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Wir wollen das Risikobewusstsein in der Bevölkerung massiv erhöhen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Naturkatastrophen nehmen zu, trotzdem verweigern viele Hausbesitzer die adäquate Versicherung. Das kann nicht im Sinne der Versicherer, Kunden oder Allgemeinheit sein. Mathias Scheuber, Vorstandsvorsitzender der Ergo Versicherung AG erklärt in seinem Gastbeitrag, was getan werden kann und muss.
Immer häufiger erleiden Immobilienbesitzer finanzielle Schäden durch Starkregen, Überschwemmungen und andere Naturereignisse. Trotzdem ist in Deutschland nur etwa jedes dritte Gebäude ausreichend versichert. Deshalb sollten Versicherungswirtschaft und Politik noch stärker daran arbeiten, das Ausmaß der Bedrohung und die Absicherungsmöglichkeiten zu verdeutlichen.
Wenn es um Naturgefahren geht, fühlen sich die Bundesbürger ziemlich sicher. In einer GfK-Umfrage im Jahr 2016 antworteten auf die Frage „Was bedeutet eine Gefahr für Ihre Immobilie?“ 90 Prozent mit „Feuer“, 62 Prozent nannten „Leitungswasser“, 50 Prozent „Sturm/Hagel“ und nur 12 Prozent erkannten die Gefahr von „Starkregen/Überschwemmung“. Doch die Statistik zeichnet ein anderes Bild: Seit 1970 steigt die Zahl der Elementarereignisse in Deutschland. 2016 lagen die von Starkregen verursachten Versicherungsschäden mit 940 Mio. Euro fast zehnmal höher als 2015.
Nur die Hochwasserkatastrophen von 2002 mit 1,8 Milliarden Euro und 2013 mit 1,65 Milliarden Euro waren verheerender. Allein rund eine Milliarde Euro an Schäden gingen auf das Konto der beiden Sturmtiefs „Elvira“ und „Friederike“, die Ende Mai und Anfang Juni 2016 mit dicht aufeinander folgenden Gewittern und anhaltenden Regenfällen übers Land zogen. Auch fernab von Flüssen und Seen hieß es „Land unter“, weil die Kanalisation den plötzlichen Starkregen nicht fassen konnte. In diesem Frühjahr wurden viele Regionen Deutschlands von Starkregen überflutet, so fielen zum Beispiel, im Mai in Wuppertal innerhalb kürzester Zeit 100l pro Quadratmeter. Für einen Immobilienbesitzer kann eine derartige Überschwemmung den wirtschaftlichen Ruin bedeuten.
Zwei von drei Gebäuden nicht versichert
Mit den möglichen Folgen eines Elementarereignisses und dem Umfang des eigenen Versicherungsschutzes hat sich bisher offenbar die Mehrheit der Immobilienbesitzer nicht beschäftigt. Nur so lässt sich erklären, dass 60 Prozent der Gebäude nicht entsprechend versichert sind. Versicherer bieten die Naturgefahrenversicherung als optionalen Zusatzbaustein zur Wohngebäude- oder Hausratversicherung an. Daher ist es wichtig, den Versicherungsschutz zu überprüfen, denn nicht immer sind Schäden durch Naturgefahren automatisch mitversichert. Am mangelnden Angebot kann es nicht liegen: Versicherungsschutz ist flächendeckend verfügbar – sogar für Gebäude, denen statistisch alle zehn Jahre ein Hochwasserschaden droht.
Diese Immobilien fallen in die Gefährdungsklasse 4 des Zonierungssystems für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen, kurz ZÜRS. Bundesweit gehören nur etwa 0,6 Prozent der Gebäude zu dieser besonders bedrohten Kategorie.
Mithilfe von Präventionsmaßnahmen wie beispielsweise druckwasserdichten Fenstern und vertretbaren Selbstbehalten können Immobilienbesitzer in ZÜRS 4 Gebieten die Prämie soweit reduzieren, dass der Versicherungsschutz bezahlbar wird. Damit hat die Versicherungswirtschaft der politischen Diskussion über eine Pflichtversicherung die Basis entzogen. Auf eine freiwillige Absicherung verzichten aber immer noch viel zu viele Hausbesitzer. Auch in weniger gefährdeten Gebieten, in denen Versicherungsschutz ohnehin günstiger zu haben ist, sind Millionen Gebäude nicht gegen Hochwasser und Überschwemmung versichert. Angesichts der bundesweiten Zunahme von Starkregen-Ereignissen gehen Hausbesitzer damit ein hohes Risiko ein.
Stadt.Land.unter
Was ist zu tun? An erster Stelle steht die Verbesserung des technischen Hochwasserschutzes mit mehr Überflutungsflächen, sicheren Deichen und einer Anpassung der Kanalisation. Und dies grenzüberschreitend in ganz Europa. Gleichzeitig besteht die Notwendigkeit gegen die weitere Erwärmung der Atmosphäre vorzugehen. An zweiter Stelle steht die Sensibilisierung der Bevölkerung für die wachsende Gefahr. Die Versicherungswirtschaft kann hier den Hochwasserpass als wirkungsvolles Beratungsinstrument einsetzen. Um die Wichtigkeit der Absicherung gegen Naturgefahren zu verdeutlichen und die Bevölkerung auf diese Risiken aufmerksam zu machen, hat der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) die bundesweite Initiative „Stadt.Land.unter“ gestartet. Sie konzentriert sich auf das Thema Starkregen.
Mehrere Bundesländer informieren die Bevölkerung mit gezielten Elementarschadenkampagnen, um auf die Bedrohung durch Naturgefahren aufmerksam zu machen. Der Freistaat Bayern geht dabei noch einen Schritt weiter und beendet die Zahlung von Soforthilfen nach Naturkatastrophen zum 1. Juli 2019. Die Notwendigkeit einer privaten Absicherung wird somit immer deutlicher.
Wenn eine Landesregierung empfiehlt, sich gegen Elementarschäden abzusichern, sollten Immobilienbesitzer die Hinweise ernst nehmen. Das erspart ihnen eine teure Enttäuschung. Angesichts des Angebots an bezahlbarem Versicherungsschutz sollte sich kein Hausbesitzer darauf verlassen, nach einem Elementarschaden Hilfe von der öffentlichen Hand zu erhalten. (vwh)
Bild und Autor: Mathias Scheuber, Vorstandsvorsitzender der ERGO Versicherung AG.
Elementarversicherung · Ergo · Wohngebäudeversicherung · Scheuber Matthias
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