Köpfe & Positionen

Zitzmann: "Run-off-Option ist ein PR-Desaster"

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Sommerzeit ist wieder Interview-Zeit. VWheute wird in den kommenden Tagen führende Branchenheads um eine aktuelle Bestandsaufnahme bitten. Den Auftakt macht heute Armin Zitzmann, Vorstandschef der Nürnberger. Sorgen bereiten ihm vor allem der regulatorische Druck und die aktuelle Debatte um einen Run-off in der Lebensversicherung.
VWheute: Was funktionierte im Unternehmen im ersten halben Jahr gut und was nicht ganz so optimal?
Armin Zitzmann: Beim Thema BU- und Einkommensschutz haben wir mit neuen Produkten und besserem Service das Neugeschäft im Vertriebsweg Makler deutlich gesteigert. Und bei der Digitalisierung der Kommunikation mit Maklern haben wir große Fortschritte erzielt. So ist unser elektronischer Antragsprozess jetzt mit allen führenden Vergleichsprogrammen möglich. Auch erfreulich: In der Kfz-Versicherung übertreffen wir unser Planziel.
VWheute: Was erwarten Sie vom zweiten Halbjahr / warum wird es ein Erfolg?
Armin Zitzmann: Intern ist für uns die größte Aufgabe die Modernisierung der IT und hier vor allem das laufende Projekt zur Einführung eines neuen Leben-Bestandsführungssystems in 2019. Es bildet die Basis künftiger Digitalisierungsmaßnahmen.
Im Vertrieb erwarten wir starke Verkaufsimpulse durch eine neue modulare BU und eine neue Grundfähigkeitsversicherung.
VWheute: Wie ist die Schadenentwicklung im ersten Halbjahr, was erwarten Sie für die zweite Hälfte?
Armin Zitzmann: Durch die großen Sturmereignisse und einige regionale Starkregenvorfälle ist die Schadenfrequenz im Vergleich zum Vorjahr höher. Für das zweite Halbjahr wünschen wir uns natürlich einen ruhigen Sommer und einen Herbst ohne den fast schon obligatorischen Herbststurm.
VWheute: Ihre größte Befürchtung / größte Hoffnung für 2018?
Armin Zitzmann: Unsere größte Sorge ist, dass es für die Versicherungsbranche durch den zunehmenden regulatorischen Druck immer schwieriger wird, ihren sozialpolitischen Auftrag wahrzunehmen, nämlich Menschen Schutz und Sicherheit zu bieten. Unsere größte Hoffnung ist, dass am Ende in Brüssel und Berlin doch die Vernunft siegt.
VWheute: Bitte vervollständigen Sie folgende Sätze:
Armin Zitzmann: Der Provisionsdeckel ist ... unnötig und schädlich, weil er die umfassende und qualitative Beratung der Kunden gefährdet.
Die Zinszusatzreserve muss gesenkt werden, weil ... die derzeitige Regelung viele Kunden massiv benachteiligt.
Der Run-Off-Option in der Lebensversicherung ist für die Branche ... ein PR-Desaster, weil der Run-off in den Medien stets als Bankrotterklärung der Branche dargestellt wird und damit die Kunden verunsichert werden.
Die Digitalisierung in unserem Haus ist ... ein spannender und notwendiger, manchmal aber auch schmerzhafter Lernprozess.
VWheute: Ihre Spezialfrage: Warum ist die Nürnberger als Traditionsunternehmen besonders zukunftsfähig?
Armin Zitzmann: Dank unserer Unabhängigkeit können wir frei von den Zwängen eines internationalen Großkonzerns agieren: Wir stellen alle Produkte und Prozesse auf den Prüfstand, damit Menschen einfach den passenden Schutz finden. Digitalisierung ist für uns der Weg, das Ziel der Kundenzufriedenheit zu erreichen.
Wir pflegen unsere etablierten Vertriebswege (Makler, Ausschließlichkeit, Autohaus und Familienschutz) und bauen den Online-Vertriebsweg aus. Denn aus unserer Erfahrung heraus wissen wir: Die persönliche Beratung wird auch in Zukunft unverzichtbar sein.
Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Maximilian Volz.
Bild: Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der Nürnberger (Quelle: ak)
Nürnberger · Sommerinterview
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