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AGCS: Weniger Schiffsverluste und weniger Schäden

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Schiffsunfälle und Totalschäden waren im vergangenen Jahr weiter rückläufig. So wurden 2017 insgesamt 94 Totalverluste von Schiffen über 100 Bruttotonnen gemeldet. Das entspricht einem Rückgang von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr (2016: 98). Dies geht aus dem neuen "Safety & Shipping Review 2018" der Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) hervor.
Fast ein Drittel der Schifffahrtsverluste (30) ereignete sich demnach im vergangenen Jahr in den Gewässern um Südchina, Indochina, Indonesien und den Philippinen. Dies entspricht einem deutlichen Anstieg um 25 Prozent im Jahresvergleich – vor allem getrieben durch Schäden in Vietnam - konstatieren die Experten von AGCS weiter. Die meisten Totalverluste ereigneten sich dabei laut AGCS-Report durch Unwetter, gefolgt von hohem Verkehrsaufkommen und geringeren Sicherheitsstandards auf einigen Inlandsrouten. Manche Branchenexperten sprechen daher auch von einem "neuen Bermudadreieck".
Das zweitgrößte Gefahrengebiet liegt laut AGCS-Experten im östlichen Mittelmeer und der Schwarzmeerregion mit 17 Schiffsverlusten, gefolgt von den Britischen Inseln mit acht Verlusten. Zudem haben die Schiffsunfälle rund um den arktischen Polarkreis laut Report um 29 Prozent zugenommen. Die Hauptursache sehen die Experten oftmals in Maschinenschäden. Die meisten der im vergangenen Jahr verlorenen Schiffe sind gesunken (61) oder gestrandet (13). Die deutsche Handelsflotte war nicht betroffen - der letzte Verlust datiert auf den Januar 2015.
Die häufigste Ursache der weltweiten Schiffsverluste bleibt laut AGCS-Studie der Schiffsuntergang mit 61 Fällen im Jahre 2017. Havarierte oder gestrandete Schiffe kommen an zweiter Stelle (13), gefolgt von Maschinenschaden/-ausfall (acht Fälle). Mehr als die Hälfte aller Schiffsverluste waren im vergangenen Jahr die Containerschiffe (53). Schadenträchtigster Tag auf See ist zudem der Freitag: insgesamt 175 der 1.129 gemeldeten Totalverluste fielen demnach in der letzten Dekade auf diesen Tag. An einem Freitag, den 13., sanken in den letzten zehn Jahren sogar drei Schiffe, darunter 2012 auch die Costa Concordia, die als größter Schifffahrtsversicherungsschaden aller Zeiten gilt.

Hauptursache ist menschliches Versagen

Häufigste Ursache für die Schiffsunfälle ist laut AGCS immer noch menschliches Versagen. So gehen 75 Prozent der von der AGCS untersuchten 15.000 Haftpflichtversicherungsschäden in der Schifffahrt noch immer auf menschliches Versagen zurück. Die Kosten für die entsprechenden Schäden beliefen sich laut AGCS auf etwa von 1,6 Mrd. US-Dollar. "Menschliches Versagen ist nach wie vor eine der Hauptursachen für Unfäll. Unzureichende landseitige Unterstützung und Wettbewerbsdruck spielen eine wesentliche Rolle bei der Gefahrenlage in der Seefahrt. Straffe Zeitpläne können sich ungünstig auf die Sicherheitskultur und die Entscheidungen an Bord auswirken", konstatiert Kapitän Rahul Khanna, Global Head of Marine Risk Consulting bei der AGCS.
Grund zur Entwarnung gibt es jedenfalls nicht: "Der langfristige Abwärtstrend bei den Totalverlusten setzt sich fort. Verbesserungen im Schiffsdesign sowie die positiven Folgen von Sicherheitsvorschriften und Risikomanagement an Bord führten zuletzt zu vergleichsweise moderaten Versicherungsschäden. Die Zahl eher technisch bedingter Schäden durch Cyberereignisse oder technische Defekte wird im Vergleich zu den traditionellen Verlusten durch Kollisionen steigen", betont Volker Dierks, der bei AGCS Zentral- und Osteuropa für die Schiffsversicherung zuständig ist.
Neben den Cyberrisiken durch die zunehmende Technologie an Bord der Schiffe rechnen die Experten von AGCS zudem mit einer weiteren Zunahme der Gefahren. Die größten Risiken sehen die Experten der Allianz-Tochter vor allem in den Kapazitäten zur Brandbekämpfung, die mit den steigenden Schiffsgrößen nicht unbedingt Schritt gehalten hätten, neuen Emissionsvorschriften, der autonomen Schifffahrt und den Drohnen, sowie in den neuen Gefahren bei den Transportrouten durch den Klimawandel. (vwh/td)
Bildquelle: GDV
Grafikquellen: AGCS / Statista
AGCS · Schifffahrt
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