbeiten müssen wir an der Veränderung der Berechnungslogik der Zinszusatzreserve. Hier brauchen wir die politische Unterstützung. Hoffnung habe ich, dass erkannt wird, dass der bürokratische Wahnsinn, der mehr und mehr um sich greift, wie am Beispiel der DSGVO ersichtlich, endlich ein Ende haben muss.
VWheute: Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze:
Ulrich Leitermann: Der Provisionsdeckel ist ... nicht notwendig, da die Abschlusskosten seit der Einführung des LVRG bereits um etwa 20 Prozent gesenkt wurden.
Ulrich Leitermann: Die Zinszusatzreserve muss gesenkt werden, weil ... der Patient sonst an der Prophylaxe sterben könnte.
Die Run-Off-Option in der Lebensversicherung ist für die Branche ... immer die ultima ratio und kommt für uns nicht in Frage.
Die Digitalisierung in unserem Haus ist ... auf einem sehr guten Weg – wir reden aber lieber weniger darüber, sondern setzen auf konsequente Umsetzung.
VWheute: Ihre Spezialfrage: Was hat die Signal Iduna von dem Prozess gegen Anno August Jagdfeld gelernt?
Ulrich Leitermann: Was Recht ist, muss Recht bleiben. Niemand aus der Signal Iduna Gruppe hat sich je negativ über Herrn Jagdfeld geäußert. Die Klage ist in vielerlei Hinsicht absurd und wird keinen Erfolg haben.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Ulrich Leitermann, Vorstandsvorsitzender der Signal Iduna Gruppe (Quelle: Signal Iduna)
Signal Iduna · Ulrich Leitermann · Sommerinterview
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