Politik & Regulierung

Steffens: "Das Ende der PKV ist nur eine Frage der Zeit"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Wechsel vom Ministersessel in die freie Wirtschaft ist heikel. Ronald Pofalla agierte als Minister unter Angela Merkel sehr Bahn-affin und wechselte dann zur selbigen. Die frühere NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens ist seit 1. Juli jetzt Chefin der TK im bevölkerungsreichsten Bundesland. In ihrer neuen Position fordert sie weniger Operationen und bezeichnet die PKV als im Grunde bereits verstorben.
Was sie von der Rolle der privaten Versicherungswirtschaft im Gesundheitsbereich hält, darüber lässt Steffens niemanden im Unklaren: "Das Ende der PKV ist doch nur eine Frage der Zeit: Die Beiträge wachsen in den Himmel, manche Senioren müssen mehr als die Hälfte ihrer Rente dafür aufbringen." Es wäre "unsolidarisch", wenn ein junger Mensch mit der PKV spare und im Alter bei steigenden Beiträgen in die GKV wechsle.
Die hauptsächliche Ursache für die Misere bei der PKV wären die "Minizinsen". Den Anbietern würde es immer weniger gelingen, "Altersrückstellungen aufzubauen". Es sei die Aufgabe des Staates, PKV und GKV "in ordentliche Bahnen zu lenken", damit nicht am Ende die Solidargemeinschaft draufzahle, erklärte sie gegenüber RP online. Das Hamburger Modell, Beamte können sich sowohl gesetzlich wie privat versichern, bezeichnete die TK-NRW-Chefin als "gut".
Zu viele Operationen
Doch auch zur allgemeinen Krankenversicherungslage hat die ehemalige Ministerin eine Meinung. In Deutschland werde zu häufig operiert, erklärt Steffens und nennt Zahlen, die kaum zu glauben sind. Die TK biete seit Jahren spezielle Angebote zum Thema Zweitmeinung, das Ergebnis sei, dass "bei mehr als 70 Prozent" der Versicherten eine empfohlene Hüft-OP unnötig sei, bei Rücken-OPs wären es sogar "90 Prozent".
Operationen kosten viel Geld, doch daran mangelt es den gesetzlichen Kassen derzeit nicht, dass weiß auch Gesundheitsminister Jens Spahn. Er wollte die Beiträge der Kassen senken, im Juni dieses Jahres erklärte er: "Die Krankenkassen häufen aufgrund der guten wirtschaftlichen Lage immer weiter Finanzreserven an. Deshalb ist es richtig, dass Krankenkassen sobald wie möglich ihre übermäßig hohen Rücklagen abbauen müssen, um Arbeitnehmer und Rentner zu entlasten."
Dieser Ansicht widerspricht Steffens, sie wolle den Versicherten ein "Beitrags-Jojo" ersparen. Der Verwaltungsrat der TK werde Ende des Jahres entscheiden, ob der Zusatzbeitrag gesenkt werde. (vwh/mv)
Bildquelle: Jakob Ehrhardt / www.pixelio.de / PIXELIO
PKV · GKV · TK · Barbara Steffens
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